Sexismus und Gruppenzwang

Gymnasiasten sollen erniedrigende Tradition aufgeben

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Foto: Kristina Flour/Unsplash

Der Verband der Gymnasiasten selbst fordert von den Mitschülern, dass Rituale, bei denen Schüler durch Gruppenzwang zu Alkoholkonsum und anzüglichen Aktionen gebracht werden, ein Ende haben. Eine Schülerin, die über ihre Erlebnisse berichtete, wurde kürzlich in sozialen Plattformen vorgeführt.

Die Schüler selbst sollten vorangehen und die Rituale bei den jährlichen Jungen- und Mädchenfeiern an den Gymnasien ändern. Das meint der Vorsitzende des Verbandes der Gymnasiasten (Danske Gymnasieelevers Sammenslutning), Malte Sauerland-Paulsen. Die Tageszeitung B.T. hatte zuvor über die sogenannten „puttemiddage“ („Küken-Essen“ für neue Oberstufenschüler) berichtet.

Sauerland-Paulsen meint, dass die grundlegenden Gesellschaftsstrukturen untersucht werden müssten, um Erklärungen dafür zu finden, dass es immer wieder zu erniedrigenden Vorfällen im Rahmen dieser Veranstaltungen kommt.

„Ich glaube, dass man vor allem anerkennen sollte, dass diese Dinge passieren, weil es in unserer Gesellschaft eine größere Erniedrigungskultur gibt, die durchsickert“, sagt er. Dies zeige sich dann bei den Schülerfeiern.

Grölende Jungen und viel Alkohol

B.T. hat am Freitag über eine 17-jährige Schülerin berichtet, die die Schule wechselte, nachdem sie an erniedrigenden und sexistischen Ritualen vor grölenden Oberstufenjungen am Rungsted Gymnasium teilgenommen hatte. Bei deren Feier 2016 sollte das Mädchen unter anderem harten Alkohol trinken und ihre Freundin vor den Augen von rund 50 Jungen küssen. Auf sozialen Plattformen im Internet wurde das Mädchen vorgeführt, als sie von ihren Erlebnissen berichtet hatte.

Zu B.T. sagte sie, dass sie gefühlt habe, dass etwas verkehrt war – dass sie sich aber nicht getraut habe, Nein zu sagen, aus Angst, ihr Sozialleben am Gymnasium zu ruinieren.

Genau das sei das Schwierige, sagt Sauerland-Paulsen. Eine Einzelperson habe Folgen zu fürchten, wenn sie dem Gruppenzwang nicht nachgibt. Deshalb fordert er dazu auf, dass an den Gymnasien darüber geredet werde, wie die Schüler gemeinsame Signale senden können, dass solche Vorfälle nicht in Ordnung sind.

Am Sonnabend hatte Unterrichtsministerin Merete Riisager (Liberale Allianz) gesagt, dass die Rektoren Verantwortung übernehmen und bestimmte Schüler von Festen ausschließen sollten. „Grenzüberschreitendes und erniedrigendes Verhalten muss Folgen haben. Wir haben die Regeln so gemacht, dass die Gymnasien selbst Regeln aufstellen können, damit schlechtes Benehmen Konsequenzen hat, auch wenn es außerhalb der Schulen passiert“, so die Ministerin.

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