Deutsch-dänischer Streit

„Schutzzonen gut für Fischer“

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Kopenhagen
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Ein junger Fischer in Polen. Foto: Jacek Dylag/Unsplash

Der umweltpolitische Sprecher der Einheitsliste fordert nach Protesten aus Deutschland ein Ende der dänischen Blockade beim Nordsee-Naturschutz.

Der umweltpolitische Sprecher der Einheitsliste, Øvind Vilsholm, will weiter Druck bei Fischereiministerin Eva Kjer Hansen (Venstre) machen, damit die dänische Regierung die Blockade der Schaffung von fünf deutschen Meeresschutzgebieten aufgibt. Schon seit Jahren hatten Naturschutzverbände wie der WWF und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) sich für Schutzzonen ohne Fischerei im Bereich der Natura-2000-Gebiete u. a. westlich der Inseln Sylt und Amrum eingesetzt.

Bisher werden dortige Riffe mit ursprünglich reicher Bodenfauna weiter durch schwere Schleppnetze verwüstet. Auf Empörung in Naturschutzkreisen war die Enthüllung der Zeitung Information gestoßen, dass ausgerechnet die dänische Regierung zusammen mit der französischen die Schaffung der fünf Umweltzonen im deutschen Hoheitsbereich der Nordsee blockiert, in denen belastende Fischereimethoden verboten werden sollen.

Ministerium: Interessen der Fischerei wichtiger

Øvind Vilsholm hat bereits per Folketingsanfrage von Eva Kjer Hansen die Auskunft erhalten, dass man die Interessen der dänischen Fischerei höher einstufe als das deutschen Anliegen, wertvolle Meeresnatur zu schützen.

„Die Schutzzonen sind im Prinzip auch gut für die Fischer“, so Øvind Vilsholm, der an die vielen Berichte über schrumpfende Fischbestände wegen andauernder Überfischung erinnert. Der EL-Umweltexperte wendet sich auch gegen die Schädigung der Nordseefischbestände durch die umfangreiche Industriefischerei. „Die großen Trawler staubsaugen das Meer, dass kein Fisch übrig bleibt“, so der EL-Umweltsprecher.

Problem bei den Meeresschutzgebieten im Rahmen der EU-weiten Natura-2000-Regelungen ist, dass die einzelnen Mitgliedsstaaten diese bei der EU anmelden. In den Meeresschutzgebieten können allerdings nur Maßnahmen zur Beschränkung der Fischerei wirksam werden, wenn ein gemeinschaftlicher EU-Beschluss getroffen wird.

Schweden, Belgien, die Niederlande und Großbritannien haben den deutschen Fischereibegrenzungen, die nur relativ kleine Gebiete des ohnehin nicht großen deutschen Nordseeanteils umfassen, zugestimmt.

„Die dänische Regierung versucht gerade, sich einen grüneren Anstrich zu geben. Dann sollte sie dem auch Taten folgen lassen und den Widerstand gegen den deutschen Meeresschutz aufgeben“, so der Politiker der Einheitsliste, der weitere Anfragen stellen will.

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