Leitartikel

„Der Mensch – der schlechte Freund des Hundes“

Der Mensch – der schlechte Freund des Hundes

Der Mensch – der schlechte Freund des Hundes

Apenrade/Aabenraa
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Tausende Hunde werden jedes Jahr in Dänemark getötet, weil sie verhaltensauffällig sind. Das müsste nicht sein, wenn die Politik dafür sorgen würde, dass ihre Halterinnen und Halter in die Pflicht genommen werden, meint Cornelius von Tiedemann. Als Vorbild könnte das Hundegesetz in Niedersachsen dienen.

In Dänemark werden weiterhin massenhaft Haustiere getötet. Wie der Kollege Volker Heesch aktuell in einem Artikel berichtet, kostet es mehr als 23 Prozent der in Dänemark getöteten Hunde das Leben, dass ihre Halterinnen und Halter mit ihnen überfordert sind.

Erschreckende Zahlen. Dänemark steht da nicht alleine. Auch in anderen Ländern, in den USA oder Frankreich etwa, wird schnell die Todesstrafe für die Wesen ausgesprochen, die eigentlich unsere besten Freunde sein sollten.

Tierärztinnen, die die Tiere letztlich umbringen müssen, und Tierschützer fordern, dass die Menschen besser aufgeklärt werden müssen, bevor sie sich einen Hund anschaffen.

Das ist richtig. Doch bringt Freiwilligkeit uns wirklich weiter?

Häufigste Ursache dafür, dass gesunde Hunde in Dänemark eingeschläfert werden, ist laut Statistik, dass die Tiere vernachlässigt werden oder Verhaltensprobleme an den Tag legen.

So werden zum Beispiel kerngesunde Hunde von ihren Familien dem Arzt zur Tötung gegeben, weil die Tiere Angstzustände haben und nicht alleine gelassen werden können.

Abgesehen davon, dass schon der Gedanke daran herzzerreißend ist, stellen sich hier etliche ethisch-moralische Fragen.

Natürlich auch die, ob es denn überhaupt besser wäre, die Tiere am Leben zu lassen. Ob ihnen zum Beispiel mit einem Schicksal als Tierheim-Hund besser gedient wäre.

Doch heben wir den Blick von der akuten Situation und blicken voraus. Es müsste schon ein massiver Aufklärungseinsatz geleistet werden, um dem tausendfachen unnötigen Tod von Hunden vorzubeugen.

Erfolgversprechender wären Gesetze, wie es sie zum Beispiel in Niedersachsen gibt. Dort muss jeder, der sich privat erstmals einen Hund anschafft, vorher eine theoretische und praktische Sachkunde-Prüfung ablegen.

Das führt dazu, dass diejenigen, die die Verantwortung für ein Lebewesen auf sich nehmen wollen, viel darüber lernen, welche Bedürfnisse junge Hunde haben. Zum Beispiel, dass Hunde Jagd- und keine Kuscheltiere sind, warum sie an der Leine oder bei zu wenig Auslauf aggressiv werden und weshalb es dennoch angesagt ist, den Hund nicht ständig frei herumlaufen zu lassen. Zumal dann, wenn man anderen begegnet (deren Hund angeleint ist!).

Dieses verordnete Nachdenken über den Erwerb eines Hundes würde sicherlich nicht alle, aber doch viele dazu bringen, sich die Sache zweimal zu überlegen. Und es würde dafür sorgen, dass die, die dann doch einen Hund haben wollen, sich ihrer Verantwortung bewusst wären.

Ein Schelm, wer auf die Idee kommt, zusätzlich auch einen Sachkundenachweis für jene zu fordern, die menschlichen Nachwuchs planen. Doch der wird ja zum Glück bei Ungehorsam auch nicht eingeschläfert.

Zurück zum Thema: Auch wenn jeder das Recht hat und haben sollte, für ein Haustier Verantwortung zu übernehmen, so folgen aus Rechten immer auch Pflichten.

Zum Beispiel dürfen alle, die körperlich und geistig dazu in der Lage sind, ein Auto fahren. Solange sie die Führerschein-Prüfung bestanden haben. Wer keinen Führerschein (mehr) hat, darf auch nicht fahren. So einfach ist das – und gesellschaftlich vollkommen akzeptiert. Weshalb also machen wir es bei Hunden nicht auch so?

Der Hund ist und bleibt der beste Freund des Menschen. Umgekehrt erweisen wir Menschen uns leider noch zu oft als schlechte Freunde.

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