Untersuchung

12.000 Kinder in Dänemark sind 2017 in die Armut abgerutscht

dodo
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Kaare Smith/Ritzau-Scanpix

Der Direktor der Denkfabrik AE, Lars Andersen, sieht vor allem eine Hauptursache für den zuletzt starken Anstieg der Kinderarmut.

Die Kinderarmut in Dänemark ist stark angestiegen. Das zeigt ein neuer Bericht der gewerkschaftlichen Denkfabrik AE (Arbejderbevægelsens Erhvervsråd) basierend auf Zahlen der dänischen Statistik Behörde. Demnach sind im vergangenen Jahr 12.000 Kinder in die Armut abgerutscht – sodass die Gesamtzahl der in Armut lebenden Kinder in Dänemark derzeit bei 64.500 liegt.

AE-Direktor Lars Andersen spricht von einem „enormen Anstieg“. Seiner Meinung nach, ist vor allem die Sozialhilfedeckelung (kontanthjælpsloftet), die die Regierung 2016 eingeführt hat, schuld daran.

„Das ist richtig enorm. Es ist leicht, den Hauptgrund dafür zu benennen: nämlich die Deckelung der Sozialhilfe. Diese trifft vor allem Familien mit Kindern und speziell Alleinstehende mit Kindern“, so Andersen zur Zeitung Politiken.

Auch die Kinderhilfsorganisation „Red Barnet“ sieht die Reform von 2016 als Hauptschuldigen. Es sei beschämend für ein reiches Land wie Dänemark, dass so viele Kinder in Armut leben“, so der Generalsekretär Jonas Keiding Lindholm in einer Pressemitteilung.

Neue Armutsgrenze

Die dänische Regierung hatte 2015 eine explizite Armutsgrenze für Dänemark abgeschafft. Die dänische Statistikbehörde hat allerdings basierend auf den UN-Richtlinien für Armut eine neue berechnet.

Demnach gilt man in Dänemark als Arm, wenn das Einkommen unter dem mittleren Durchschnittseinkommen liegt. Für eine Familie mit zwei Kindern bedeutet dies nach Berechnungen von Danmarks Statistik ein Einkommen unter 20.521 Kronen nach Steuerabzug im Monat. Von diesem Betrag müssen unter anderem Mietkosten, Wasser, Strom, Versicherungen, Essen und Kleidung gezahlt werden. Für Einzelpersonen ohne Kinder liegt die Armutsgrenze bei einem Nettoeinkommen von unter 117.000 Kronen im Jahr.

Minister weist Schuld zurück

Im Gegensatz zum AE-Direktor ist Beschäftigungsminister Troels Lund Poulsen (Venstre) nicht der Meinung, dass die Sozialhilfedeckelung dafür verantwortlich ist, dass mehr Familien und Kinder in die Armut abrutschen.

„Eines der wichtigsten Dinge für diese Regierung ist, so vielen wie möglich dabei zu helfen, einen Job zu bekommen. Aus diesem Grund haben wir dafür gesorgt, dass es sich mehr auszahlt, arbeiten zu gehen. Das Beste, dass wir für die Kinder tun können, ist, dass die Eltern einen Job haben“, so der Minister zu Politiken.

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