Steinewerferprozess

Opfer: „Sie sollen darüber nachdenken“

Opfer: „Sie sollen darüber nachdenken“

Opfer: „Sie sollen darüber nachdenken“

swa/ritzau
Nordschleswig/Flensburg
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Der zerstörte Wagen der Dänin nach dem Steinewurf auf der A7 Foto: Karsten Sörensen

Im Flensburger Landgericht sind am Dienstag zwei 19-Jährige wegen Steinwürfen auf Autos verurteilt worden. Eines der Opfer ist eine Dänin. Sie ließ über ihren Anwalt mitteilen, was sie von dem Urteil hält. Auch in Nordschleswig wurde das Ende des Verfahrens aufmerksam verfolgt.

Sechs Jahre Jugendgefängnis für das Steinewerfen von Brücken – dieses Urteil hat auch die von einem der Steinwürfe getroffene Dänin zur Kenntnis genommen.

Das Auto der 58-Jährigen war am 8. Mai 2018 von einem Granitstein getroffen worden, der von den beiden Verurteilten von einer Autobahnbrücke bei Tarp geworfen worden war.

Der Anwalt der Frau ließ am Dienstag mitteilen, dass seine Mandantin mit dem Urteil zufrieden sei.

Opfer stehen 612.000 Kronen zu

„Es war für sie ein fürchterliches Erlebnis. Sie hatte nicht den Wunsch, dass die jungen Menschen lange Zeit weggesperrt werden, aber sie sollen die Zeit haben, darüber nachzudenken“, so Anwalt Holger Rasmussen.

Auf zivilrechtlichem Weg haben Opfer und Täter einen Vergleich geschlossen, die Frau erhält 70.000 Euro Schmerzensgeld und weitere 12.000 Euro für den Schaden an ihrem Auto. Insgesamt erhält sie 612.000 Kronen.

Das Auto eines Steinwurf-Opfers, einen Tag nachdem der Wagen von Steinen getroffen wurde Foto: André Mackus

Auch André Mackus hat das Urteil am Dienstag zur Kenntnis genommen. Der 34-jährige Flensburger, der in Nordschleswig arbeitet, wurde im Februar 2018 auf der B200 von Steinen getroffen, die die damals 18-Jährigen absichtlich hatten fallen lassen.

Seine Windschutzscheibe wurde beschädigt, ihm selbst passierte äußerlich nichts, er konnte seinen Wagen auf den nächsten Rastplatz fahren. Er hat von dem Urteil am Dienstag im dänischen Radio gehört.

„Ich empfinde eine gewisse Gerechtigkeit"

Was hält er von dem Strafmaß? „Ich empfinde schon eine gewisse Gerechtigkeit. Natürlich ist es eine lange Zeit, sechs Jahre, und das am Ende der Jugend, wenn man normalerweise eine gute Zeit im Leben hat. Aber ich finde, dass sie es redlich verdient haben“, so Mackus. „Sie haben es ja nicht einmal aus einer Laune heraus gemacht – sondern elfmal, über eine längere Zeit. Und sie wurden dabei immer extremer.“

Im Januar machte der Flensburger vor Gericht seine Aussage. Auf die Frage der Richterin, ob er abschließend noch etwas hinzufügen wollte, teilte er vor Gericht mit, dass ihn der Vorfall durchaus noch im Straßenverkehr und in Gedanken beschäftige und er auch finanziell auf einem gewissen Schaden am Auto sitzengeblieben sei.

„Vor all dem Hintergrund gibt mir das Urteil schon ein gutes Gefühl von Gerechtigkeit“, sagt er nun am Tag des Gerichtsurteils.


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