100 Jahre deutsche Minderheit

Max Valentiner: Ehrenbürger der Stadt Sonderburg

Hauke Grella
Sonderburg/Sønderborg
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Die Ehrenbürgerurkunde von Max Valentiner Foto: Privat

1916 wurde der gebürtige Tonderaner für das Versenken von feindlichen Schiffen ausgezeichnet. Seine spätere Heimatstadt ehrte ihn 1917.

„Kriegsheld – Ehrenbürger – Kriegsverbrecher“

Max Valentiner wurde 1883 in Tondern geboren und zog später mit seiner Familie nach Sonderburg, als sein Vater dort eine Stelle als Propst antrat. Für seine Einsätze als U-Boot Kommandant im Ersten Weltkrieg wurde Max Valentiner 1916 mit dem Orden „Pour le Mérite“ und im folgenden Jahr mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt Sonderburg ausgezeichnet. Wegen der Versenkung von Passagierschiffen, so unter anderem der „SS Persia“, galt er bei den Alliierten als Kriegsverbrecher. Nach dem Waffenstillstand im November 1918 wurde deswegen gegen ihn Anklage erhoben. Daraufhin floh er nach Berlin und legte sich eine neue Identität zu. Nach Unterzeichnung des Versailles Vertrags kam es dann aber nicht mehr zu einer Verurteilung. In der Folge versuchte sich Valentiner als Geschäftsmann und Reeder in Kiel, bis er 1934 für die Reichsmarine reaktiviert wurde. Zuerst in einer Abteilung des Oberkommandos der Marine und später im Amt der U-Boots-Abnahmekommission. Im März 1945 wurde er aus der Kriegsmarine entlassen. Für die deutsche Minderheit und ihre nationalsozialistischen Organisationen war Max Valentiner auch in den Zwischenkriegsjahren ein gefeierter Kriegsheld. 1939 wurde das Sonderburger Kreisheim der Deutschen Jungenschaft Nordschleswig eingeweiht und nach ihm benannt. 1920, nach der Volksabstimmung, wurde im Sonderburger Stadtrat ein Antrag auf Entziehung des Ehrenbürgerrechtes gestellt. Valentiner kam dem Antrag zuvor, indem er freiwillig darauf verzichtete.

Unverhoffterweise tauchte im Jahr 2001 die Ehrenbürgerurkunde von Christian August Max Ahlmann Valentiner auf, und damit auch eine fast vergessene Geschichte. Max Valentiner wurde am 15. Dezember 1883 in Tondern geboren. Durch die Anstellung seines Vaters als Pastor in Ketting auf Alsen 1891 und 1894 als Pastor in Sonderburg zog es die Familie nach Sonderburg. Nach dem Abitur in Sonderburg meldet sich Valentiner 1902 zur Kaiserlichen Marine. Darauf folgten der Dienst auf verschiedenen Schiffen und einige Beförderungen. 1911 beginnt er seinen Dienst als Bergungsoffizier auf dem U-Boots-Bergungsschiff SMS Vulkan.

Kurz nach Dienstantritt kommt es zu einem ersten Einsatz für Valentiner. Das U-Boot SM U-3 ist in der Kieler Bucht mit über 30 Mann Besatzung gesunken. Da das Boot in flachen Gewässern gesunken war, konnte es so weit gehoben werden, dass die Besatzung über eines der Torpedorohre aussteigen konnte. Salzwasser und Batterien sorgten für giftige Dämpfe. Die Besatzung war dadurch so geschwächt, dass u. a. Valentiner durch das Torpedorohr einsteigen und der Crew beim Verlassen des Bootes helfen musste. Auf diesem Wege konnten 30 Mann gerettet werden. Für drei Besatzungsmitglieder, die sich im Turm des U-Bootes befanden, kam die Hilfe zu spät. Für diese Rettungsaktion bekam Valentiner den Kronen-Orden am Bande der Rettungsmedaille verliehen.

