Globale Kriminalität

Polizei fürchtet starken Anstieg an Internet-Vergewaltigungen

dodo
Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau-Scanpix

Mehrere Fälle, bei denen Dänen sexuelle Übergriffe gegen Kinder über das Internet bestellt und diese per Stream verfolgt haben, sind an dänischen Gerichten schon verhandelt worden. Bisher waren die Opfer vor allem philippinische Kinder. Die Polizei geht davon aus, dass sich diese „florierende Industrie“ bald auch nach Dänemark ausbreiten wird.

In den vergangenen Jahren haben mehr und mehr Dänen aus ihren Wohnzimmern in Dänemark sexuelle Übergriffe gegen Kinder auf der anderen Seite der Erde im Internet bestellt und in Auftrag gegeben – die sie sich dann per Live-Stream angeschaut haben.

Bisher handelte es sich bei den Opfern der sogenannten Internet- oder Stellvertreter-Vergewaltigung, wie sie die Polizei nennt, hauptsächlich um Kinder von den Philippinen.

Starker Anstieg

Diese Art der Kriminalität ist zuletzt allerdings so stark angewachsen, dass die dänische Polizei fürchtet, dass sich diese auch in andere Teile der Welt ausbreiten wird, sagt Polizeikommissar Flemming Kjærside vom Nationalen Center für Cyber-Kriminalität.

„Es ist eine florierende Industrie, an der die gesamte Welt teilnimmt. Wir fürchten, dass es in Afrika und Südamerika als Nächstes immer mehr Fälle geben wird“, so Kjærside zur Nachrichtenagentur Ritzau.

Ausbreitung nach Dänemark befürchtet

Auch um Dänemark macht er sich Sorgen: „Wir wissen, wenn dies im Ausland passiert, es ist es nur eine Frage der Zeit, bevor wir solche Fälle auch in Dänemark haben.“

Das Phänomen ist verhältnismäßig neu. Der erste Fall, an dem ein dänischer Staatsbürger beteiligt war, wurde 2014 bekannt. Seitdem habe er 15 bis 20 solcher Fälle auf seinem Schreibtisch liegen gehabt, so der Polizeikommissar.

Urteile in Dänemark

In den vergangenen Jahren sind einige Urteile in Dänemark gefallen, bei denen Männer aus Dänemark über das Internet an Vergewaltigungen von Kindern mitgewirkt haben.

Das Gericht in Lyngby verurteile beispielsweise einen 62-jährigen Mechaniker zu vier Jahren Haft, und erst im Januar 2019 wurde ein 67-Jähriger aus Nordjütland zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Der größte Fall mit dänischer Beteiligung war ein 71-jähriger Rentner aus Brøndby, der verurteilt wurde, mehr als 300 Mal an sexuellen Übergriffen gegen Kinder im Internet mitgewirkt zu haben. Das Urteil lag zunächst bei zwölf Jahren Gefängnisstrafe, wurde nach einer Berufungsverhandlung allerdings vom Östlichen Landesgericht auf acht Jahre herabgesetzt.

Mehr lesen