Kultur

„Æ Rummelpot 2021“ mit Witz und ätzendem Spott

„Æ Rummelpot 2021“ mit Witz und ätzendem Spott

„Æ Rummelpot 2021“ mit Witz und ätzendem Spott

Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Gunnar Hattesen hat am Mittwoch die 76. Ausgabe des nordschleswigschen Satireheftes „æ Rummelpot“ vorgestellt. Foto: Karin Riggelsen

Diesen Artikel vorlesen lassen.

Die 76. Ausgabe des Satiremagazins ist mit spitzer Feder gezeichnet und strotzt vor nordschleswigschem Humor. Auch der Besuch der Königin und des Bundespräsidenten bei der deutschen Minderheit wird durch den Kakao gezogen.

„Nordschleswig ist wieder geöffnet. Am liebsten mit einem Stück Kuchen und einem guten ,Schnack‘. Weg mit ,æ snutduch‘ (plattdeutsch: Schnutenbüdel). Hier kommt die 76. Ausgabe des Satireheftes.“ So lauteten die Begrüßungsworte Gunnar Hattesens, seines Zeichens Chefredakteur des alljährlich vor Weihnachten präsentierten Traditionsblattes in Anspielung an Monate mit Versammlungsverboten und Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.

Spitzenleuten wird auf die Füße getreten

Und er versprach, dass auch im neuen Heft tüchtig den Spitzenvertretern im Landesteil auf die Füße getreten werde, schließlich lieferten beispielsweise die Politiker weiterhin genügend Beispiele, wo es für sie dumm gelaufen ist. „Wir liefern Lob und Kritik mit einem Augenzwinkern“, so Hattesen, der während der Präsentation im Apenrader Folkehjem erstmals an einem großformatigen „Rummelpott“ als Rednerpult mit lustigen Sprüchen auf den Inhalt des bunten Heftes einging, das ab sofort im Buchhandel, aber auch in einigen Supermärkten im Landesteil zum Kauf angeboten wird.

Stephan Nielsen hat unter anderem das Titelbild der Ausgabe 2021 des Satiremagazins gezeichnet. Foto: Karin Riggelsen

Das vom Rothenkruger Zeichner Stephan Nielsen gestaltete Titelbild weist auf den Endspurt der Bürgermeisterkandidaten bei den Kommunalwahlen vor gut einer Woche hin. Dabei wurden allerdings Jørgen Popp Petersen (Schleswigsche Partei) und Jan Riber Jakobsen (Konservative) übersehen, die auf der Zielgeraden die Nase vorn hatten. Die Kommunalpolitik hat viele Themen geliefert, an denen sich das Autoren- und Karikaturisten-Team einfallsreich abgearbeitet hat.

Aktuelles und Geschichtliches

So wurde Jan Køpke Christensen (Nye Borgerlige) als dänischer Meister im Parteiwechsel geehrt, und Philip Tietje (Venstre) wird in Ole Weiles Karikatur als Akteur im Skandal um den Jollenhafen Loddenhoi von einem Unwetter umbraust.

Der Karikaturist Ole Weile, Texter H. E. Sörensen und Zeichner Stephan Nielsen (v. r.) studierten bei der Präsentation des neuen „æ Rummelpot“ das druckfrische Heft. Foto: Karin Riggelsen

„Ole Weile ist seit 50 Jahren bei unserem Satireheft im Einsatz“, so Gunnar Hattesen, der mit Freja Oldrup auf eine Jugendredakteurin zurückgreifen kann, denn im Heft sind nicht nur „olle Kamellen“, wie lustige Anekdoten um den unvergessenen Amtsbürgermeister Kresten Philipsen oder Hoyers letzten deutschen Bürgermeister Hans Andersen zu finden, auch Eskapaden des Abiturientenjahrgangs 2021 werden aufgespießt.

Freja Oldrup ist als Jugendredakteurin am Entstehen des neuen Satireheftes beteiligt gewesen, das auch viele junge Leute zu seinen Fans zählt. Foto: Karin Riggelsen.

Der Sonderburger SP-Vizebürgermeister Stephan Kleinschmidt muss für seinen Vorschlag „büßen“, die störenden Silbermöwen mit künstlichen Raubvögeln aus der Innenstadt zu vertreiben. Benny Bonde (Nye Borgerlige) muss mit seinem Feldzug gegen die Graugänse in Hadersleben (Haderslev) dran glauben, wo das Federvieh auf Bondes Warnung „verschwinde oder ich schieße“ mit dem Spruch kontert „verschwinde oder ich scheiße“.

Große Politik nicht vergessen

Auch die große Politik wird thematisiert. So auf der vorletzten Seite des Heftes, auf der Regierungschefin Mette Frederiksen (Sozialdemokraten) ihren Parteigenossen Jesper Petersen mit dem Satz im Kabinett empfängt: „Willkommen kleiner Jesper, heute sollen wir lernen, wie man SMS-Botschaften löscht.“

Das gesamte Rummelpott-Team präsentierte sich der Fotografin am Rednerpult, einem riesigen Rummelpott. Foto: Karin Riggelsen

Das auf Eis liegende „Predigt-Gesetz" findet auch eine ätzende Würdigung mit der Zeichnung eines offenbar deutschen Pastor, dessen Predigt simultan von Übersetzungen in die wichtigen Sprachen Plattdeutsch, „Sønderjysk“ und „Rigsdansk“ übersetzt werden. Der Besuch von Königin Margrethe und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der deutschen Minderheit bekommt auch sein Fett weg. Auf der Karikatur von Stephan Nielsen müht sich Steinmeier beim Pflanzen der deutschen Eiche vor dem Deutschen Museum Nordschleswig in Sonderburg mit der „Gedankenblase“, „ich schaffe das“ ab, während die Königin an der dänischen Buche buddelt und sich „denkt“: „Danke, dass es dänische Erde geworden ist, in der ich nun grabe“. Und der Karikaturist setzt noch eins obendrauf: Auf dem Dach des Museums ist ein Dieb gezeichnet, der sich freut, dass es ihm gelungen ist, das Beste aus der Nazi-Sammlung zu klauen.

Auch der Einzug des SSW-Abgeordneten aus der dänischen Minderheit in den Bundestag, Stefan Seidler, wird im neuen Satireheft umfangreich gewürdigt. Foto: “æ rummelpot“ / Foto: V. Heesch

Das neue „Rummelpot“-Heft, das in seinem Titel an hierzulande fast verschwundene Umzüge mit Krach aus dem mit einer Schweinsblase bespannten Gefäß, Streichen und frechen Gesängen erinnert, wird vielen Leserinnen und Lesern Freude bereiten.

Mehr lesen

Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Wenn Mette und Hinrich den Olaf anrufen“