Aktiv im Kriegsgeschehen

Anfang des Ersten Weltkriegs übernahm Valentiner das Kommando auf einem älteren U-Boot. Erst mit dem Wechsel auf SM U-38 sollte er aktiv in das Kriegsgeschehen eingreifen können. Von Ende 1914 bis Ende 1917 war SM U-38 im Mittelmeer stationiert. Der uneingeschränkte U-Bootkrieg, ausgerufen vom Deutschen Kaiserreich, kam, mit der zunehmenden aussichtslosen Lage des Deutschen Kaiserreichs, am 1. Februar 1917. Aber schon 1915 kommt es zu einem Zwischenfall, der Valentiner bei den Alliierten zum Kriegsverbrecher werden lässt. Am 30. Dezember 1915 torpedierte SM U-38, südöstlich vor Kreta, das englische Passagierschiff SS Persia. Dabei kamen an die 350 Passagiere ums Leben.

Obwohl das Einsatzgebiet von SM U-38 im Mittelmeer lag, war es ein Einsatz im Atlantischen Ozean, der ihm den Pour le Mérite einbringen sollte. Ende 1916 drang SM U-38 in den Hafen von Funchal auf Madeira ein, und versenkte drei feindliche Schiffe. Der Pour le Mérite (Für das Verdienst) war der höchste Orden, der durch die preußische Monarchie verliehen wurde. Valentiner wurde am 26. Dezember 1916 damit ausgezeichnet. Nicht verwunderlich, dass auch seine Heimatstadt Sonderburg ihn auszeichnete. So wurde ihm am 5. Januar 1917 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Sonderburg verliehen.

Aufgrund der Versenkung von Passagierschiffen wurde Valentiner, direkt nach dem Waffenstillstand vom 11. 11. 1918, von alliierter Seite als Kriegsverbrecher gesucht und die deutsche Seite forderte eine Auslieferung. Dazu kam es aber nicht, da er für einige Zeit, wohl in Berlin und unter falschem Namen, untertauchte. Mit der Unterzeichnung des Versailler Vertrages wurde der Antrag auf Auslieferung fallen gelassen. Mit der vereinbarten Abrüstung nahm auch Valentiner seinen Abschied von der Marine.

Debatte im Stadtrat

1920 wurde Valentiners Heimatstadt Sonderburg Teil von Dänemark. Und auch die Mehrheit im Sonderburger Stadtrat wechselte von einer deutschen hin zu einer dänischen. Kurz nach dem 15. Juni, dem offiziellen Anschluss Nordschleswigs an Dänemark, wurde im Stadtrat darüber debattiert, wie es sein könne, dass ein Kriegsverbrecher Ehrenbürger der Stadt Sonderburg sei. Valentiner bekommt dies mit und tritt freiwillig von der Ehrenbürgerschaft zurück. Hier aus dem Schreiben von Valentiner an den Stadtrat vom 31. 8. 1920: „Sie dürfen überzeugt sein, dass ich auf diese für mich und meinen Vater größte Ehrung besonders stolz war und mich über keine andere Auszeichnung so gefreut habe. Aber ich betrachte es als selbstverständlich, vom Ehrenbürgerrecht zurückzutreten, wenn auch nur ein Sonderburger mir diese Ehrung nicht zugesteht.“

In den 1930er Jahren wurde er nochmals für die Kriegsmarine reaktiviert. Kurz vom Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er erneut verabschiedet. Dies wohl aus gesundheitlichen Gründen, was auf die Rettungsaktion von 1911 und das Einatmen von giftigen Gasen zurückzuführen war. Max Valentiner starb am 19. Juni 1949 in Sonderburg und liegt dort auf dem Friedhof begraben. Die zum Teil nach Südamerika ausgewanderte Familie überließ das Haus einem Verwalter. Dieser entdeckte 2001, als das Haus endgültig geräumt werden sollte, die Ehrenbürgerurkunde. Über das Rathaus kam sie ins Sonderbuger Schloss. Seit 2014 ist sie als Dauerleihgabe im Deutschen Museum Nordschleswig.

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