Einbürgerungs-Debatte

Historiker: Griechen brachten den Händedruck nach Dänemark

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Foto: Chris Liverani/Unsplash

In der Debatte um den von der Regierung geplanten Händeschüttel-Zwang als „dänische Sitte“ für Einbürgerungswillige meldet sich jetzt die Wissenschaft zu Wort: Das Geben der Hand sei im antiken Griechenland entstanden – als letzter Gruß an einen Verstorbenen, so ein Historiker.

Die öffentliche Debatte in Dänemark dreht sich dieser Tage vor allem um eines: Ums Händeschütteln. Die Regierung will mit einem neuen Gesetz dafür sorgen, dass Einbürgerungswillige bei einer offiziellen Zeremonie die Hand geben müssen, um die dänische Staatsbürgerschaft zu erhalten.

Die glasklare Meinung von Integrationsministerin Inger Støjberg (Venstre) zu dem Fall: Es sei dänisch, die Hand zu reichen.

Doch der Geschichtsprofessor Vincent Gabrielsen von der Uni Kopenhagen erinnert daran, dass der Ursprung des Händedrucks keineswegs in Dänemark liegt. Einige der ältesten Aufzeichnungen vom Händedrücken stammten aus dem antiken Griechenland, sagt er. Erhaltene Grabmonumente dokumentieren, dass der Händedruck damals eine verbreitete Geste war.

„Es gibt Abbildungen von Familien und anderen Personen, die den Verstorbenen dadurch verabschieden, dass sie ihm die rechte Hand geben. Es ist der letzte Abschied“, sagt er.

Aus griechischer Literatur geht jedoch auch hervor, dass der Händedruck regelmäßig dazu genutzt wird, zu symbolisieren, dass zwei Personen eine besondere Freundschaft geschlossen haben, sagt Gabrielsen. „Es ist typisch zwischen Leuten aus verschiedenen Staaten, Orten oder Kulturen. Heute würde man das unser Netzwerk nennen, wenn wir Bande zu Leuten außerhalb unserer Landesgrenzen knüpfen“, so der Historiker.

Der Händedruck symbolisiere im Grunde genommen eine Freundschaft zwischen Fremden, sagt er. Das Ritual habe durch die Römer seinen Weg durch Europa und nach Dänemark gefunden.

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