100 Jahre Deutsche Minderheit

Teil 4: Nationalmannschafts-Trikot des Deutschen Faustball Verbands der DDR

Hauke Grella
Sonderburg/Sønderborg
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Die Dänische Faustball-Nationalmannschaft in Namibia 1995 Foto: Archivfoto: DN

Das Deutsche Museum Nordschleswig ist im Besitz einiger Programmhefte der Knivsbergfeste von vor dem Ersten Weltkrieg. Aus diesen lässt sich die Begeisterung für den Faustballsport deutlich ablesen.

Faustball

Für viele ist der Sport Faustball sicherlich unbekannt. Ähnlich wie beim Volleyball ist das Spielfeld durch ein Netz getrennt. Jede Mannschaft besteht aus fünf Spielern, die versuchen, den Ball so übers Netz zu spielen, dass die andere Mannschaft ihn nicht erreichen kann. Im Vergleich zum Volleyball, darf der Ball vor dem Spielen mit Arm oder Faust einmal den Boden berühren.

Bei der Vielfalt der eingehenden Gegenstände im Deutschen Museum Nordschleswig erklärten sich einige Exponate erst bei zweiter oder dritter Betrachtung. So auch bei dem vorliegenden Sport-Trikot, das Mitte vergangenen Jahres im Museum abgeliefert wurde. Deutlich zu erkennen ist das Wappen der Deutschen Demokratischen Republik mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Es handelte sich also um ein Trikot aus der ehemaligen DDR und müsste dementsprechend vor 1990 erstellt worden sein. Schwieriger wird es bei dem in Grün-Rot-Weiß gehaltenen Logo. Zu sehen sind eine Hand, die einen Ball schlägt, und die Kürzel DFV und DDR.

Ausgehend von Hand und Ball könnte man die Sportart Volleyball vermuten. Entschlüsselt man aber das Kürzel DFV, so ergibt sich, dass es sich um ein Nationalmannschafts-Trikot des Deutschen Faustball Verbands der Deutschen Demokratischen Republik handeln muss. Bei genauerer Betrachtung bleibt aber fraglich, ob es wirklich ein offizielles Trikot der DDR war. Man kann deutlich erkennen, dass die Embleme und die Zahl „drei“ nicht maschinell aufgenäht wurden und das Trikot nicht professionell erstellt wurde. Aber dazu später mehr.

Weg nach Nordschleswig

Wie aber hat das Trikot seinen Weg nach Nordschleswig zur deutschen Minderheit und damit in das Deutsche Museum Nordschleswig gefunden? Dazu ein Blick in die Geschichte.

Faustball als Sport fand seine Verbreitung schon Ende des 19. Jahrhunderts. Auch in Nordschleswig fand Faustball unter dem deutschgesinnten Teil der Bevölkerung seine Verbreitung. Deutlich abzulesen ist dies am Knivsbergfest, das mit Unterbrechungen seit 1895 jährlich stattfindet. Der höchste Berg Nordschleswigs, gelegen nördlich von Apenrade/Aabenraa, wurde ursprünglich angekauft, um dort deutsche Volksfeste zu feiern und seine deutschen Gesinnung kundzutun. Auch heute noch ist der Knivsberg ein wichtiger Teil der deutschen Minderheit. Auch das Knivsbergfest findet immer noch jährlich statt. Aber nicht mehr unter den Vorzeichen des nationalen Gegensatzes, sondern als ein Sommerfest der deutschen Minderheit mit Sport, Kultur und Vergnügen. Das Deutsche Museum Nordschleswig ist im Besitz einiger Programmhefte der Knivsbergfeste von vor dem Ersten Weltkrieg.

Aus diesen lässt sich die Begeisterung für den Faustballsport deutlich ablesen. Neben dem Schlagball nahmen die Faustballturniere den größten Raum ein. Diese deutliche Präsenz des Faustballs blieb auch nach der Volkabstimmung 1920 und der damit verbundenen Angliederung Nordschleswigs an Dänemark bestehen. Ab diesem Zeitpunkt waren es dann die Sportvereine der deutschen Minderheit, die den Faustballsport in ihren Reihen betrieben und pflegten. Erst in den 1960-1970er Jahren ließ die Begeisterung für den Sport nach. Bei den Knivsbergfesten war nun der Handball die dominierende Sportart. Trotzdem wurde das Faustballspielen nicht aufgegeben und durch einige wenige weiterhin betrieben.

Das Faustballtrikot der DDR Foto: Archivfoto: DN

Faustball nur in der Minderheit

Soweit ersichtlich, gab es in Dänemark nur Vereine der deutschen Minderheit, die Faustball in ihrem Angebot hatten. Daraus ergab sich eine Besonderheit. So nahm ab Ende der 1980er Jahre eine Auswahl deutsch-nordschleswigscher Spieler an Faustball-Welt- und -Europameisterschaften teil. Dies als offizielle dänische Faustball-Nationalmannschaft. Insgesamt nahm man bis 2007 an sechs Faustball-Weltmeisterschaften teil. Bei der Weltmeisterschaft 1990 in Österreich kam es zur ersten und letzten Begegnung zwischen der Nationalmannschaft der Deutschen Demokratischen Republik und der dänischen Nationalmannschaft, bestehend aus Angehörigen der deutschen Minderheit. Das Spiel fand am 18. September 1990 statt.

Also genau 18 Tage bevor sich die Deutsche Demokratische Republik auflöste. Vielleicht lässt sich damit auch erklären, warum das Trikot nicht professionell angefertigt wurde. Auch war es nach Überlieferung von Spielern der dänischen Nationalmannschaft wohl das Ausweichtrikot der Nationalmannschaft der Deutschen Demokratischen Republik. Das Spiel ging für die „dänische“ Auswahl 50:8 verloren. Man erreichte den 11. und letzten Platz. Die Auswahl der DDR erreichte den 5. Platz. Nach der Begegnung zwischen der Auswahl der DDR und Dänemarks kam es vereinzelt zum Trikot-Tausch, und so fand das Trikot seinen Weg nach Nordschleswig und ins Deutsche Museum Nordschleswig.

In den vergangenen Jahren gab es weder Vereinsmannschaften noch eine Nationalmannschaft in Nordschleswig bzw. Dänemark, die Faustball gespielt haben. Aufgrund der langen Tradition und der besonderen Geschichte hat es sich der Deutsche Jugendverband für Nordschleswig zur Aufgabe gemacht, dies neu zu etablieren.

Foto: BDN
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