Neues Museum

Deutscher Geflüchteter: Die überwiegende Mehrheit war Dänemark dankbar

Deutscher Geflüchteter: Die überwiegende Mehrheit war Dänemark dankbar

Deutscher Geflüchteter: Mehrheit war Dänemark dankbar

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
Varde
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Jörg Baden
Jörg Baden kam als Kind von Warnemünde nach Dänemark. Heute lebt er in Duisburg. Foto: Bo Amstrup/Ritzau Scanpix

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Eine viertel Million Deutsche flüchteten nach dem Zweiten Weltkrieg nach Dänemark. Das damalige Flüchtlingskind Jörg Baden bedankte sich am Sonnabend mehr als 75 Jahre danach für die Aufnahme. Anlass war die Eröffnung eines neuen Museums zum Thema im süddänischen Oksbøl.

Am Sonnabend ist in Oksbøl bei Varde das Museum Flugt (Flucht) eröffnet worden. Unter den Gästen erhielt ein früheres deutsches Flüchtlingskind, Jörg Baden, besondere Aufmerksamkeit und Beifall. In seiner Rede bedankte er sich für den Aufenthalt im damaligen Flüchtlingslager Oksbøl mit den dänischen Worten: „Mange, mange tak, Danmark.“

„Flucht ist nicht nur ein Thema der Vergangenheit, es reicht bis unser heutiges Leben hinein“, sagte der heute in Duisburg lebende Baden.

„Der Hintergrund des brutalen Regimes von Nazi-Deutschland steht in krassem Gegensatz zu der humanen Behandlung, die die deutschen Flüchtlinge durch Dänemark und das dänische Volk erfahren haben. Ich bin ein unmittelbarer Zeuge davon“, so Baden in Anwesenheit von Königin Margrethe II. und Vizebundeskanzler Robert Habeck (Grüne).

„Und jenen deutschen Landsleuten, die bittere Erinnerung an ihre Zeit in Dänemark haben, sage ich folgendes: Sie müssen das Gesamtbild, den historischen Kontext betrachten. Ich weiß, dass die überwiegende Mehrheit der deutschen Flüchtlinge Dänemark sehr dankbar ist, und das ist in vielfältiger Weise dokumentiert. Das Tagebuch meines Großvaters ist nur ein Beispiel dafür“, so Baden, der nach 1945 mit der Familie aus Warnemünde nach Dänemark geflüchtet war.

Das neue Flucht-Museum in Oksbøl

  • Bis zu 100.000 deutsche Geflüchtete waren nach dem Zweiten Weltkrieg in Oksbøl untergebracht.
  • Sie lebten bis 1949 in primitiven Holzbaracken in einem Lager.
  • Insgesamt kamen nach dem Krieg rund 250.000 Deutsche nach Dänemark.
  • Das Museum soll ihre Geschichte erzählen – die vielen in Dänemark unbekannt ist.
  • Architekt ist Bjarke Ingels, der auch das nahegelegene Tirpitz-Museum gezeichnet hat.
  • Das Museum soll über die Geschichte der deutschen Geflüchteten hinaus auch eine universelle Geschichte der Flucht erzählen – bis heute.
  • „Wir erzählen auch die Geschichte, weshalb Menschen flüchten, was es bedeutet, auf der Flucht zu sein und wie es ihre Leben beeinflusst“, so Museums-Chef Claus Kjeld Jensen.

    Quelle: Ritzau

Lob für Claus Kjeld Jensen als primus motor

Im Mittelpunkt der Glückwünsche stand ein strahlender Direktor der Museen in Varde, zu denen das neue Museum gehört. Claus Kjeld Jensen wurde für seine jahrelange Arbeit mit der Verwirklichung der Museumspläne für Tirpitz und Flugt höchste Anerkennung ausgesprochen.

Der Vorsitzende der Varde-Museen, der ehemalige Bürgermeister Erik Buhl, sagte, „der Krieg in der Ukraine mit dem unvermeidlichen Zustrom an Flüchtlingen hat mit aller unerwünschten Deutlichkeit die Aktualität und Relevanz von Flucht gezeigt“.

Vardes Bürgermeister Mads Sørensen (Venstre) sprach von einem „Museum der Weltklasse“. Ein besonderer Dank galt dem ebenfalls anwesenden weltbekannten dänischen Architekten Bjarke Ingels, der sowohl für das nahegelegene Museum Tirpitz als auch für Flucht im ehemaligen Wehrmachts-Lazarett verantwortlich zeichnet.

Sørensen verwies stolz auf den Erfolg des nahe gelegenen Museums Tirpitz, das vor fünf Jahren eröffnet wurde und inzwischen bereits eine Million Besucher gezählt habe.

Museumsdirektor Claus Kjeld Jensen dankte allen, die zum Gelingen dieses Projekts beigetragen haben, und er erinnerte an seinen Großvater und an den Arbeitstisch in dessen Schneiderwerkstatt, den der Großvater 1950 erworben hatte, als das Flüchtlingslager Oksbøl geräumt und abgerissen wurde. „Am Tisch seiner Werkstatt hörte ich zum ersten Male vom großen Flüchtlingslager und in den 15 Jahren, die ich hier im Museum bin, war es mir ein großes Anliegen, im Rahmen des alten Flüchtlingslagers ein zeitgemäßes Museum über Flucht und Flüchtlinge zu schaffen.“

Rahima Abdullah
Rahima Abdullah von Dansk Flygtningehjælp Ungdom Foto: Bo Amstrup/Ritzau Scanpix

„Weltklasse“-Museum ab Mittwoch geöffnet

Auf der Veranstaltung, die von ukrainischen Flüchtlingen in Dänemark musikalisch umrahmt wurde, sprach auch Rahima Abdullah, für den Jugendverband der Flüchtlingshilfe (Dansk Flygtningehjælp), die der Königin dafür dankte, „dass sie unser aller Königin ist – auch aller Menschen, die nach Dänemark geflüchtet sind“.

Das Flüchtlingslager in der Aal-Plantage Oksbøl machte nach 1945 Varde vorübergehend zur fünftgrößten Stadt Dänemarks. Am Mittwoch öffnet sich das Museum für den Publikumsverkehr. Es werden jährlich rund 100.000 Besucher erwartet.

Seine Geschichte hat Jörg Baden den Museen in Varde bereits 2018 für ein Video in englischer Sprache erzählt, das hier zu sehen ist:

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