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Mehr Kinder mit Paracetamol-Überdosis im Krankenhaus

Mehr Kinder mit Paracetamol-Überdosis im Krankenhaus

Mehr Kinder mit Paracetamol-Überdosis im Krankenhaus

dodo/Ritzau
Kopenhagen
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Paracetamol ist der Wirkstoff, der dem Medikament Panodilen eine schmerzlindernde Wirkung verleiht. Foto: Signe Goldmann/Ritzau Scanpix

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Der Anstieg der Krankenhauseinweisungen von Kindern mit Paracetamol-Vergiftung dürfte sich laut Statistik auch 2022 fortsetzen. Der Kinderärzteverband sagt, dass vor allem Einsamkeit und hoher sozialer Druck dafür verantwortlich sind.

Auch in diesem Jahr scheint die Zahl der Kinder, die mit einer Überdosis Paracetamol in die Kliniken des Landes eingeliefert werden müssen, weiter zu steigen.

Nach zwei Jahren steigender Zahlen in dem Bereich dürfte sich der Trend auch 2022 fortsetzen, schreibt die Zeitung „Berlingske“.

Paracetamol ist der Wirkstoff, der Panodilen eine schmerzlindernde Wirkung verleiht.

Landesweit sind es noch viel mehr

Im Jahr 2019 wurden 156 Personen unter 18 Jahren mit einer Paracetamol-Vergiftung ins Krankenhaus eingeliefert. 2020 stieg die Zahl auf 173. Im Folgejahr waren es 294. Und 2022 sind es bisher 70.

Die Zahlen stammen aus dem Reichshospital, dem Universitätskrankenhaus Odense und den Krankenhäusern in der Region Mitteljütland, bei denen „Berlingske“ Akteneinsicht hatte. Erfasst wurden nur Kinder, die in diese Einrichtungen eingeliefert werden. Die Zahlen für das ganze Land dürften daher noch deutlich höher sein.

Klaus Birkelund Johansen, Vorsitzender des Verbandes der Kinderärzte, Dansk Pædiatrisk Selskab, bezeichnet die Entwicklung als besorgniserregend. Vor allem, weil es sich oft um eine aktive Aktion handelt.

„Die jungen Leute, die mit einer Überdosis Paracetamol zu uns kommen, sind typischerweise junge Menschen, die in ihrem Leben etwas erlebt haben, das sie unglücklich macht“, so der Vorsitzende zu „Ritzau“.

Einsamkeit und hoher Druck

Als mögliche Ursachen für Unzufriedenheit nennt der Kinderarzt beispielsweise Einsamkeit, Unfähigkeit, den Anforderungen von Eltern, Schule und sozialem Umfeld gerecht zu werden, sowie psychische Erkrankungen.

Er stellt fest, dass es in einigen Fällen, in denen Kinder mit Vergiftungen durch eine Überdosis von schmerzlindernden Produkten eingeliefert werden, zu direkten Suizidversuchen kommt. In anderen Fällen sei es ein Hilferuf, sagt Klaus Birkelund Johansen.

Der Experte hatte nach Aufhebung der Beschränkungen durch die Corona-Pandemie mit einer Verbesserung der Zahlen gerechnet. Doch die Zahl der Aufnahmen im Jahr 2022 liege laut dem Kinderarzt über dem Niveau der Jahre vor 2020.

„Das kann Ausdruck einer allgemeinen Unzufriedenheit unter Jugendlichen sein, die offenbar auch in einer Gesellschaft unter Normalbedingungen anhält“, sagt Birkelund Johansen.

Laut einer neuen Studie des Innenministeriums waren im ersten Halbjahr 2021 12 Prozent mehr Kinder und Jugendliche in psychiatrischer Behandlung als im gleichen Zeitraum 2018.

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Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
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