Bildungswesen

Schulreform ohne Effekt – Schüler langweilen sich mehr

Jan Peters
Jan Peters Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Celina Dahl/ Ritzau-Scanpix

Die Schulreform von 2013 hatte auch zum Anlass, den Unterricht variierter zu machen. Doch die aktuelle zeigt, dass dieses Ziel nicht erreicht wurde. Im Gegenteil: die Schüler langweilen sich in der Schulzeit mehr, als noch vor drei Jahren.

Fast jeder dritte Schüler gibt an, sich im Unterricht zu langweilen. Das geht aus der aktuellen Entwicklungsuntersuchung (trivselsmåling) des Unterrichtsministeriums hervor. In der gleichen Untersuchung drei Jahre zuvor war es jeder Vierte.

Besonders in der Kommune Odsherred finden die Schüler den Unterricht langweilig, zeigt die Untersuchung. Ganze 44 Prozent der Schüler dort geben das an. Es folgen die Kommunen Kalundborg, Stevns und Faxe. Schüler aus Odsherred fordern gegenüber DR Sjælland unter anderem dazu auf, den Unterricht kreativer zu gestalten und für Abwechslung zu sorgen.

Mikkel Thorsøe Madsen, Abteilungsleiter der Grundtvigsskolen in Nykøbing, nennt die langen Schultage als Herausforderung für seine Lehrerkollegen. „Klar ist der Schultag lang, da gibt es keine Zweifel. Das gibt uns die Verpflichtung, den Unterricht besonders in den letzten Stunden des Tages interessant zu gestalten“, sagt er gegenüber DR.

Motivation ist der Grundbaustein für das Lernen und die persönliche Entwicklung“

Auch Andreas Rasch-Christensen, Forschungs- und Entwicklungschef am VIA University College in Aarhus, meint, dass der Unterricht mehr Variationen haben und den Schülern Lust auf mehr machen sollte. „Motivation ist der Grundbaustein für das Lernen und die persönliche Entwicklung. Außerdem ist es wichtig, dass sich die Schüler als Teil der Gemeinschaft sehen. Wenn sie die Motivation am Lernen verlieren, geht oft auch die Motivation verloren, sich sozial zu beteiligen“, sagt er zu DR.

Doch durch die Schulreform gab es weitere große Herausforderungen für die Schulen. „Und dabei ist der unterstützende und bewegte Unterricht vielleicht ein wenig in den Hintergrund gerutscht“, meint Helle Justesen, Leiterin der Nordskole in Odsherred.

Von der Elternorganisation Skole & Forældre kommt ein ähnliches Urteil. Die Volksschulen hätten viel Kraft darauf verwendet, die Schulreform umzusetzen und das dürfe nicht über einen spannenden, abwechslungsreichen Unterricht gehen, sagt Rasmus Edelberg, der Landesvorsitzende.

Ministerin: Schultage zu lang

Unterrichtsministerin Marete Riisager (Liberale Allianz) meint, dass die Zahlen der Befragung deutlich zeigten: die Unterrichtstage sind zu lang. Deshalb seien Justierungen notwendig, schließt sie daraus. Wie die aussehen könnten, dazu sagte sie noch nichts.

Beim dänischen Lehrerverein Danmarks Lærerforening ist Jeanette Sjøberg enttäuscht über die Antworten der Schüler. „Es ist traurig, dass die Schüler den Unterricht so auffassen. Allerdings ist es für die Lehrer auch schwierig, mit den immer kürzer werdenden Vorbereitungszeiten einen Unterricht zu planen, der alle Anforderungen erfüllen kann“, erklärt sie.

Die Untersuchung wird alle drei Jahre durchgeführt.

Die Untersuchung ist auf der Internetseite des Unterrichtsministeriums unter www.uvm.dk zugänglich. Eltern der Schüler an den deutschen Schulen unter dem Dach des Deutschen Schul- und Sprachvereins für Nordschleswig sowie anderer Freischulen werden dort allerdings nicht fündig.

„Da unsere Schulen zumeist so kleine Klassen haben, ist eine anonymisierte Untersuchung dort nicht möglich. Deshalb wird die Untersuchung dort vom `Dansk Center for Undervisningsmiljø´ durchgeführt und veröffentlicht. Die Schulen sind verpflichtet, die Ergebnisse auf ihrer Homepage zugänglich zu machen“, berichtet DSSV-Konsulentin Käthe Nissen.

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