Geschichte hautnah

Die Brücke des Königs: „Das Fehmarnbelt-Projekt von damals“

Sara Wasmund
Sara Wasmund Hauptredaktion
Rumohr
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Da ist sie! Ruhmors Bürgermeister Thomas Langmaack, SHHB-Mitglied Heinrich Kaurtzky und Anwohner Ulrich Krüger an der freigelegten Brücke, die einst König Frederik IV. bauen ließ. Foto: Privat

Frederik IV. ließ die Chaussee zwischen Altona und Kiel ausbauen. Eine Bürgergruppe will die deutsch-dänische Geschichte nun erlebbar machen.

Auch das lehrt die Geschichte: Große Infrastrukturprojekte zwischen Dänemark und Deutschland gibt es nicht erst seit den Planungen zur Fehmarnbelt-Querung. Bereits König Frederik VI. hat visionäre Vorstellungen von Straßenverbindungen im Norden in die Tat umgesetzt. Dass der König – damals auch Herzog von Schleswig und Holstein – ein buchstäblicher Brückenbauer seiner Zeit war, darauf machen Bürger des Ortes Rumohr derzeit aufmerksam.

Sie legten mit einer Mischung aus Neugierde und Hartnäckigkeit eine von 15 Brücken frei, die besagter König Frederik in den Jahren 1830/32 zwischen Altona und Kiel errichten ließ, um den Verkehr zwischen den Städten deutlich zu verbessern. Die Chaussee wurde die erste künstlich angelegte Straße ihrer Art im Norden. 90 Kilometer Fortschritt, die den Kutschen ein schnelles Vorankommen auch über das Flüsschen Scheidegraben ermöglichten.

186 Jahre später

186 Jahre später beschäftigt sich unter anderem Anwohner Ulrich Krüger mit den Brücken des Königs. Genauer gesagt mit der einen, die im Ortsteil Rotenhahn liegt. Zusammen mit Bürgermeister Thomas Langmaack, Ruhmors Feuerwehr, interessierten Anwohnern sowie Geschichtsfreunden hat Krüger die Brücke wieder freigelegt, die seit einer Rohrverlegung in den 1960er Jahren verschüttet war.
Das Ziel der Bürgergruppe: Die eigene Landesgeschichte und somit auch die deutsch-dänische wieder erlebbar zu machen.
„Das war sozusagen das Fehmarnbelt-Projekt von damals und die Brücke zeigt unsere gemeinsame Geschichte“, sagt Ulrich Krüger. „Die Entscheidung, die Chaussee zu bauen, war vor knapp 200 Jahren ein echter Meilenstein.
Und er hat die Infrastruktur im Norden massiv geprägt. Die Reisezeit wurde enorm verkürzt und man hat eine Maut für die Straße eingeführt. Die Parallelen zu Fehmarnbelt-Querung sind erstaunlich“, so Krüger.

Das Monogramm des Königs. Foto: Privat

Allee-Charakter herstellen

Doch wie kommt man überhaupt dazu, eine alte Brücke in Eigenregie freizubuddeln? „Zusammen mit Heinrich Kaurtzky vom Schleswig-Holsteinischen Heimatbund (SHHB) haben wir vor, den Allee-Charakter in der Ortsdurchfahrt Rotenhahn wieder herzustellen, um auf die alte Infrastruktur aufmerksam zu machen und den Ortsteil zu verschönern. Irgendwann kamen wir darauf, dass es da noch eine alte Brücke geben müsste. Ein Blick auf alte Flurkarten zeigte den alten Flußverlauf. Die muss also hier sein, haben wir uns gesagt, und angefangen zu graben“, erzählt Krüger.

Mit Schaufeln, Eisenstangen und der freiwilligen Feuerwehr legten sie los. Bis plötzlich Erde absackte – und im Erdreich eine Brücke mit dem dänischen Königs-Wappen im Schlussstein auftauchte.

Die Bürgerinitiative will die Landesgeschichte lebendig darstellen – und hat vor, den Brückenbereich öffentlich zugänglich und erlebbar zu machen. „Man kann, wenn Schlamm und Wasser weg sind, auch unter der Brücke durchlaufen. Uns schwebt vor, an der Brücke Informationsschilder anzubringen und sie unter Denkmalschutz zu stellen“, so Ulrich Krüger. Noch ist das Gelände in Privatbesitz, doch die Initiative hofft auf eine Öffnung des Bereiches, „damit Dänen und Schleswig-Holsteiner erleben können, wie damals Infrastruktur gedacht und gemacht wurde“, sagt Krüger.

Für die Beziehungen zwischen Dänemark und dem damaligen Preußen spielte die Chaussee des Königs auch in anderer Hinsicht noch eine tragende Rolle: Die preußischen Truppen gelangten unter anderem über diese Straße gen Norden, wo sie 1864 das dänische Heer auf Düppel und Alsen vernichtend schlugen.

„Handel und Infrastruktur haben eine lange Geschichte“

„Handel und Beziehungen zwischen Dänemark und dem heutigen Deutschland waren schon immer lebendig und mussten immer wieder neu gedacht werden. Mit unserem Projekt wollen wir dazu beitragen.“ Thomas Langmaack ist Bürgermeister von Rumohr und Teil der Bürgerinitiative, die die freigelegte Brücke in eine Erinnerungsstätte umwandeln will. „Damals hat man mit dem Bau der Chaussee ein unglaublich innovatives und weitsichtiges Infrastrukturprojekt umgesetzt.

Auch heute brauchen wir neue Infrastrukturprojekte, die den Handel und das Reisen zwischen Deutschland und Dänemark sichern und in die Zukunft führen.“ Natürlich lösen große Projekte auch Wettbewerb aus, so Langmaack mit Blick auf die Diskussionen zur geplanten Fehmarnbelt-Querung. „Aber wir müssen aus der Geschichte lernen und neue Wege wagen, ganz buchstäblich.“

Kontakt zur Initiative

Der Schleswig-Holsteinische Heimatbund e. V. und die Bürgerinitiative würden zwecks Austauschs über das Projekt in Ruhmor gerne mit Geschichts- und Heimatgruppen aus Nordschleswig und ganz Dänemark in Kontakt treten. Anfragen beantwortet einer der Projektleiter, Ulrich Krüger, unter ulrichkrueger1@gmx.de.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Eine Chance für DR“