In Dänemark und Deutschland

Handys rauben Schülern Konzentration und Schlaf

Handys rauben Schülern Konzentration und Schlaf

Handys rauben Schülern Konzentration und Schlaf

Deutschland/Dänemark
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Tablets lenken Schüler im Unterricht vermehrt ab. Foto: dpa (Symbolfoto)

Handys beeinflussen die Konzentrationsfähigkeit dänischer Schüler im Unterricht. Ähnlich sieht es bei deutschen Schülern aus, die abends zu lange vor dem Bildschirm sitzen, statt zu schlafen.

Die Konzentration dänischer Schüler leidet unter der Nutzung von Handys und Tablets. Eine Studie von Søren Hebsgaard, der Schulen berät, zeigte schon im Jahr 2017, dass mobile Geräte die Konzentrationsfähigkeit der Schüler beeinträchtigen.

Das berichtete die Zeitung Politiken. In der Untersuchung befragten die Forscher 2.689 Schüler. Jeder Dritte benutze sein Handy auch während des Unterrichts für private Zwecke, vor allem für soziale Medien. „Im Allgemeinen sieht die Konzentrationsfähigkeit von Schülern wirklich schlecht aus. Aber je öfter sie ihr Telefon überprüfen, desto unkonzentrierter sind sie“, so Hebsgaard. Man müsse das Konzentrieren üben, was schwerfällt, wenn die Aufmerksamkeit ständig durch das Handy unterbrochen wird.

Laut der Untersuchung leiden 51 Prozent der Schüler, die jede Viertelstunde oder häufiger auf ihr Mobiltelefon schauen, unter Konzentrationsproblemen.

Einsicht, aber kaum Besserung

Viele Schüler sehen die erhöhte Nutzung mittlerweile ein: Bei sowohl Mädchen als auch Jungen habe sich die Zahl derer, die das Gefühl haben, dass sie zu viel in der digitalen Welt surfen, mehr als verdoppelt. Bei Mädchen von 30 auf 67 Prozent, bei den Jungen von 16 auf 40 Prozent. Berater Søren Hebsgaard relativiert dies jedoch. Es falle vielen Schülern schwer die Zeit am Handy zu reduzieren, selbst wenn sie wollten. Mehr als jeder Dritte hätte es versucht, doch es gelinge nur etwas mehr als der Hälfte.

Jule Hansen und Annika Sutor vom Deutschen Gymnasium haben ihr Handy immer dabei. Foto: Malick Volkmann

In Apenrade gehen die Meinungen auseinander

„Ich versuche in der Woche jede Nacht acht Stunden zu schlafen. Meistens lege ich das Handy gegen 22.30 Uhr weg“, erzählt Bea Paulsen, die auf das Deutsche Gymnasium Nordschleswig in Apenrade geht. Bei ihrer Freundin Annika Sutor sieht das hingegen ganz anders aus: „Ich schlafe in der Regel fünf Stunden, weil ich abends noch viel auf Instagram unterwegs bin“.

Am nächsten Morgen sei sie dann ab und an sehr müde und nicht in bester Verfassung. „Dann bin ich selber Schuld daran, aber es ist schwierig, von den Gewohnheiten loszukommen“, sagt die 17-Jährige.

Handys während Klausuren aus

Im Unterricht benutzen die beiden ihr Handy gelegentlich ganz gerne, obwohl das eigentlich verboten ist. „Hauptsächlich checke ich meine Nachrichten", erzählt Bea. Sie wüssten aber auch, wann es Zeit ist, das Smartphone in der Tasche zu lassen. „Wenn es gerade wichtig im Unterricht ist, dann schaue ich nicht auf das Handy.“

Annika stimmt zu: „Es kommt immer auf die Situation an". In einer Situation bleiben die Telefone aber definitiv ausgeschaltet und spielen auch in den Gedanken der Schüler keine Rolle: „Während Tests oder Klausuren sind die Handys natürlich aus. Manchmal müssen wir sie auch beim Lehrer auf den Tisch legen“, erzählt Jule Hansen, die ebenfalls das Deutsche Gymnasium besucht.

Die Konzentration in der Schule leidet unter der Nutzung von Handys im Unterricht. Foto: dpa (Symbolfoto)

Auch deutsche Schüler leiden häufig unter Konzentrationsproblemen im Schulalltag, wie das Forschungszentrum Demographischer Wandel der Frankfurt University of Applied Sciences berichtet. Grundlage ist eine Analyse, in der rund 10.000 Schüler an circa 150 weiterführenden Schulen jährlich zum Gesundheitszustand und Schlafverhalten befragt werden.

Oft hängen die Konzentrationsprobleme mit zu wenig Schlaf durch vermehrte Smartphone-Nutzung am Vorabend zusammen. Das geht aus einer kürzlich erschienenen Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor. Besonders betroffen seien ältere Schüler, die in die neunte oder zehnte Klasse gehen: Sie schlafen im Schnitt rund sieben Stunden – zwei Stunden weniger als von Experten für diese Altersgruppe empfohlen, wie es in der Untersuchung heißt.

Die Schüler kümmern sich nachts um volle Akkus bei ihren Smartphones, aber sie laden ihre eigenen Batterien nicht mehr ausreichend auf.

Andreas Storm, DAK-Vorstandschef

Der Umfrage zufolge fühlt sich jeder zweite Schüler tagsüber erschöpft. Ein Drittel leidet unter Schlafstörungen, wodurch auch das Stressempfinden steigt. Laut der Untersuchung hängt das mit „stark erhöhten Bildschirmzeiten zusammen“. Die Schüler sitzen also zu lange vor dem Fernseher, dem Tablet oder dem Smartphone.

Im Detail schlafen Jungen und Mädchen, die angaben, mehr als vier Stunden pro Tag vor den Bildschirmen zu verbringen, im Durchschnitt deutlich weniger (7,3 Stunden) als diejenigen, die weniger als eine Stunde am Tag elektronische Geräte nutzen (8,9 Stunden).

„Die Schüler kümmern sich nachts um volle Akkus bei ihren Smartphones, aber sie laden ihre eigenen Batterien nicht mehr ausreichend auf”, sagt DAK-Vorstandschef Andreas Storm. So klagten 38 Prozent der Achtklässler, die weniger als acht Stunden schlafen, an mehr als zwei Tagen pro Woche über Konzentrationsprobleme. Unter den Schülern, die mehr als acht Stunden schlafen, waren es hingegen nur 24 Prozent.

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