Kommunalpolitik

Seniorenrat: Ein wichtiger Teil kommunaler Demokratie

Seniorenrat: Ein wichtiger Teil kommunaler Demokratie

Seniorenrat: Ein wichtiger Teil kommunaler Demokratie

Apenrade/Aabenraa
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Hans Christian Bock wird im kommenden Februar 80 Jahre alt und berichtet über die Arbeit der Vertretung für ältere Menschen. Foto: Paul Sehstedt

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Hans Christian Bock ist Mitglied des Seniorenrates der Kommune Apenrade. Er berichtet über die Arbeit der Vertretung für ältere Menschen und nennt aktuelle Beispiele, wofür der Rat kämpft.

„Alt werden ist kein Job für Feiglinge“, stellte vor einigen Jahren die amerikanische Schauspielerin Bette Davis fest. Sie spielt damit auf die Herausforderungen an, die das Älterwerden mit sich bringt: chronische Krankheiten und Probleme mit dem Bewegungsapparat gehören unter anderem dazu.

Sicht der Senioren

Seniorinnen und Senioren haben deshalb zum Teil eine ganz andere Sicht auf die Dinge. Deshalb gibt es in Dänemark seit 1995 ein Gesetz, das besagt, dass es in jeder der 98 dänischen Kommunen einen gewählten Seniorenrat geben muss.

Zankapfel Bahnhof

„Wir kämpfen schon seit einigen Jahren dafür, den Bahnhof in Rothenkrug verbraucherfreundlicher einzurichten. So soll dort unter anderem ein Fahrstuhl installiert werden, denn die Treppen, die zum Bahnsteig hinaufführen, sind steil und für gehbehinderte Menschen oder auch Eltern mit Kinderwagen schwer zu erreichen“, berichtet Hans Christian Bock von der Arbeit des Seniorenrates in der Kommune Apenrade, in dem er seit zwölf Jahren ehrenamtlich mitarbeitet.

Eine Nachtwache ist zu wenig

Der Einbau des Fahrstuhls ist mit Kosten von etwa 10 Millionen Kronen eines der größten Projekte, auf das der Seniorenrat Einfluss nimmt. Aktuell verfolgt der Rat jedoch noch ein umfangreicheres Anliegen: „In den kommunalen Pflegeheimen gibt es teilweise nur eine Nachtwache. Das ist in unseren Augen zu wenig. Wir wollen, dass es zur Norm wird, mindestens zwei Nachtwachen an allen sieben Tagen der Woche einzusetzen“, berichtet der 81-Jährige.

Bei einem Jahresgehalt von etwa 400.000 Kronen und neun kommunalen Pflegeheimen kommt dabei eine große Summe zusammen. „Doch hier geht es um die Sicherheit der Menschen, die dort untergebracht sind“, meint Hans Christian Bock.

Ältere Mitbürger vertreten

Bock möchte auch die kommenden vier Jahre wieder im Seniorenrat mitarbeiten. „Es ist eine wichtige Aufgabe, denn wir vertreten alle Menschen über 60. Und das werden immer mehr. Es ist wichtig, dass wir Senioren eine Stimme haben und diese nutzen. So können wir auf lokalpolitische Entscheidungen Einfluss nehmen“, erklärt er seine Beweggründe, um sich für das Amt zu bewerben.

Forderung: Notrufanlage statt Handy

Und der Seniorenrat macht sich aktuelle für einen weiteren Punkt stark: „Es gibt für ältere Menschen eine Notrufanlage, auf Dänisch Nødkaldeanlæg. Dazu gehört unter anderem ein Notrufarmband. Mit einem Druck auf den Knopf wird im Notfall ein Dienst hinzugerufen, der Hilfe leistet. Dieses System ist allerdings nicht billig und wird nur denjenigen gewährt, die kein Handy bedienen können“, berichtet der Seniorenvertreter.

Doch das ist ihm ein Dorn im Auge, denn, „wenn ich nachts auf die Toilette gehe, bleibt das Handy auf dem Nachttisch liegen. Dann hilft mir das gar nichts. Die Notfallarmbänder trägt man am Handgelenk und hat sie immer dabei“, erzählt er und weist darauf hin, dass viele Menschen im Badezimmer sterben. „Einigen von ihnen könnte sicher geholfen werden, wenn sie ein Notfallarmband getragen hätten“, ist er sich sicher.

Bisher ohne Erfolg

Deshalb hat er bei einer der Sitzungen des Seniorenrats im Rathaus darauf aufmerksam gemacht. Mit dabei sind auch Vertreter der Kommune, die zu verschiedenen Themen Stellung beziehen und Antworten geben. „Dort ist mein Anliegen bisher mit dem Hinweis vom Tisch gefegt worden, dass ein Handy eine gute Alternative zu der Notrufanlage ist“, sagt Hans Christian Bock.

Allgemein soll der Seniorenrat dem Stadtrat in Fragen beratend zur Seite stehen, die ältere Menschen betreffen.

Einsicht in die aktuelle politische Arbeit

Der Seniorenrat bekommt Einsicht in alle Ordnungspunkte, die auf der Agenda des Stadtrates stehen. So durchforstet Hans Christian Bock derzeit den Haushaltsentwurf, den der Stadtrat kürzlich herausgegeben hat, und schaut dabei auf alle Punkte, die Senioren betreffen oder betreffen könnten.

Neu ist in diesem Jahr, dass die Wahl zum Seniorenrat für die meisten Wählerinnen und Wähler digital stattfindet. „Das ist gewöhnungsbedürftig“, findet Bock, der eine schriftliche Wahl vorzieht.

Noch bis zum 26. September können sich Bürger zur Wahl stellen.

Mehr Informationen dazu und zum Seniorenrat gibt es auf der Internetseite der Kommune Apenrade.

Seniorenrat

Der Seniorenrat hat die Aufgabe, den Stadtrat bei seniorenpolitischen Fragen zu beraten und die spezifischen Gesichtspunkte dieser Bürgergruppe bei lokalpolitischen Fragen zu vermitteln.

Der Stadtrat ist verpflichtet, den Seniorenrat bei allen Fragen anzuhören, die ältere Bürger betreffen.

Der Seniorenrat kann – über die traditionellen seniorenpolitischen Belange hinaus – auch bei Fragen zu Verkehr, Wohnverhältnissen, Gesundheit, Umwelt und Kultur Einfluss nehmen.

Der Seniorenrat wird im Zuge der Kommunalwahl für vier Jahre gewählt. Wählen dürfen den Rat alle Apenrader über 60.

Folgende Menschen können sich wählen lassen:

  • Bürgerinnen und Bürger, die in der Kommune leben.
  • Bürger, die über 60 Jahre alt sind.

Aktuell hat der Seniorenrat neun gewählte Mitglieder.

Nach der Wahl konstituiert sich der Seniorenrat innerhalb von zwei Monaten.

Die Mitglieder des Seniorenrats arbeiten in verschiedenen Ausschüssen mit.
Es gibt folgende Ausschüsse:

  • Geschäftsausschuss
  • §79-Ausschuss
  • Ausschuss für Verkehr und Stadtplanung
  • Bau- und Wohnungsausschuss
  • Ausschuss für Gesundheit, Umwelt und Speiseservice
  • Zeitungsausschuss
  • Repräsentation in Bewohner- und Angehörigenräten (der kommunalen Pflegeheime)

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