Armut

Neun von zehn Dänen geben Bettlern nichts

cvt
Kopenhagen
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Foto: Scanpix

Die Dänen haben offenbar kein Herz für Obdachlose. Nur jeder Zehnte ist bereit, ihnen Geld zu spenden, zeigt eine repräsentative Umfrage.

Die Dänen haben offenbar kein Herz für Obdachlose. Nur jeder Zehnte ist bereit, ihnen Geld zu spenden, zeigt eine repräsentative Umfrage.

Genau 11,4 Prozent der Befragten in einer aktuellen Umfrage des Instituts Wilke haben angegeben, dass sie Bettlern auf der Straße Geld geben. Dabei macht es keinen Unterschied, ob sie in Dänemark oder im Ausland sind, berichtet Avisen.dk.

Für Christina Strauss, ehemals obdachlos und jetzt Vorsitzende des Obdachlosenverbandes Sand, kommt das wenig überraschend. „Es gibt nicht mehr viele, die Bettlern helfen. Als ich selbst auf die Straße ging, habe ich gemerkt, wie die Leute wegsahen. Nicht, weil sie kaltherzig sind, ich glaube, sie konnten nicht fassen, dass es so arme Menschen gibt“, sagt sie zu Avisen.dk.

Jann Sjursen, Vorsitzender vom Rat für sozial Ausgegrenzte, meint, dass es in Dänemark die Grundhaltung gebe, dass es nicht nötig sei, hierzulande zu betteln. „Die Einstellung ist, dass das soziale Netz in unserer Wohlfahrtsgesellschaft so feingemascht ist, dass es nicht nötig sein sollte. Aber das ist ein klares Missverständnis, denn es gibt sehr viele, die nicht zurechtkommen, und die Hilfe brauchen“, sagt er.

Mehrheit der Dänen will Betteln verbieten

Ganze 73 Prozent der Befragten gehen soweit, dass sie sagen, dass Bettelei in Dänemark verboten werden sollte. Dies in einer Zeit, in der zahlreiche Politiker gerade gegen Bettler, die aus dem Ausland nach Dänemark gekommen sind, wettern. Im Eilverfahren hat das Folketing beschlossen, die Strafen für Bettler, die nach Einschätzung der Behörden für Unsicherheit sorgen, zu verschärfen.

Besonders die Volksgruppe der Roma stand im Rampenlicht und wurde in vielen Medien als Bedrohung für die Mehrheitsbevölkerung dargestellt. Eine Folge: Bettelei kann jetzt zu 14 Tagen Haft ohne Bewährung führen – und das ohne Warnung.

Für Christina Strauss ist klar, dass die Dänen künftig noch weniger geben werden als bisher, auch Bettlern, die nicht aus dem Ausland kommen. „Viele Dänen meinen, dass wir uns zuerst um die eigenen Leute kümmern sollten. Das Problem ist nur, dass wir selbst das nicht tun. Und die neuen Gesetzesänderungen gelten ja für alle“, sagt sie. Sie befürchtet, dass Obdachlose und sozial Ausgegrenzte nun in die Kriminalität abdriften.

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