Kommunalwahlen

Jungpolitiker verlässt Apenrade

Jungpolitiker verlässt Apenrade

Jungpolitiker verlässt Apenrade

Max Hey
Max Hey
Apenrade/Aabenraa
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Jonas Haase wird bei den anstehenden Kommunalwahlen nicht erneut antreten. Foto: Privat

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Vor fast vier Jahren wurde Jonas Haase jüngstes Stadtratsmitglied Dänemarks. Im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“ blickt er auf seine Zeit in der Apenrader Lokalpolitik zurück und verrät, was er jungen Wählern bei der anstehenden Kommunalwahl empfehlen würde.

Bei den Kommunalwahlen am 16. November wird Jonas Haase nicht mehr antreten, da es ihn im Sommer nach Aarhus zog, um Politikwissenschaften zu studieren. Seine verbleibende Amtszeit vorzeitig zu beenden, kam für den Sozialdemokraten trotz der neuen Herausforderung jedoch nicht infrage.

„Manch einer mag sagen, dass ich deswegen den Stadtrat vorzeitig verlassen sollte, aber mir geht es auch darum zu zeigen, dass ich meiner Verpflichtung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern bis zum Ende nachgehe. Ich arbeite immer noch genauso hart, wie ich es vorher auch getan habe“, so Haase.

Erfahrung sammeln

Anschließend will er sich erst mal eine Pause von der praktischen Politik gönnen und sich voll auf sein Studium konzentrieren: „Ich werde zwar ein aktives Mitglied in der Partei bleiben, aber ich will auch Erfahrungen außerhalb der Politik machen“, erläutert Haase.

An politischen Erfahrungen hat er in den vergangenen Jahren reichlich dazugewonnen. Mithilfe seiner Parteifreunde und der richtigen Grundeinstellung lernte er schnell, wie im Stadtrat Entscheidungsfindungsprozesse funktionieren und welche Paragrafen dabei wichtig sind. Trotz seines jungen Alters fühlte sich Haase in seinem Mandat von den erfahreneren Mitgliedern von Beginn an respektiert.

Natürlich können wir keine Stadt mit nur 18-Jährigen schmeißen. Aber genauso wenig funktioniert es, wenn ausschließlich 60-Jährige im Stadtrat sitzen.

Jonas Haase, Stadtratsmitglied

Empfehlung an Jungwähler

Die häufig aufkommende Kritik, dass Menschen seines Alters noch nichts in der Politik zu suchen haben, hält er für unangebracht: „Natürlich können wir keine Stadt mit nur 18-Jährigen schmeißen. Aber genauso wenig funktioniert es, wenn ausschließlich 60-Jährige im Stadtrat sitzen. Denn sonst scheint es so, als ob die politische Arena von Älteren dominiert wird“, so Haase.

Daher würde er jungen Wahlberechtigten empfehlen, sich bei ihrer Wahl in erster Line für eine Kandidatin oder einen Kandidaten zu entscheiden, die oder der die persönlichen Interessen am ehesten widerspiegelt und nicht von der Partei, denn „Lokalpolitik ist nicht so sehr von Ideologie geprägt wie Staatspolitik, sondern viel mehr von den Bedürfnissen, die mit den verschiedenen Generationen einhergehen“, führt Haase an.

Besondere Erfolge

Der Jugend eine Stimme geben, das war auch das Leitprinzip von Jonas Haases Zeit im Stadtrat. So war er unter anderem maßgeblich daran beteiligt, dass die Altersgrenze für die sogenannte „Ungdomskort“ (Jugendkarte) erhöht wurde. „Denn vorher mussten 16- bis 19-Jährige, die außerhalb von Apenrade lebten, 300 Kronen im Monat zahlen, um zur Schule zu kommen“, erklärt der Sozialdemokrat. Stattgefunden hätte ohne ihn wohl auch nie „die erste Pride Parade überhaupt in Apenrade“, vermutet Haase, der die Veranstaltung im Juni mitorganisiert hatte.

Das Problem ist, dass die Stimme von jungen Menschen meistens von jungen Politikern abhängt. Wie stellen wir also sicher, dass junge Leute gehört werden, ohne junge Repräsentanten zu haben?

Jonas Haase

Hoffnung auf das, was folgt

Haase hofft, dass die Interessen der jüngeren Generationen auch in Zukunft in den Kommunen eine Rolle spielen. Selbst wenn keine anderen Jungpolitiker auf ihn folgen sollten, muss in Zukunft dafür gesorgt sein, dass junge Menschen in der Kommune Gehör finden.

„Das Problem ist, dass die Stimme von jungen Menschen meistens von jungen Politikern abhängt. Wie stellen wir also sicher, dass junge Leute gehört werden, ohne junge Repräsentanten zu haben?“, fragt sich Haase, und nennt als mögliche Lösung die Gründung einer bisher nicht existierenden Jugendorganisation, die sich für Belange junger Menschen in Apenrade aktiv einsetzt.

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