100 JAHRE DEUTSCHE MINDERHEIT

Marken des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes

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Nordschleswig
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Schulsammlung Übersicht Foto: Privat

Bausteinbögen wurden von den Schülern Schleswig-Holsteins verkauft, um Schulen in Nordschleswig zu finanzieren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Aufbau des deutsch-nordschleswigschen Schulwesens nur schleppend. Nach der Schließung der deutschen Schulen im Jahr 1945, konnte erst im Herbst 1946 an vier Orten der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden. Dies in den Orten Hadersleben, Sonderburg, Tondern und Seth. 1947 kam Apenrade dazu. Erst 1950 sollte eine markante Steigerung der Anzahl von Schulstandorten folgen. Bis 1959 konnte man in 32 Orten den Schulbetrieb aufnehmen. Mit dem rasanten Wachstum in den 1950er Jahren, ergab sich aber auch das Problem der fehlenden passenden Schulgebäude. Vielerorts wurde anfangs in privaten Häusern und Einrichtungen unterrichtet. Um diesen Missstand zu beheben, bedurfte es erheblicher finanzielle Mittel, die der Minderheit so nicht zur Verfügung standen.

Die Problematik der fehlenden Schulgebäude war auch dem Schleswig-Holsteinischen Heimatbund (SHHB) bewusst. Dieser war 1947 gegründet worden und eine seiner Zielsetzungen war es, die deutsche Minderheit in Nordschleswig zu unterstützen. Dies wurde u. a. durch Vermittlung von Patenschaften zwischen nordschleswigschen Schulen und Städten, Kreisen, Gemeinden und Körperschaften südlich der Grenze erreicht. Weitere Unterstützung und Austausch fand durch das Entsenden von Kindern gen Süden statt.

Auch wenn mit den Patenschaften über die Jahrzehnte viel erreicht wurde, so reichte diese Zusammenarbeit nicht aus, um das Problem der fehlenden passenden Schulgebäude zu lösen. 1950 kam im Vorstand des SHHB die Idee auf, eine Sammlung für die nordschleswigschen Schulen in Schleswig-Holstein durchzuführen. Der Endgültige Beschluss wurde im Juli 1951 gefasst und der Geschäftsführer des SHHB wurde mit der Durchführung beauftragt.

Die erste Sammlung wurde dann vom 23. bis 29. März 1952 durchgeführt. Dafür bedurfte es der Genehmigung und der Unterstützung von Seiten des Landes Schleswig-Holsteins. An sämtlichen Schulen Schleswig-Holsteins wurden Bausteinbögen, bestehend aus verschiedenen Marken (keine Briefmarken), verteilt und dann von Schülern verkauft. Auf den Bögen waren zehn Marken mit verschiedenen Motiven aus Nordschleswig abgebildet. Begleitend zu den Marken, gab es ein Faltblatt mit Information zur Situation der deutschen Schulen in Nordschleswig. Zur Motivation wurden Preise für die beste Klassenleistung ausgeschrieben.

Aufruf und Marken vom Schleswig-Holsteinischen Heimatbund zur Spendensammlung 1952 Foto: Privat

Mit dieser ersten Sammelaktion, weitere sollten folgen, konnte der Bau der Deutschen Schule Rapstedt finanziert werden. In der Literatur sind etwas abweichende Zahlen des Nettoerlöses der Sammlung angegeben. Umgerechnet auf die heutige Kaufkraft, hat die Sammlung von 1952 aber ungefähr 3,2 Millionen Kronen ergeben. Die erstellte Grafik zeigt, wieviel Geld in den jeweiligen Jahren eingesammelt wurde und für welchen primären Zweck die Gelder verwendet wurden.

Im Deutschen Museum Nordschleswig liegen Exemplare der Bausteinbögen, des Faltblattes und acht der zehn originalen Vorlagen für die Motive der Bausteinbögen vor. Das Faltblatt ist eindeutig ein Spiegel der damaligen Zeit. Der Vergleich von Schulstandorten der dänischen und der deutschen Minderheit sprach deutlich im Geiste des Gegensatzes der beiden Bevölkerungsgruppen und sollte auf diese Art die Schleswiger und Holsteiner motivieren.

Die Vorlagen für die Motive auf den Bausteinbögen stammten von A.G. Nissen. Die gezeigten Motive sind der Tonderaner Markplatz, die Volkshochschule Tingleff, der Apenrader Wächterplatz, der Haderslebener Dom, die Westküste, die Brücke von Immerwatt, die Kirche von Broacker, ein Hünengrab auf Alsen, die Ostküste und das Sonderburger Schloss. Die beiden Originale der letztgenannten Motive, befinden sich leider nicht im Deutschen Museum Nordschleswig. Auch ist nicht bekannt, wo sich diese befinden. Falls irgendwer Informationen darüber hat, möge er sich bitte an das Deutsche Museum Nordschleswig wenden.

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