Kommentar

„Das ist ein Schlag unter die Gürtellinie, Kameraden“

„Das ist ein Schlag unter die Gürtellinie, Kameraden“

„Das ist ein Schlag unter die Gürtellinie, Kameraden“

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Kurt Andresen
Kurt Andresen wehrt sich gegen die unsachliche Kritik der Sozialdemokraten in der Kommune Apenrade. Foto: Karin Riggelsen

Die Sozialdemokraten in Apenrade greifen den Stadtratspolitiker der Schleswigschen Partei, Kurt Andresen, an. Chefredakteur Gwyn Nissen schreibt dazu einen Kommentar.

Eigentlich ist der Ton im Apenrader Stadtratssaal dem politischen Gegner gegenüber von Respekt und Anerkennung geprägt. So war es zumindest bisher, doch aus heiterem Himmel griffen die Sozialdemokraten auf der vorigen Stadtratssitzung zunächst den Vorsitzenden des Technischen Ausschusses, Arne Leyh Petersen (Dänische Volkspartei), an: „Mach doch eine vernünftige Arbeit im Ausschuss“, lautete die Anklage von Povl Kylling Petersen in Verbindung mit der Priorisierung von Fahrradwegen in der Kommune.

Als dann unter anderem Kurt Andresen von der Schleswigschen Partei und andere Mitglieder des Ausschusses in einem Leserbrief ihren Vorsitzenden und die Arbeit im Ausschuss verteidigten, drehten die Sozialdemokraten den Spieß in Richtung Kurt Andresen. Nun mit der Anschuldigung, er habe sich sozusagen persönlich Fahrradwege für 14 Millionen Kronen in seinem Pastorat gesichert.

„Kurt glaubt, dass wir Arne angreifen, aber das tun wir gar nicht. Wir haben im Ausschuss einen zweiten Vorsitzenden, der in einem Gebiet wohnt, wo wir statt 3 nun 14 Millionen Kronen ausgeben. Das ist Lokalpatriotismus“, sagte der Sozialdemokrat Karsten Meyer Olesen zu „JydskeVestkysten“.

Der Angriff von zwei routinierten Sozialdemokraten ist höchst überraschend. Man mag sich in der Sache uneinig sein, aber der persönliche Angriff ist weit verfehlt und trifft unter der Gürtellinie. Wie stellen sich die Kameraden übrigens vor, dass eine einzige Person in einem Ausschuss die Priorisierung der Projekte bestimmt hat? Dazu gehört eine Mehrheit – und die gab es im Ausschuss.

Kurt Andresen antwortet ruhig und besonnen auf die Kritik – und zwar mit dem korrekten Sachverhalt. Wer aber den Landwirt aus Nolde kennt, weiß auch, dass die Angriffe der Sozialdemokraten ihn zur Weißglut treiben und Betroffenheit auslösen. Warum? Weil sie falsch und ungerecht sind, und weil man Kurt Andresen eines nicht unterstellen kann: dass er lokalpatriotische Stadtratsarbeit leistet. Im Gegenteil: Er hat sich so einige Male anhören müssen, dass er zu wenig an den ländlichen Raum denkt, nur weil er sich auch für Apenrade als Kraftzentrum eingesetzt hat. Das SP-Gespann in Apenrade, Kurt und Erwin Andresen, denken eben die gesamte Kommune in ihre Politik ein.

Was sich die beiden Alt-Sozialdemokraten Olesen und Kylling mit dieser unsachlichen Kritik gedacht haben, bleibt indes ein Rätsel. Sie haben über die Jahre unzählige Absprachen mit der Schleswigschen Partei getroffen, und auch sie kennen Kurt Andresen und wofür er steht. Dass auf ihn Verlass ist. Dieses gegenseitige Vertrauen haben die Sozialdemokraten erst einmal verspielt, denn wer Kurt Andresen angreift, greift auch seinen Stadtratskollegen und die Schleswigsche Partei an.

Warum auch immer – der Angriff bleibt unerklärbar, trotz aller politischer Differenzen. Wir reden nicht von einem sozialdemokratischen Jungspund, der noch nicht weiß, wie man sich den Kollegen gegenüber benimmt, sondern von zwei politischen Routiniers, die ganz genau wissen, dass es darum geht, den Ball zu treffen und nicht den Gegenspieler. Sie haben aber ganz bewusst von hinten in die Beine gegrätscht. Rote Karte.

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Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
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