Neues Museum

„Als würden heute 5 Millionen in Deutschland plötzlich Schutz suchen“

„Als würden heute 5 Millionen in Deutschland plötzlich Schutz suchen“

„Als würden 5 Millionen in Deutschland Schutz suchen“

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
Varde
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Katja Keul am Sonnabend in Oksbøl Foto: Bo Amstrup/Ritzau Scanpix

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250.000 Deutsche flüchteten nach dem Zweiten Weltkrieg nach Dänemark. Die deutsche Staatsministerin für internationale Kultur würdigte im Beisein von Königin und Vizekanzler den Umfang der dänischen Hilfeleistung. Diese wird in einem neuen Museum in Oksbøl fortan gezeigt.

Die Staatsministerin für Internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt, Katja Keul (Grüne), hat bei der Einweihung des Museums Flucht in Oksbøl an der süddänischen Nordseeküste die Größe der damaligen dänischen Hilfsleistung hervorgehoben, als in der Endphase des Zweiten Weltkrieges insgesamt 250.000 Deutsche nach Dänemark geflüchtet waren. Das entsprach 5 Prozent der damaligen Bevölkerung Dänemarks. „Das wäre so als ob heute 5 Millionen Menschen plötzlich Schutz in Deutschland suchten“, unterstrich Keil in ihrer Ansprache.

„Und das in einer Situation, in der es den Dänen wegen des von Deutschen entfesselten Krieges alles andere als gut ging. Da war es klar, dass die Ankunft dieser Menschen nicht überall auf Begeisterung stieß und viele auch nicht einsahen, dass sie diese Deutschen nun auch versorgen und unterbringen mussten“, sagte die Staatsministerin von Bündnis 90/Die Grünen. Sie verwies auch auf die rund 36.000 deutschen Kriegsflüchtlinge im Lager Varde. Keul erinnerte zudem an die Kriegsgräberstätte, „die hier in der Nähe das Schicksal unzähliger Opfer des Krieges in Stein gemeißelt hat.“

Das neue Flucht-Museum in Oksbøl

  • Bis zu 100.000 deutsche Geflüchtete waren nach dem Zweiten Weltkrieg in Oksbøl untergebracht.
  • Sie lebten bis 1949 in primitiven Holzbaracken in einem Lager.
  • Insgesamt kamen nach dem Krieg rund 250.000 Deutsche nach Dänemark.
  • Das Museum soll ihre Geschichte erzählen – die vielen in Dänemark unbekannt ist.
  • Architekt ist Bjarke Ingels, der auch das nahegelegene Tirpitz-Museum gezeichnet hat.
  • Das Museum soll über die Geschichte der deutschen Geflüchteten hinaus auch eine universelle Geschichte der Flucht erzählen – bis heute.
  • „Wir erzählen auch die Geschichte, weshalb Menschen flüchten, was es bedeutet, auf der Flucht zu sein und wie es ihre Leben beeinflusst“, so Museums-Chef Claus Kjeld Jensen.

    Quelle: Ritzau

Nach ihrer Ankunft in Dänemark starben allein 7.000 Kinder. „Von ihren Schicksalen erzählt das Museum. Es hilft uns, zu verstehen. Die Flüchtenden, die wir jeden Tag in den Nachrichten sehen, können wir auch selbst sein. Und das ist für mich die entscheidende Botschaft dieses Museums“, so Keul.

Die Staatsministerin würdigte das neue Museum „als ein besonderer Ausdruck der Versöhnung und besonderen Freundschaft zwischen unseren Ländern.

Würdigung der Minderheiten im Grenzland

„Es ist alles andere als selbstverständlich, dass ein Museum an das Schicksal der Flüchtlinge eines Nachbarlandes erinnert, in all seinen Facetten“, sagte Keul. Das Museum Flucht werde dazu beitragen, „ein besonderes Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit zu bringen. Es bereitet unserer gemeinsamen deutsch-dänischen Geschichte ein würdevolles, menschliches Gedenken.“

Ausdrücklich lobte die Staatsministerin – auch in Anwesenheit des deutschen Botschafters in Dänemark, Pascal Hector – die Rolle der Minderheiten. „Die deutsche und dänische Minderheit auf beiden Seiten der Grenze erfüllen den europäischen Gedanken jeden Tag.

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