„Max und Moritz“ auf Türkisch

Sprachen lernen mit „Swap Language“

Sprachen lernen mit „Swap Language“

Sprachen lernen mit „Swap Language“

Apenrade/Aabenraa
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Die beiden Gründer von „Swap Language“: Nichlas M. Walsted (links) und Allan V. Hermansen Foto: Cornelius von Tiedemann

Das Sprach-Projekt der beiden Studienabsolventen Allan V. Hermansen und Nichlas M. Walsted ist ein voller Erfolg. Die Internetseite führt Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprache und Kultur zusammen. Auch in Kiel hat sich eine Gemeinschaft aus „Swappern“ zusammengefunden.

Sprachen lernen günstig und effizient und dabei noch sozialen Anschluss finden, das geht mit dem Startup-Unternehmen „Swap Language“. Beginnend aus der Not heraus, die alltäglichen Konversationen in einem neuen Land mit neuer Sprache nicht meistern zu können, haben die beiden ehemaligen Masterstudenten Allan V. Hermansen und Nichlas M. Walsted die Plattform „Swap Language“ gegründet. Im Jahre 2017 sind Walsted und Hermansen per Anhalter durch Europa gereist, um ihr Projekt zu bewerben („Der Nordschleswiger“ berichtete) – mit vollem Erfolg. „Unser Trip hat ,Swap Language‘ international gemacht“, bestätigt Allan V. Hermansen.

Nun, fast zwei Jahre später, ist „Swap Language“ noch immer ein großer Erfolg und hat auch Einzug in deutsche Städte wie Kiel gehalten, in denen sich regelmäßig aktive „Swapper“ treffen, um neue Sprachen, neue Kulturen und neue Menschen kennenzulernen. „Es läuft gerade unglaublich gut“, sagt Gründer Allan V. Hermansen dem „Nordschleswiger“. Mittlerweile seien sie insgesamt fünf Mitarbeiter, die Vollzeit an der Umsetzung der Projekte, dem Aufbau der neuen Website und neuen Kooperationen arbeiten. Mit ihrer Vision, Menschen unterschiedlichster Sprachen und Kulturen zusammenzubringen, scheinen die beiden Dänen einen Nerv getroffen zu haben. Denn mittlerweile zählt die Gemeinschaft der „Swapper“ über 10.000 Mitglieder in ganz Europa und hat sich damit seit dem Jahr 2017 mehr als verdoppelt, Tendenz weiter steigend.

Vereinen Menschen durch Sprache. Foto: Lars Kruse

„Swap Language“ ist völlig kostenlos

Ein Mitglied in der „Swapper-Gemeinschaft“ ist Franz Obermeier. Der 52-Jährige lebt und arbeitet in Kiel und hat mittlerweile über 100 „Swaps“. Kennengelernt hat er das Projekt durch eine Präsentation der beiden Gründer in Kiel. „Dann waren in regelmäßigen Abständen durch hiesige ,Ambassadore‘ weitere Treffen, und ich habe dann mit zwei, später drei Teilnehmern mit privaten Treffen angefangen“, so Franz Obermeier. Besagte „Ambassadore“ organisieren wöchentliche „Swapper-Treffen“ in ihren Städten und übernehmen den organisatorischen Part – alles unentgeltlich, denn „Swap Language“ ist völlig kostenlos. Begeistert war Franz Obermeier vor allem von der einfachen Handhabung der Internetseite: „Die Seite war sehr einfach aufgebaut, man konnte im Profil sagen, was man für Sprachen sucht und welches Niveau man hat.“

Aktuell hat Obermeier drei „Swapper“, mit denen er sich regelmäßig trifft, um sich über Sprache, Land und Kultur auszutauschen: einen Flüchtling aus Syrien und zwei Studenten aus der Türkei und dem Iran, die ihr Deutsch und Englisch verbessern wollen.„Ich habe dann natürlich auf Anfängerniveau mit ihren Sprachen aus dem Nahen Osten angefangen und auch vieles über ihr dortiges Leben und ihre Lebensplanung als junge Menschen gelernt, was einem dann doch einen guten Einblick gibt, mehr als wenn man jetzt über das Land nur liest oder es selbst als Tourist mal kurz besucht hat“, erklärt Obermeier. Auch Hilfe und Tipps für das praktische Leben und den Alltag in Deutschland gehören für ihn dazu, denn das Leben in einer völlig neuen Umgebung stellt die meisten Menschen vor einige Herausforderungen. Da ist es leichter, Hilfe zu haben.

