Leitartikel

„Offen darüber reden“

Offen darüber reden

Offen darüber reden

Nordschleswig
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Ein Seminar über die eigene Geschichte, wie das am Wochenende auf dem Knivsberg, bringt die deutsche Minderheit in Nordschleswig weiter, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Die deutsche Minderheit hat am Wochenende einen weiteren Schritt in der Bewältigung der eigenen Geschichte gemacht. Ein umfangreiches Geschichtsseminar auf dem Knivsberg mit führenden Historikern aus dem deutsch-dänischen Grenzland hat die Weichen für eine neue Aufbereitung der dunklen Jahre vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg gestellt.

Vieles, was die sieben Historiker beim Seminar „Geschichte auf dem Berg“ vortrugen, war für Geschichtsinteressierte in der Minderheit nicht neu. So sprach Henrik Skov Kristensen zum Teil über sein Buch „Straffelejren" von 2011 und die Konsequenzen für die deutsche Minderheit nach dem Krieg. Andere Informationen waren sogar noch älteren Datums.

Es ist aber dennoch wichtig, diese Geschichte stets zu wiederholen und ihr nicht davonzulaufen, sondern die Historie auch in neuen Zusammenhängen zu sehen. Die Geschehnisse von damals sind dieselben, doch es kommen neue Perspektiven und Nuancen dazu, und so entwickelt sich unsere Geschichte ständig.

Eine Stärke der Veranstaltung war außerdem, dass man Historiker aus und außerhalb der Minderheit mit ins Boot holt, und dadurch signalisiert, dass man es mit der gemeinsamen Geschichtsaufbereitung ernst meint.

Bei der eigenen Vergangenheitsbewältigung hat sich die deutsche Minderheit lange Zeit schwergetan. Versuche vonseiten des „Nordschleswigers“ unter Chefredakteur Siegfried Matlok und Gruppierungen innerhalb der Minderheit stießen bis vor wenigen Jahren oft auf Kritik und Unverständnis. Über die Nazi-Sympathien in der Minderheit von damals oder das Fårhuslager wurde einfach geschwiegen. Nur über die „ungerechte“ Rechtsabrechnung war man sich in der Minderheit lange Zeit einig.

Doch die Geschichte hat uns inzwischen anderes gelehrt.

Der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Hinrich Jürgensen, weiß auch, warum: „Nicht weil wir besser sind als unsere Vorfahren, sondern weil es heute leichter ist“, sagte er auf dem Knivsberg. Die Minderheit könne nicht vor ihrer eigenen Geschichte davonlaufen, aber man könne sie erklären. Ehrlich und offen – auch neuen Generationen gegenüber, denn auch sie wollen Antworten darauf, was damals passiert ist und wie es passieren konnte. Das ist ihr gutes Recht.

Die deutsche Minderheit kann vom ehrlichen Umgang mit der eigenen dunklen Geschichte nur profitieren. Dann nämlich, wenn wir sie verstehen, nie vergessen und dafür sorgen, dass es nie wieder passiert – auch im Ansatz nicht.

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