Millionenunterschlagung

Betrugsfall im Sozialministerium „keine Überraschung“

Helge Möller
Helge Möller Journalist
Kopenhagen
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Sozialministerin Mai Mercado (Konservative) und Abteilungschef Jens Strunge Bonde berichten am Dienstag, 9. Oktober, der Presse von dem Betrugsfall. Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix

Nach dem Verschwinden einer Abteilungsleiterin des Sozialministeriums und von mindestens 111 Millionen Krone, knapp 15 Millionen Euro, richtet sich der Blick auf die Frage, wie es zu einem so langanhaltenden Betrug in einer solchen Höhe kommen konnte. Eyvind Vesselbo hat da eine Idee.

Eine 64-Jährige Abteilungsleiterin im Sozialministerium hat mindestens 111 Millionen Kronen veruntreut, ist abgetaucht und wird von Interpol gesucht. Dieser Millionenbetrug sollte keinen überraschen, meint Eyvind Vesselbo, ehemaliger sozialpolitischer Sprecher der Partei Venstre, zu Danmarks Radio und wirft Politikern Heuchlerei vor, wenn diese sich überrascht zeigen. Vesselbo zufolge konnte die Staatsbedienstete in diesem Umfang Geld unterschlagen, weil die staatlichen Töpfe zur Förderung sozial schwacher Menschen sowie das Zuschusssystem seiner Meinung nach undurchschaubar ist und eine völlige Unordnung herrscht.

Rund 15 Milliarden Kronen ist der Fördertopf schwer, aus dem Initiativen gefördert werden, die sich um sozial Schwache und Abgehängte kümmern. Vesselbo kritisiert gegenüber dem Sender, keiner habe einen Überblick, was mit den Millionen geschieht, die nicht in einer bestimmten Förderperiode abgerufen werden und somit übrig bleiben. Er, Vesselbo, habe in den vergangenen zehn Jahren immer wieder auf den Missstand hingewiesen. Man wisse nicht, was aus dem Topf herausgehe, was hinein komme und wer was erhalte.

Rückenwind erhält Vesselbo von Mads Roke Clausen, Vorsitzender des Freiwilligenrates. Clausen spricht gegenüber Danmarks Radio ebenfalls von einem undurchschaubaren System, von unglaublich vielen Untertöpfen und Bewilligungen. Nicht in den Vereinen, die sich engagieren, im Sozialministerium müsse sich etwas ändern, mahnt er an. Der Zeitung Politiken nach hatte auch der Rechnungshof vor drei Jahren von einem unnötig komplexen und bürokratischen System gesprochen und bemängelte das Fehlen eines Gesamtüberblicks. Die Kritik wiederholte der Rechnungshof im Februar dieses Jahres.

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