Klimaschutz

Kohlendioxid-Ausstoß Dänemarks größer als angenommen

Kohlendioxid-Ausstoß Dänemarks größer als angenommen

Kohlendioxid-Ausstoß Dänemarks größer als angenommen

Ritzau/hm
Kopenhagen
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Biomasse gilt als CO2-neutrale Alternative zu fossilen Brennstoffen. Doch das Kohlendioxid, das auch bei der Verbrennung von Biomasse entsteht, wird erst nach einigen Jahrzehnten wieder von Bäumen aufgenommen, die erst gepflanzt werden müssen. Foto: Sebastien Salom-Gomis/Ritzau Scanpix

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Fernwärmeerzeuger nutzen vermehrt Holz und Stroh, um die Kunden mit Wärme zu versorgen. Ein Teil der CO2-Emissionen durch Biomasse wird aber offiziell gar nicht verbucht, und ein Forscher gibt zu bedenken, dass es letztlich egal sei, woher nun das CO2 komme, das die Atmosphäre aufheizt.

Während Dänemark offiziell immer weniger CO2 in die Atmosphäre ausstößt, zeigen neue Zahlen der Energiebehörde, dass ein Teil der Emissionen offiziell gar nicht erfasst wird. Dies berichtet die Zeitung „Jyllands-Posten“, nach deren Angaben 15 Prozent des gesamten CO2 Ausstoßes nicht verbucht werden.

Fernwärmeanbieter ersetzen vermehrt Kohle durch Biomasse, wie etwa Holz, Holzpellets und Stroh. Biomasse gilt als klimaneutral.

Gegenüber der Zeitung stellt der Wissenschaftler Jørgen E. Olesen von der Universität Aarhus jedoch fest, dass Biomasse seiner Ansicht nach nicht CO2-neutral ist. Er zeigt sich besorgt, dass Fernwärme immer mehr mithilfe von Biomasse erzeugt wird.

Denn ein großer Teil des CO2 Ausstoßes, der bei der Verbrennung von Biomasse entsteht, wird nicht registriert, so „Jyllands-Posten“.

Die Energiebehörde bilanziert gegenüber der Zeitung, dass im Jahr 2020 6,9 Millionen Tonnen CO2 in Dänemark durch die Verbrennung von Biomasse in die Atmosphäre gelangt sind, wobei nur ein Teil davon registriert worden ist. Insgesamt stieß Dänemark im genannten Jahr 46,8 Millionen Tonnen CO2 aus.

CO2 bleibt CO2

Carsten Rahbek von der Universität Kopenhagen kritisiert den vermehrten Gebrauch von Biomasse. Dem Klima sei es egal, ob das Kohlendioxid aus Biomasse oder aus Kohle komme, so Rahbek in „Jyllands-Posten“.

Biomasse gilt als CO2-neutral, da über einen, geologisch betrachtet, sehr kurzen Zeitraum nur so viel CO2 freigesetzt wird, wie die Pflanze in ihrem Leben aufgenommen hat. Die Bilanz bleibt also in dem vergleichsweise kurzen Zeitraum gleich, während bei der Verbrennung von Kohle, Gas und Öl Kohlendioxid freigesetzt wird, das Millionen Jahre im Erdreich gebunden war. CO2 entsteht bei der Verbrennung von Biomasse aber weiterhin und gelangt in die Atmosphäre, wo es zum Treibhauseffekt beiträgt.

Laut Jørgen E. Olesen wird das durch die Verbrennung von Biomasse freigesetzte CO2 von Bäumen erst in den kommenden 30 bis 100 Jahren aufgenommen.

So fordert der dänische Naturschutzverein die Fernwärmeerzeuger dazu auf, auf Sonnen- und Windenergie zu setzen.

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