Nordschleswig

Von der Feindschaft zur Freundschaft

Von der Feindschaft zur Freundschaft

Von der Feindschaft zur Freundschaft

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Gitte Hougaard-Werner und Hinrich Jürgensen beim Interview mit Siegfried Matlok vor dem historischen Porträt des Dänenführers H. P. Hanssen im Apenrader Folkehjem. Foto: DK4

Ein DK4-Doppelinterview in der Sendereihe „Dansk-tysk med Matlok“ mit den beiden Minderheiten-Vorsitzenden Gitte Hougaard Werner von „Sydslesvigsk Forening“ (SSF) und dem Hauptvorsitzenden des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), Hinrich Jürgensen, über Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Ihre Vorfahren weinten bittere Tränen, waren tief enttäuscht über die Entscheidung. Sie waren damals die historischen Verlierer auf beiden Seiten – die beiden Minderheiten 1920.

Nun, 100 Jahre später, sitzen die Vorsitzende von „Sydslesvigsk Forening“ (SSF), Gitte Hougaard Werner, und der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), Hinrich Jürgensen, wie ein strahlendes Pärchen vor den Kameras des Fernsehsenders DK4 und freuen sich über ihren nachträglichen Gewinn, der wie im Lotto mit fünf Richtungen plus Zusatzzahl fast als Hauptgewinn gefeiert wird.

Von einer Resignation, die dann später durch Kampfgeist abgelöst wurde, spricht Gitte Hougaard-Werner im Rückblick auf die Volksabstimmung 1920, während Hinrich Jürgensen erklärt, dass die Grenzziehung von den Deutschen in Nordschleswig wegen der unterschiedlichen Abstimmungsform als ungerecht empfunden wurde, weil die Grenze, wenn man die Entscheidung wie in der zweiten Zone gemeindeweise getroffen hätte, dann zweifelsohne nördlicher verlaufen wäre.

Vom Gegeneinander zum Miteinander

Deshalb hat die deutsche Minderheit anfangs die Grenze nicht anerkannt und auf eine Grenzrevision gehofft. Wir feiern heute zwar kein ´Genforening´, aber wir sind inzwischen von der Feindschaft zu einer Freundschaft gewechselt“, so Hinrich Jürgensen im Doppel-Interview in der Sendereihe „Dansk-tysk med Matlok“. Und Gitte Hougaard-Werner fügt hinzu: „Wir können auf jeden Fall die Entwicklung vom Gegeneinander zum Miteinander gemeinsam feiern.“

Ausführlich sprechen die beiden auch über die dramatische Situation im Grenzland nach 1945: Auf der einen Seite die deutsche Minderheit mit dem Faarhus-Trauma und der Loyalitätserklärung durch den Bund deutscher Nordschleswiger, und auf der anderen Seite die dänische Minderheit, die – auch mit Unterstützung vieler Reichsdänen – nun erneut Druck machte im Hinblick auf eine Korrektur der Grenze von 1920.

Dass es heute noch vereinzelte Politiker gibt, die von Dänemark bis zur Eider träumen, nehmen die beiden Vorsitzenden nicht ernst. Allerdings verweist Hinrich Jürgensen darauf, dass es sicherlich ganz andere Reaktionen gegeben hätte, wenn z. B. ein deutscher Politiker eine solche Forderung erhoben hätte.

Undenkbares wird möglich

Im Interview geht es auch um die Frage, wie sich die beiden Minderheiten heute definieren. Gitte Hougaard-Werner: „Früher war man entweder deutsch oder dänisch, heute gibt es kein Entweder-oder, denn wir leben in einer Mehrheitssituation, wo auch andere auswärtige Faktoren eine Rolle spielen. Die lassen sich auch in gemischten Ehen, die ja früher fast undenkbar waren, gar nicht ausschließen. Wenn ich deshalb von einer Sowohl-als-auch-Situation spreche, dann sollte das Dänische überwiegen, gerne wie im Fußball mit einem 2:1-Sieg für Dänemark.“

Jürgensen: Gesellschaft nicht statisch

Hinrich Jürgensen: „Die Gesellschaft ist nicht statisch, und wir müssen uns ebenso wie die dänische Minderheit den gleichen Herausforderungen stellen. Das ist ein Balanceakt zwischen Integration und Assimilation. Ich werde manchmal gefragt, ob ich deutsch oder dänisch bin und antworte dann: Erz-Nordschleswiger, 'Sønderjyde' – mit vollem Herzen. Hier bin ich geboren, hier lebe ich. Die Grenze wurde zwar verändert, aber ich nicht.“

Es gibt aber Unterschiede, zum Beispiel hat eine Schülerin des dänischen Duborg-Gymnasiums beim Besuch der Königin im vergangenen Jahr in Flensburg erklärt, Dänemark sei ihr „hjertehjem“. Gilt das auch für die Mehrheit in der dänischen Minderheit, und schlägt in der deutschen Minderheit auch ein Herz für Deutschland?

Die interessanten Antworten und vieles mehr über Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es im Doppel-Interview mit den beiden Minderheiten-Vorsitzenden in der Sendereihe „Dansk-tysk med Matlok“.

 
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