Solidarität

Es kommen weniger Flüchtlinge nach Dänemark als ausreisen

Es kommen weniger Flüchtlinge nach Dänemark als ausreisen

Es kommen weniger Flüchtlinge nach Dänemark als ausreisen

cvt, Ritzau
Kopenhagen/Apenrade
Zuletzt aktualisiert um:
Mattias Tesfaye
Die Politik der dänischen Regierung sei es, dass Flüchtlinge sich nur vorübergehend in Dänemark aufhalten sollen, sagt Ausländer- und Integrationsminister Mattias Tesfaye (Soz.). Foto: Niels Christian Vilmann/Ritzau Scanpix

Erstmals seit fast zehn Jahren ist die Bilanz bei anerkannten Flüchtlingen negativ. Doch den Fluchtursachen sei nicht abgeholfen worden, sagt eine Expertin. Stattdessen werde sich auf die Hilfe unter anderem der Türkei verlassen.

Erstmals seit 2011 hat Dänemark wieder eine negative Bilanz, was die Aufnahme von Menschen mit anerkanntem Fluchtgrund angeht. Laut einer Untersuchung des Ministeriums für Ausländer und Integration hat die Zahl der ausgewanderten anerkannten Flüchtlinge die Anzahl der neu aufgenommenen anerkannten Flüchtlinge im Jahr 2019 um rund 730 Personen überstiegen.

Im Jahr 2015 sah die Bilanz noch vollkommen anders aus. Auf dem Höhepunkt der sogenannten Flüchtlingskrise sind über 16.000 Menschen mehr mit Fluchthintergrund aufgenommen wurden, als ausreisten.

Tesfaye: „Schöne Zahlen“

Der zuständige Minister Mattias Tesfaye (Soz.) hält dies für „schöne Zahlen“: „Ich bin zuerst mal froh, denn das zeigt zum Teil, dass wir den Zustrom ruhig halten können, indem wir in Dänemark eine vernünftige Politik führen.“

Er freue sich aber auch darüber, dass „es Flüchtlinge gibt, die einen Beutel Geld annehmen wollen und nach Hause reisen und ihr eigenes Land aufbauen“.

Besonders viele Menschen aus Somalia, Syrien, dem Irak und Bosnien-Herzegowina haben laut Ministerium Dänemark wieder verlassen. Aus den Staaten Eritrea, Iran und Afghanistan gibt es derweil weiterhin eine Nettozuwanderung.

Dass derzeit mehr Flüchtlinge das Land verlassen als dazukommen, ist für Tesfaye kein Anlass, sogenannte Quotenflüchtlinge der Vereinten Nationen aufzunehmen. Dies werde erst im Sommer entschieden.

Dänemark hatte seit 1989 rund 500 solcher besonders hilfsbedürftigen Flüchtlinge aufgenommen, bis die rechtsliberale Vorgängerregierung unter Lars Løkke Rasmussen (Venstre) diesen Vertrag brach. Erst 2019 nahm Dänemark wieder eine kleine Gruppe besonders bedürftiger Flüchtlinge auf.

Flüchtlingshilfe: Probleme nur verlagert

Laut Eva Singer vom Flüchtlingshilfswerk Dansk Flygtningehjælp kann sich die dänische Politik für die gesunkene Zahl an Asylanträgen nicht auf die Schultern klopfen. Denn die Not sei nicht abgemildert worden.

Der Großteil dieser Entwicklung gehe allein darauf zurück, dass die Welt heute anders aussehe als noch 2015 und 2016.

„Es liegt nicht daran, dass die Zahl der Flüchtlinge weltweit gesunken ist, im Gegenteil. Es liegt daran, dass die Flüchtlinge es aus unterschiedlichen Gründen schwerer haben, nach Dänemark zu kommen“, sagt sie zu „Avisen Danmark“.

Singer verweist unter anderem auf die Absprache der EU mit der Türkei, die ihre Grenzen für Flüchtlinge geschlossen hat.

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