Kultur

Dänischer Kunsttempel auf der Urlaubsinsel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Andratx
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Hohe weiße Wände prägen die Ausstellungsräume und zeugen von skandinavischem Minimalismus. Foto: Mads Smidstrup

In der Galerie im kleinen mallorquinischen Ort Andratx werden die Gäste auch auf Dänisch begrüßt. 2001 erbauten Patricia und Jacob Asbæk hier das Centro Cultural Andratx (CCA).

Was kann man von einem Mallorca-Urlaub erwarten? Sonne, Wärme, gutes Essen, tolle Spaziergänge oder Radtouren – und dazu natürlich eine gewisse Portion Inselmassentourismushölle. Aber eine internationale Kunstgalerie und dazu noch von einem dänischen Ehepaar geschaffen?

Wir hatten schon 15 Kilometer in den Beinen, als wir auf dem Marktplatz von Andratx eine kleine Pause einlegten. Da stand doch im Mallorca-Reiseführer irgend etwas über eine Kunstgalerie? Wie immer hatte Google die schnelle Antwort dazu und auch die Wegbeschreibung: 1,5 Kilometer zum CCA Andratx – das müsste noch drin sein. Andratx am Fuße des Tramuntana-Gebirges ist ein verschlafenes kleines Örtchen im typischen mallorquinischen Stil. Kleine Reihenhäuser aus Stein, alles sehr idyllisch. Groß ist daher die Überraschung, als an der Calle s'Estanyera ein riesiges Gebäude auftaucht. Es sieht aus wie die Kreuzung einer Burg mit einem Tempel – nur eben modern.

Noch größer ist die Überraschung, als wir durch die große Eingangstür in den hellen Eingangsbereich der Galerie treten. „Velkommen til“, sagt ein junger Mann, der „seine Dänen“ gleich erkennt. Mads sieht uns die Verwirrung an, und wir bekommen eine Kurzfassung der Geschichte: 2001 erbauten Patricia und Jacob Asbæk hier das Centro Cultural Andratx (CCA). Das Gebäude ist 4.000 Quadratmeter groß und zeigt wechselnde Ausstellungen von Künstlern, die auch vor Ort malen. Das CCA hat vier Ateliers und Wohnräume, in denen Künstler aus der ganzen Welt im Wechsel arbeiten. Auf Antrag erhalten sie hier einen mehrmonatigen Aufenthalt – auch jede Menge dänische und deutsche Künstler haben im CCA gearbeitet. Patricia Asbæk sichtet die Anträge und entscheidet, wer sich in der Kunstoase einnisten darf.

Moderne Kunst, wie man sie in Hauptstadtgalerien erwartet hätte. Foto: Mads Smidstrup

Kunsttempel

Außen noch von mallorquinischer Architektur geprägt, ist das Innere des Kunsttempels eine Studie skandinavischen Minimalismus: Hohe weiße Wände, polierte Betonböden hier und dort von Holzstreifen getrennt. Mittendrin ist man wieder auf Mallorca: ein Atrium öffnet sich und lädt ein, die Eindrücke zu verdauen.

An den Wänden hängt moderne Kunst, wie man es sonst nur in Hauptstadtgalerien erwartet hätte. Und genau das ist auch der Hintergrund von Patricia und Jacob Asbæk: Sie gründeten 1975 die „Galleri Asbæk“ in der Kopenhagener Gothersgade. Die Galerie wechselte mehrmals den Standort, und bis 2008 führten die Asbæks noch beide Galerien, doch inzwischen sind sie meist auf Mallorca, während Sohn Martin in der Bredgade die Martin Asbæk Gallery betreibt.

Schwierige Anfangsjahre

Jacob Asbæk, im September gerade 75 geworden, verliebte sich 1989 in die balearische Insel und kaufte sich dort ein Grundstück. Mitten in der mallorquinischen Landschaft eine Galerie zu betreiben ist nicht leicht. Nach schwierigen Anfangsjahren geht es zwar besser, aber „es könnten mehr Besucher sein“, sagt Jacob Asbæk, der heute selber den Kaffee für die Cafégäste macht.
Er lädt ein zum Rundgang auf dem schönen Gelände und auch bei den Künstlern oder im Gemäldedepot dürfen Gäste einen Blick hinter die Kulissen werfen. Das CCA ist so etwas wie ein kleines Wunder auf Mallorca und so gar nicht, was man auf der Sonneninsel erwartet.

Wenn Ihnen der Name Asbæk irgendwie bekannt vorkommt, dann haben Sie das richtige Näschen: Sohn Pilou Asbæk ist in Dänemark ein bekannter Schauspieler, hatte unter anderem eine der Hauptrollen in der Serie „1864“. Außerdem ist er seit 2017 Kulturbotschafter auf Mallorca – eine Rolle, die er vom amerikanischen Schauspieler Michael Douglas übernahm.

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