Gesundheitswesen

Dolmetschergebühren: „Minusgeschäft für Regionen und Gesellschaft“

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Aarhus/Vejle
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Foto: dpa (Symbolfoto)

Die vor einem halben Jahr eingeführten Dolmetschergebühren für Patienten sind ein Minusgeschäft, beklagen sich mehrere Regionsvorsitzende.

Seit dem 1. Juli müssen Personen, die länger als drei Jahre lang in Dänemark wohnen, beim Arztbesuch selbst für ihren Dolmetscher bezahlen. Nach solch langer Zeit müsse man die dänische Sprache genügend beherrschen, argumentierte die Regierung für diese Gesetzeseinführung. Doch ein halbes Jahr nachdem das Gesetz in Kraft getreten ist, wissen viele Regionen nicht, wie sie das Geld bei den Patienten eintreiben können, berichtet der öffentlich-rechtliche Nachrichtensender DR.

Unter anderem hat die Region Mitteljütland bisher keine einzige Krone eingetrieben. Und das hat mehrere Gründe, erklärt der Regionsratsvorsitzende, Anders Kühnau (Sozialdemokraten). „Das Drehbuch bekamen wir eine Woche vor Inkrafttreten des Gesetztes. Darin stand beispielsweise nicht, wer bei den Patienten, die ein Recht auf einen Dolmetscher haben, für die Dokumentation dessen bezahlt“, so Kühnau zu DR. Ihm zufolge gab es zudem verschiedenen Richtlinien, wann die Regionen die Dolmetschergebühren für Patienten übernehmen sollen.

Ärztliche Bescheinigung

In solchen Fällen muss eine ärztliche Bescheinigung vorliegen. Zunächst sollten die Patienten selbst für diese Bescheinigung bezahlen, berichtet die Nachrichtenagentur Ritzau. Doch im vergangenen Dezember hatte es sich die Gesundheitsbehörde offenbar anders überlegt und entschieden, dass die Regionen dafür aufkommen müssen.

„Wir haben viel Zeit damit verschwendet, unsere Bürger gut zu beraten. Das müssen wir nun wieder ändern, weil die Gesundheitsministerin (Ellen Trane Nørby, Red.) anders entschieden hat“, so Kühnau.

Er schätzt, dass die Dolmetschergebühren in Zukunft ein riesiges Minusgeschäft sein werden. „Das gilt für unsere Regionen, aber auch für die gesamte Gesellschaft“, behauptet Kühnau.

Region Süddänemark

Auch Stephanie Lose, Regionsratsvorsitzende der Region Süddänemark, macht sich über die steigenden Ausgaben bezüglich der Dolmetschergebühren sorgen. Ihr zufolge ist es aber noch zu früh, diese als ein Minusgeschäft zu bezeichnen.

„Die administrativen Ausgaben sprechen für sich. Was nicht beleuchtet wurde, ist die vergeudete Zeit der Mitarbeiter in den Krankenhäusern der Region“, so Lose, die sich fragt, warum jede Region ihr eigenes Eintreibungssystem entwickelt. „Man hätte das auch gemeinsam lösen und eine Menge Geld sparen können“, so die Regionsratsvorsitzende, die zugleich auch die Vorsitzende des Verbandes der dänischen Regionen ist.

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