Staatsbürgerschaft

Folketingspräsident heißt neue Staatsbürgerinnen und Staatsbürger willkommen

Folketingspräsident heißt neue Staatsbürgerinnen und Staatsbürger willkommen

Willkommenheißung neuer Staatsbürgerinnen und Staatsbürger

Kopenhagen
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Henrik Dam Kristensen (Sozialdemokraten) rief die Neustaatsbürgerinnen und -staatsbürger zum politischen Engagement auf. Foto: Volker Heesch

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Henrik Dam Kristensen: Dänische Staatsbürgerschaft ist ein Privileg - aber die dänische Gesellschaft ist auch auf euch angewiesen. Mette Frederiksen zeigte sich volksnah.

Im dänischen Parlament, dem Folketing, ist im Beisein von rund 4.000 Bürgerinnen und Bürgern, denen 2021 die dänische Staatsbürgerschaft zuerkannt worden ist, mit Ansprachen, einem Unterhaltungsprogramm und einem Tag der offenen Tür der „Statsborgerskabsdag 2022“ gefeiert worden. Als Hausherr empfing Folketingspräsident Henrik Dam Kristensen (Sozialdemokraten) die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die teilweise ihre Familienangehörigen dabeihatten.

Einige Neu-Staatsbürgerinnen und -Staatsbürger waren in Trachten ihrer Heimatländer ins Folketing gekommen. Foto: Volker Heesch

Für Farbtupfer sorgten im Festzelt im Hof des Parlaments Personen in bunten Trachten ihrer Heimatstaaten. Zu den Politikerinnen und Politikern, die bei den Festlichkeiten dabei waren, zählte Staatministerin Mette Frederiksen.

Staatsministerin Mette Frederiksen vertrat die Regierung während des alljährlich veranstalteten Festtags für neue Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. In den Reden blieb unerwähnt, dass seit Jahren die Hürden für die Zuerkennung der dänischen Staatsbürgerschaft immer weiter erhöht worden sind. Foto: Volker Heesch

„Viele beneiden uns darum in aller Welt“

Während des Tages der offenen Tür präsentierten sich auch viele der Folketingsfraktionen mit Infoständen und verbreiteten angesichts der bald erwarteten Neuwahlen Wahlkampfatmosphäre. Schließlich zählt das Recht an den Folketingswahlen teilnehmen zu können zu den neuen Möglichkeiten der frischgebackenen dänischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern.

„Die dänische Gesellschaft ist etwas ganz Besonderes, viele beneiden uns darum in aller Welt“, so der Folketingspräsident, bevor er in einem kleinen historischen Vortrag den Übergang vom Absolutismus alleinherrschender Könige hin zu einem demokratischen Parlamentarismus in Dänemark bereits im 19. Jahrhundert rühmte. Es sei wichtig, auf die Demokratie in Dänemark achtzugeben, so Dam Kristensen. Die dänische Staatsbürgerschaft zu erhalten sei ein Privileg, so der Parlamentspräsident, der hinzufügte: „Die dänische Gesellschaft ist aber auch auf euch angewiesen.“

Viele Neustaatsbürgerinnen und -staatsbürger nahmen im Laufe des Tages die Porträts früherer Regierungschefs und der bisher einzigen Ex-Staatsministerin in Augenschein. Foto: Volker Heesch

Aufruf zum politischen Engagement

Dam Kristensen forderte die neuen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger auf, sich aktiv in der Gesellschaft zu engagieren. „Gerade die vielen Vereine und Organisationen sind ein Teil der Stärke der dänischen Gesellschaft“, so der Folketingspräsident nachdem er erwähnte, dass es einst so war, dass „drei Dänen, die sich irgendwo treffen, meistens schon einen Verein gründen.“

„Ich selbst bin über 40 Jahre politisch tätig gewesen“, sagte Dam Kristensen und rief die neuen Staatsbürgerinnen und Staatbürger auf, sich auch parteipolitisch zu engagieren. Und er ging auch auf das internationale Engagement Dänemarks ein.

„Der dänischen Gesellschaft etwas zurückgeben“

„Dänemark arbeitet ganz eng mit den nordischen Staaten, der EU, der Nato und den Vereinten Nationen zusammen“, so der mit dem Ende der laufenden Legislaturperiode aus dem Parlament ausscheidende Politiker. „Wir stehen gerade auch nach dem Überfall auf die Ukraine an der Seite der Staaten, die Demokratie und nationale Unabhängigkeit verteidigen. Wir haben selbst von 1940 bis 1945 mit der Besetzung durch Deutschland erlebt, was es heißt, einem großen Nachbarn ausgeliefert zu sein“, so Dam Kristensen. „Ich hoffe, dass ihr der dänischen Gesellschaft nun auch etwas zurückgebt", schloss er seine Ansprache und wünschte allen einen schönen Festtag.

Diskussionen und Fotos mit Mette Frederiksen

Es gab viel Beifall. Zunächst für Aufführungen der Ballettschule des Königlichen Theaters mit Auszügen aus August Bournonvilles „Napoli“ und einer Eigenchoreographie der jungen Tänzerinnen und Tänzer.

Die "Kompagni B" der Ballettschule des Königlichen Theaters erntete viel Beifall für ihren Auftritt während des Staatsbürgerschaftstages. Foto: Volker Heesch

Nach musikalischen Beiträgen von Kaya Brüel und Ole Kibsgaard, die auch das Nationallied „Der er et yndigt land“ intonierten und durch die schwerzusingende Melodie geleiteten, strömten die Gäste in die Räumlichkeiten Christiansborgs. Dort ließ es sich Staatsministerin Mette Frederiksen, die neben weiteren Kabinettsmitgliedern der Rede des Folketingspräsidenten beigewohnt hatte, nicht nehmen, mit Bürgerinnen und Bürgern zu diskutieren. Viele nutzten die Gelegenheit, sich mit der Regierungschefin fotografieren zu lassen. Offenbar hat sie bei den Gesprächen aber nicht ausgeplaudert, ob und wann es in Dänemark baldige Neuwahlen zum Folketing gibt.

Die Besucherinnen und Besucher des Folketings besichtigten außerdem fleißig die Sitzungssäle, bewunderten die Bilderreihen mit Porträts der früheren Staatsministerin und Staatsminister und versorgten sich mit Informationsschriften und auch Wahlwerbung der Parteien.

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