Interesse und Lernbereitschaft gehören dazu

Der Erfolg der Treffen hänge jedoch enorm von dem Engagement und dem Interesse des Gegenübers ab. „Fleißiges Lernen“ gehöre einfach dazu, stellt Franz Obermeier klar. Wenn die Voraussetzungen aber gegeben sind und auch die Sympathie stimmt, dann können die Treffen ein voller Erfolg mit viel Spaß und neuen Erfahrungen werden – für beide Seiten: „Mit einem der ,Swapper‘ habe ich „Max und Moritz“ auf Türkisch und Deutsch gelesen, sehr amüsant, denn er kannte das Buch nicht“, erzählt er.

„Swap Language“ hilft sowohl jungen Studierenden als auch Angestellten dabei, in ihrer neuen Heimat Kontakte zu knüpfen. „Wir möchten Menschen integrieren und kulturelle Barrieren überwinden“, sagt Gründer Allan V. Hermansen. „Das ist ein sehr soziales Projekt.“ Dass das funktioniert, bestätigt auch der Kieler Repräsentant für „Swap Language“, Jonatas Cardoso. Der Portugiese ist im April 2017 nach Kiel gekommen und war zunächst überrascht davon, wie schwierig sich die Suche nach sozialem Anschluss in der neuen Heimat gestaltete: „Es war härter, als ich dachte. Besonders, wenn du die lokale Sprache nicht beherrscht“, so der 30-jährige Orthopädietechnik-Mechanikerzum „Nordschleswiger“.

Um das zu ändern und zu erleichtern, dafür betreut er in regelmäßigen Abständen die Treffen der Gruppe in Kiel. „Die Treffen können wir wöchentlich oder alle zwei Wochen buchen, normalerweise finden sie in Bars oder Cafés statt oder je nach Wetter auch draußen“, so der Wahl-Kieler weiter. Das schaffe für die meist 15 bis 20 Teilnehmer eine freundliche und entspannte Atmosphäre, die wiederum dazu beitrage, dass die Teilnehmer ihre anfängliche Scheu schnell ablegen können. Dann kann ein solches Treffen auch schon einmal bis in die Nacht hinein dauern. Weiter kommunizieren können die „Swapper“ dann über die Internetseite (swaplanguage.com) oder Plattformen wie Facebook oder den Messanger-Dienst WhatsApp. Deutsch und Englisch sind in Kiel natürlich „normale“ Sprachen zur Konversation. „Dank der Universität in Kiel haben wir aber auch häufig einige sprachliche Überraschungen dabei, wie Französisch, Arabisch oder Asiatisch“, meint Cardoso weiter.

Es sind weitere Kooperationen in Planung

Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel kooperiert mit dem Startup von Allan V. Hermansen und Nichlas M. Walsted nun seit ungefähr zwei Jahren und bewirbt „Swap Language“ unter den Studierenden und bei den Orientierungsprogrammen zum Semesterbeginn. „An der CAU gibt es ansonsten kein umfangreiches Sprach-Tandem-Programm, sodass wir die Initiative von ,Swap‘ sehr begrüßt haben“, bestätigt Jan Bensien, Betreuer und Berater internationaler Studierender der Universität zu Kiel. Ein Gewinn also, sowohl für die Universität und ihre Studierenden als auch für „Swap Language“, das neben der Uni Kiel und den Universitäten in Dänemark auch mit der Universität in Gent zusammenarbeitet. Zusätzlich habe es Gespräche bezüglich einer möglichen Kooperation mit der Universität in Brüssel gegeben, so Gründer Allan V. Hermansen zum „Nordschleswiger“.

In Kiel ist „Swap Language" bereits etabliert. Foto: Cornelius von Tiedemann

Die Zukunft des jungen Startups sieht weiterhin rosig aus. Auf die Nachfrage, ob auch wieder eine Reise per Anhalter geplant sei, um „Swap Language“ zu bewerben, war die Antwort von Allan V. Hermansen eindeutig: „Ja, es wird eine erneute Reise geben. Allerdings haben wir momentan einfach zu wenig Zeit dafür.“ Völlig verständlich, denn große Visionen erfordern eben viel Arbeitseinsatz und Zeit.

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