Gesundheit

Masern: Deutschland führt Zwangsimpfungen ein – „kein Problem“ in Dänemark

Masern: Deutschland führt Zwangsimpfungen ein – „kein Problem“ in Dänemark

Masern: Deutschland führt Zwangsimpfungen ein

Jon Thulstrup
Jon Thulstrup Online-Redaktion
Kopenhagen/Berlin
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In Deutschland wird im kommenden Jahr eine Impfpflicht eingeführt. Foto: Lukas Schulze/AFP/Ritzau Scanpix

In Deutschland wird ab dem kommenden Jahr eine Zwangsimpfung gegen Masern eingeführt, Dänemark hingegen zögert. Es gebe nicht genügend Gründe, in Dänemark eine Impfung mit Zwang durchzusetzen, meint ein Arzt.

Ab dem 1. März 2020 müssen alle Kinder, die in einer Betreuungsinstitution oder Schule in Deutschland beginnen, gegen Masern geimpft sein – sonst droht ein Bußgeld. Das hat der Bundestag am Donnerstag vereinbart. In Dänemark seien die Argumente für ein solches Eingreifen jedoch noch nicht stark genug, meint Peter Andersen, leitender Arzt beim staatlichen Seruminstitut.

„Wir haben keine Probleme mit Masern in Dänemark. Die Krankheit ist eliminiert. Die wenigen Fälle, die wir jährlich haben, sind zumeist importiert worden“, so Andersen gegenüber der Nachrichtenagentur Ritzau. „Deshalb sehe ich keinen Grund, eine Impfpflicht einzuführen.“

Das Ziel der MFR-Impfungen bei Kindern in Dänemark, die unter anderem auch gegen Masern schützt, ist es unter anderem, dass 95 Prozent der Kinder geimpft werden. Noch ist das Ziel laut Ritzau nicht erreicht, aber mit 94 Prozent ist man dicht dran. „Der Impf-Quotient ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Die Eltern werden per E-Boks (Onlinebriefe, Red.) an ausstehende Impfungen ihrer Kinder erinnert – und das funktioniert“, so Andersen.

Skepsis bemerkt

Das sieht die Vorsitzende des Patientenvereins in Dänemark, Kirsten Havemann, zwar ähnlich, hat aber auch eine generelle Skepsis in der Gesellschaft gegenüber Impfungen bemerkt, erklärt sie dem „Nordschleswiger“.

„Meiner Meinung nach ist es fahrlässig und gefährlich, seine Kinder nicht gegen Masern zu impfen. Ich glaube, dass wir in unserer heilen Welt teilweise vergessen haben, was ernste Krankheiten anrichten können“, so Havemann, die unter anderem als Ärztin in Afrika gearbeitet und gesehen hat, was Impfungen verhindern könnten.

Ob sie eine Impfpflicht wie in Deutschland befürwortet, ist ihr zufolge schwer zu entscheiden. „Grundlegend bin ich nicht der Meinung, dass man Eltern zwingen soll, ihre Kinder zu impfen. Wenn sie aber in den Kindergarten oder zur Schule wollen, dann könnten sie potenziell andere Kinder anstecken. Das ist nicht in Ordnung“, so Havemann, die laut eigener Aussage eine Gesellschaftsmedizinerin ist. „Es ist ja auch eine Frage, ob man die Gesellschaft oder das einzelne Individuum schützen sollte. Und da würde ich die Gesellschaft bevorzugen“, betont sie.

Nebenwirkungen nicht außer Acht lassen

Havemann unterstreicht zugleich aber auch, dass man die Nebenwirkungen von Impfungen nicht außer Acht lassen sollte. „Nebenwirkungen können selbstverständlich vereinzelt nach Impfungen auftauchen. Und die dürfen nicht einfach verleugnet werden.“ Ein Beispiel hierfür ist laut Havemann die Diskussion über die HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs bei jungen Frauen, wo sich zuhauf Betroffene über Nebenwirkungen beschwerten.

Von politischer Seite wird die Einführung einer Impfpflicht in Dänemark derweilen abgewiesen. „Wir sollten das nicht zu einem Problem machen, das es gar nicht gibt“, so die gesundheitspolitische Sprecherin der Dänischen Volkspartei, Liselott Blixt. Auch ihr Kollege von den Radikalen, Stinus Lindgreen, meint nicht, dass eine Impfpflicht notwendig sei.

Unterdessen wurden bei Nichtbeachtung der Impfpflicht in Deutschland hohe Bußgelder für die Eltern von Kindergarten- und Schulkindern festgelegt. Bis zu 2.500 Euro, rund 18.700 Kronen, sind bei Verstößen fällig, so Ritzau.

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