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Zustandekommen der „Nordschleswigschen Zeitung“

Zustandekommen der „Nordschleswigschen Zeitung“

Zustandekommen der „Nordschleswigschen Zeitung“

Hauke Grella
Hauke Grella Museumsleiter
Nordschleswig
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Die letzte Ausgabe der Sonderburger Zeitung erschien am 31. Januar 1929. Foto: Deutsches Museum Sonderburg

Eine kurze Darstellung der deutsch-nordschleswigschen Zeitungsgeschichte

Am 2. Februar 2021 erscheint die Zeitung „Der Nordschleswiger“ zum letzten Mal als Tageszeitung. Danach wird man die journalistischen Inhalte primär über den digitalen Weg vermitteln. Dieser Schritt wird zum 75-jährigen Bestehen umgesetzt.
Die Gründung des „Nordschleswigers“ war nötig geworden, da vom 17. auf den 18. August 1945 das Produktionsgebäude der „Nordschleswigschen Zeitung“ durch mehrere Bomben zerstört wurde und somit ein Betrieb nicht mehr aufrechterhalten werden konnte. Die „Nordschleswigsche Zeitung“ hatte auch nach dem 5. Mai 1945 weiter produzieren dürfen. Dies aber unter Kontrolle von dänischen Behörden.

So musste man rein physisch aber notwendigerweise auch inhaltlich durch die Prägung des Nationalsozialismus einen grundsätzlichen Neuanfang beginnen. Am 2. Februar 1946 erschien die erste Ausgabe von „Der Nordschleswiger“. Dies bis 1951 als Wochenzeitung, dann als Tageszeitung.
17 Jahre zuvor, fast auf dem Tag genau, erschien am 1. Februar 1929 zum ersten Mal die Tageszeitung die „Nordschleswigsche Zeitung“. Die „Nordschleswigsche Zeitung“ war bei einem Zusammenschluss von vier deutschsprachigen Zeitungen aus Nordschleswig entstanden. Dies waren das „Apenrader Tageblatt“, die „Haderslebener Zeitung“, die „Neue Tondernsche Zeitung“ und die „Sonderburger Zeitung“. Wobei die „Haderslebener Zeitung“ zu diesem Zeitpunkt schon keine eigenständige Zeitung mehr , sondern Teil des „Apenrader Tageblattes“ war.
Der Weg hin zu einer gemeinsamen Zeitung für ganz Nordschleswig stellte sich aber als schwierig heraus. Die „Neue Tondernsche Zeitung“ hatte grundsätzlich mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Daraus hätte sich eigentlich natürlich ableiten müssen, dass eine Zusammenlegung der vier Zeitungen der richtige Weg sein müsste.

Die letzte Ausgabe der Sonderburger Zeitung erschien am 31. Januar 1929. Foto: Deutsches Museum Sonderburg

Schlussendlich sind es wohl auch die finanziellen Zwänge gewesen, die zu einer Zusammenlegung führten. Aber durch das Bestreben Johannes Schmidt Wodders, eine ihm verbundene und vertraute Person auf den neuen Chefredakteursposten zu platzieren, zog sich die Zusammenlegung hin. Schmidt Wodder versuchte, den Chefredakteur der „Neuen Tondernschen Zeitung“, Jacob Bödewadt, für den Posten in Stellung zu bringen. Nachdem der, auch aufgrund der finanziellen Situation, die „Tonderaner Zeitung“ verließ, versuchte Schmidt Wodder Bödewadts Nachfolger, Harboe Kardel, in Position zu bringen. Dies alles auch, um den Chefredakteur des „Apenrader Tagesblattes“, Julius Kähler, als neuen Chefredakteur für die neue Zeitung zu verhindern.

Schlussendlich musste Johannes Schmidt Wodder sich geschlagen geben und Julius Kähler als Chefredakteur akzeptieren. Dies aber mit dem Kompromiss, dass Kähler gleichberechtigte Redakteure zur Seite gestellt werden und ein Presseausschuss als Kontrollgremium installierten werden sollte.

Dieses Beispiel zeigt, dass Schmidt Wodder innerhalb der deutschen Minderheit nicht unangefochten war und sein Einfluss nicht bis in alle Ecken reichte. Ein weiteres Beispiel ist hier das Resultat der Folketingswahl 1935: Dort konnte er sich gerade einmal mit 9 Stimmen gegenüber Wilhelm Deichgräber behaupten und so sein Folketingsmandat behalten.

Warum Julius Kähler zum Ende des Jahres 1933 seine Kündigung erhalten hat, ist nicht ganz offensichtlich. Ihm folgte Harboe Kardel.

Die abgebildete Zeitung ist die letzte Ausgabe der Sonderburger Zeitung vom 31. Januar 1929. Auf der Rückseite wird für die „Nordschleswigsche Zeitung“ geworben.

So sah das Produktionsgebäude der „Nordschleswigschen Zeitung“ nach dem Brandanschlag aus. Foto: Deutsches Museum Sonderburg
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