100 Jahre Deutsche Minderheit

Unterschiedliche Lebenswege zweier Brüder

Unterschiedliche Lebenswege zweier Brüder

Unterschiedliche Lebenswege zweier Brüder

Hauke Grella
Sonderburg/Sønderborg
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Von Rechts: Ernst Schröder, Jens Möller und Ehefrauen Foto: Deutsches Museum

Über die unterschiedlichen Lebenswege des Geschwisterpaars Gustav und Ernst Schröder.

Obwohl man aus dem gleichen Elternhaus stammt, so ist es immer wieder zu beobachten, dass sich die Lebenswege von Geschwistern doch sehr unterschiedlich darstellen. Dies gilt auch für das Geschwisterpaar Gustav und Ernst Schröder aus Hadersleben.

Gustav Schröder, am 27. September 1885 geboren, entschied sich für die Seefahrt. Als Kapitän des Passagierschiffes St. Louis rettete er 1939 viele hunderte Juden vor dem Zugriff der Nationalsozialisten. Für diese Tat ehrte die jüdische Holocaustgedenkstätte Yad Vashem Gustav Schröder als „Gerechter unter den Völkern“. In den letzten Jahren fand dieser Teil seiner Lebensgeschichte große Aufmerksamkeit. Dies u. a. mit einer Sonderausstellung in seiner Heimatstadt Hadersleben, Presse- und Fernsehberichten.

Sein Bruder, Friedrich Wilhelm Ernst Schröder, wurde am 1. Oktober 1889 geboren. Nach Beendigung der Schule in Hadersleben und kurzem Aufenthalt in Hamburg besuchte er von 1910 bis 1912 die Journalisten-Hochschule in Berlin. Ab 1912 fand er eine Anstellung bei der Schleswigschen Grenzpost, die zu diesem Zeitpunkt noch ihren Sitz in Hadersleben hatte. Während der Abstimmungszeit wurde sie nach Flensburg verlegt. In dieser Zeit war Schröder auch als Pressereferent für den Reichs- und Staatskommissar Dr. Adolf Köster tätig. Als die Schleswigsche Grenzpost mit den Flensburger Nachrichten zusammengelegt wurde, musste Schröder sich nach einem neuen Job umsehen.

Foto: Deutsches Museum

Diesen fand er in der Leitung des, Anfang 1922 eingerichteten, „Korrespondenzbüro Nordschleswig“. Sein Büro war zunächst im Lutherhaus und dann im Deutschen Haus in Flensburg. Die Zielsetzung des Büros war es, deutsche Medien mit Informationen über Nordschleswig und grenzpolitische Fragen zu versorgen. Parallel zur Leitung des Büros wurde er auch Leiter der „Grenzmittelstelle Nord“. Diese sollte nationale Ereignisse des Grenzlandes beobachten, die Arbeit der verschiedenen Grenzlandvereinigungen koordinieren und Kontakt mit Berlin und der deutschen Minderheit halten. Mit dieser Aufgabe entwickelte sich auch eine dichte Zusammenarbeit und wohl auch Freundschaft mit Johannes Schmidt Wodder. Zumindest taufte dieser auch den Sohn von Ernst Schröder.

Zusammenlegung der deutsch-nordschleswigschen Zeitungen

1929, nach der Zusammenlegung der deutsch-nordschleswigschen Zeitungen zur Nordschleswigschen Zeitung, wurde er in dessen Aufsichtsrat gewählt. 1932 zu dessen Vorsitzenden. Im selben Jahr wurde er auch zum Vorsitzenden des „Wohlfahrts- und Schulverein für Nordschleswig“ gewählt. Letzter war schon 1919 gegründet worden. In der Satzung ist die Zielsetzung wie folgt beschreiben: „… die geistige, sittliche und berufliche Förderung der Bevölkerung Nordschleswigs unter besonderer Berücksichtigung deutsch-völkischer Interessen, vornehmlich durch Unterhaltung geeigneter Bildungsstätten.“

Diese beiden „Ernennungen“ zeigen, dass Ernst Schröder seine Position und seinen Einfluss weiter ausbauen konnte. Diese behauptete er auch, als sich die deutsche Minderheit zum Nationalsozialismus hinorientierte und es zum Machtkampf zwischen verschiedenen Parteiungen kam. Er muss es geschickt verstanden haben, sich von Schmidt Wodder zu lösen und sich dann für die „Gewinnerseite“ des Machtkampfes zu entscheiden.

Symbolisch dafür könnte das gezeigte Bild stehen. Es zeigt Ernst Schröder und Jens Möller, scheinbar in heiterer Runde, mit ihren Ehefrauen. Es muss vor 1942 aufgenommen worden sein, da die Ehefrau von Schröder in diesem Jahr gestorben ist. Ein genaues Datum oder Jahr sind uns nicht überliefert.

Machtverschiebung

1938 wurde das „Amt für Aufklärung und Propaganda“ der NSDAP-Nordschleswig, unter Rudolf Stehr, eingerichtet und der Aufsichtsrat der Nordschleswigschen Zeitung verkleinert. Dies sorgte für eine Machtverschiebung von Schröder hin zu Rudolf Stehr. Trotzdem konnte Ernst Schröder sich bis zum Ende des Krieges in vielen Positionen behaupten.

Am 9. Mai 1945 wurde Ernst Schröder in Øster Løgum/Osterlügum gefangen genommen und dann am 14.05.1945 nach Faarhus überführt. Aus seinem Gerichtsurteil geht hervor, dass er u. a. wegen verdeckter Finanzierung von deutschen Einrichtungen in Nordschleswig aus Deutschland verurteilt wurde.

Dazu wird im Gerichtsurteil weiter aufgeführt, dass er durch Artikel in der Nordschleswigschen Zeitung die Stimmung gegen dänische Juden aufpeitschte, die Besetzung Dänemarks durch Deutschland verteidigte, die dänische Widerstandsbewegung angriff und die dänische Polizei scharf angriff, weil sie nicht effektiv genug gegen die dänischen Widerstandskämpfer vorging. Ernst Schröder wurde zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt, aber vorzeitig begnadigt. Er starb 1951.

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