Gesundheit

„Automatische Organspende“ stößt auf wenig Gegenliebe

Ritzau/hm
Kopenhagen
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Foto: Henning Bagger/Ritzau Scanpix

Mehrmals hat sich der dänische Ethikrat beim Thema Organspende gegen eine Umkehrung der bisherigen Regeln ausgesprochen. Eine Bürgerinitiative nimmt einen neuen Anlauf und hat 50.000 Unterschriften gesammelt.

Bürger in Dänemark entscheiden nach ihrem 18. Geburtstag selbst, ob sie Organspender sein möchten oder nicht. Eine Bürgerinitiative will dies nun ändern, die nötigen 50.000 Unterschriften für ein Einbringen ins Folketing hat sie gesammelt. Die Initiative will das bestehende System umkehren. Ihrer Meinung nach sollten Bürger aktiv nein zu einer Organspende sagen, geschieht dies nicht, werden sie automatisch Spender. Ist man selbst nicht mehr in der Lage, sich zu äußern, müssen nach Vorstellung der Initiative Familienangehörige ausdrücklich widersprechen.

Lasse Heidelbach, Sekretariatschef des Patientenvereins „Organdonation – ja tak!“ tritt für die Änderung ein und weißt darauf hin, dass nur 22 Prozent der Dänen Organspender sind, während 90 Prozent eine solche Befürworten.

Bis jetzt unterstützt nur eine Partei, die Radikalen, die Initiative. Es gebe viele Menschen, die gerne Organspender wären, aber den letzten Schritt nicht gingen, so die gesundheitspolitische Sprecherin der Partei.

Der Ethikrat hatte in der Vergangenheit mehrmals die Umkehrung der bestehenden Regeln geprüft und abgelehnt. Die überwiegende Mehrheit des Rates ist überzeugt, dass der Mensch Eigentümer seines Körpers ist, Dritte können nicht ohne Zustimmung über ihn verfügen. Auch der Nierenverein hält Abstand zu dem Vorschlag, dessen Vorsitzender Jan Rishave regt aber an, dass beispielsweise 18-Jährige erst dann ihren Führerschein ausgehändigt bekommen sollten, wenn sie vorher Stellung zu der Frage beziehen, sich also für oder gegen Organspende entscheiden.

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Leitartikel

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
„Venstre-Wellen“