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Auch kleine Kinder können unter Corona-Spätfolgen leiden

Auch kleine Kinder können unter Corona-Spätfolgen leiden

Auch kleine Kinder können unter Corona-Spätfolgen leiden

Ritzau/kj
Kopenhagen
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Bei einer neuen Studie haben Fachleuten des Rigshospitalet die Folgen von Covid-19 bei Kindern und Jugendlichen untersucht. Foto: Niels Christian Vilmann/Ritzau Scanpix

40 Prozent der 0- bis 3-Jährigen hatten der Studie zufolge noch acht Wochen nach der Infektion mit Corona Symptome wie Müdigkeit, Fieber und Husten. Fachleute waren zunächst davon ausgegangen, dass Spätfolgen eher bei älteren Kindern und Erwachsenen vorkommen.

Nicht nur Erwachsene können nach Covid-19 Langzeitfolgen erleiden.

Selbst bei Kleinkindern können Symptome auftreten, die noch lange nach der Virusinfektion anhalten.

Eine neue dänische Studie zeigt, dass 40 Prozent der 0- bis 3-jährigen Kinder, die von Januar 2020 bis Sommer 2021 positiv auf Corona getestet wurden, Symptome hatten, die länger als acht Wochen anhielten.

Spätfolgen bei älteren Kindern und Erwachsenen erwartet

Die Ergebnisse wurden dann mit einer Kontrollgruppe verglichen, in der das Virus nicht nachgewiesen worden war. Hier hatten 27 Prozent der jüngsten Kinder, bei denen kein Covid-19 nachgewiesen wurde, die gleichen Symptome.

Es ist etwas überraschend, dass wir auch bei sehr jungen Kindern so viele Langzeitsymptome feststellen.

Selina Kikkenborg Berg, Leiterin der Studie

„Das ist ein erheblicher Unterschied“, sagt die Studienleiterin, Professorin Selina Kikkenborg Berg, vom Rigshospital: „Wir wissen von Spätfolgen bei Erwachsenen und auch bei jungen Menschen. Es ist etwas überraschend, dass wir auch bei sehr jungen Kindern so viele Langzeitsymptome feststellen.“

Dabei handelt es sich um Symptome wie Bauchschmerzen, Müdigkeit, Fieber, Appetitlosigkeit und Husten, die länger als acht Wochen andauern, was der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Spätfolgen entspricht.

Über 10.000 Kinder untersucht

Die Studie umfasste 10.997 Kinder im Alter von 0 bis 14 Jahren, die positiv auf Covid-19 getestet worden waren, und eine Kontrollgruppe von 33.016 Kindern, bei denen das Virus nicht nachgewiesen worden war.

In allen Altersgruppen traten bei den Kindern, die Covid-19 erhalten hatten, mehr Langzeitsymptome auf.

Wir können sagen, dass die Symptome immer weniger werden. Das heißt, die meisten dieser Symptome scheinen mit der Zeit zu verschwinden.

Selina Kikkenborg Berg, Leiterin der Studie

Nach Ansicht der Professorin kann die hohe Zahl der Symptome ­– auch bei Kindern, bei denen kein Covid-19 nachgewiesen wurde – mehrere Ursachen haben. Zum Beispiel, dass sie an anderen vorübergehenden Krankheiten gelitten haben:

„Es gibt eine bemerkenswerte Anzahl von Langzeitsymptomen, sowohl bei Kindern, die eine Corona-Infektion hatten, als auch bei Kindern, die kein Corona hatten. Aber man darf nicht vergessen, dass es bei Kindern sehr häufig zu allen möglichen Problemen kommt. Sie bekommen Kinderkrankheiten, Virusinfektionen, und das ist in allen Altersgruppen üblich“, sagt sie.

Symptome verschwinden mit der Zeit

In den allermeisten Fällen verschwinden die Symptome mit der Zeit, betont Selina Kikkenborg Berg.

„Wir beobachten sie seit einem Jahr, und wir können sagen, dass die Symptome immer weniger werden. Das heißt, die meisten dieser Symptome scheinen mit der Zeit zu verschwinden.“

Mehrheit übersteht Infektion problemlos

Der Professorin zufolge ändert die Studie nichts an der Tatsache, dass die überwiegende Mehrheit der Kinder und Jugendlichen eine Covid-19-Erkrankung problemlos übersteht.

Die überwiegende Mehrheit der Kinder erholt sich leicht von der Infektion.

Selina Kikkenborg Berg, Leiterin der Studie

„Die überwiegende Mehrheit der Kinder erholt sich leicht von der Infektion. Aber es gibt immer noch einige Kinder, die für lange Zeit betroffen sind. Oft werden sie nicht sehr krank, aber sie sind länger davon betroffen. Diese Kinder leiden und brauchen Unterstützung“, so die Professorin.

Keine Ergebnisse mit Omikron-Variante

Die Studie wurde zu einem Zeitpunkt durchgeführt, als die Alpha- und Delta-Varianten von Covid-19 in Dänemark am weitesten verbreitet waren.

„Jetzt gibt es die Omikron-Variante, die offenbar ein milderes Krankheitsbild hervorruft. Da aber mehr Menschen infiziert sind, wird der Gesamtanteil der Kinder mit Spätfolgen voraussichtlich nicht zurückgehen“, sagt Selina Kikkenborg Berg.

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Lancet Child and Adolescent Health“ veröffentlicht.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Das Gute und das Böse“