100 Jahre Deutsche Minderheit

Erinnerungen aus dem Sonderburger Schloss

Erinnerungen aus dem Sonderburger Schloss

Erinnerungen aus dem Sonderburger Schloss

Hauke Grella
Nordschleswig
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Geburtstagskarte aus dem Sonderburger Schloss Foto: Deutsches Museum Nordschleswig

Eine fast vergessene Geschichte?

Wenn über die Internierung nach dem Zweiten Weltkrieg geschrieben oder berichtet wird, steht oftmals das Faarhus-Lager im Mittelpunkt. Dabei wird oft vergessen, dass auch im Sonderburger Schloss eine Internierung stattfand.

Das Sonderburger Schloss wurde primär für die Internierung von Personen von der Insel Alsen und der Halbinsel Sundewitt/Sundeved genutzt. Während der ersten Nachkriegstage wurden die gefangen genommenen Personen zuerst im „Arresthus“ am Kongevej und in der Ulkebüller Schule untergebracht. Am 10. Mai 1945 übernahm die Widerstandsbewegung das Sonderburger Schloss. Wie auch in Faarhus, so übernahm das Gefängniswesen später das Sonderburger Schloss. Dies geschah am 23.07 Juli 1945.

Untergebracht waren die Gefangenen in Zellen des Ostblocks des Schlosses. Dort im ersten und zweiten Stock. Die Einrichtung der Zellen ist nach Überlieferung nicht unbedingt optimal gewesen. So fehlten wohl in einigen Zellen richtige Betten, sodass die Gefangenen auf Strohsäcken schlafen mussten.

Ende Juni 1945 befanden sich ca. 530 Gefangene im Sonderburger Schloss. Darunter wohl hauptsächlich Zeit- und Kriegsfreiwillige. Diese durften, ähnlich wie im Faarhus-Lager, einmal im Monat einen Brief verschicken. Dieser musste auf Dänisch und durfte nicht länger als 20 Zeilen sein. Auch wurde die Verwendung der Sütterlin-Schriftart beim Schreiben der Briefe verboten. Schon 1941 hatten die Nationalsozialisten die Schriftart verboten, aber viele hatten die neue Schreibweise noch nicht gelernt. So auch die Insassen im Sonderburger Schloss. Mit dem Verbot des Sütterlins wollte man im Schloss die Arbeit der Zensur erleichtern.

Nachdem die meisten Häftlinge dem Richter vorgeführt und erste Urteile gesprochen worden waren, stellte sich die Lage im Sonderburger Schloss kompliziertet dar. Je nachdem in welcher Phase ein Gefangener in seinem Inhaftierungsverlauf steckte, hatte er unterschiedliche rechtliche Ansprüche. Dies war im Sonderburger Schloss scheinbar nicht zu gewährleisten. Deswegen entschied man sich, die Internierung im Schloss zu beenden. Noch ungefähr 240 Gefangene wurden im September und Oktober 1946 hauptsächlich ins Faarhus-Lager überführt.

Auch für den Braumeister Peter Petersen sollte die Zeit im Schloss im September 1946 zu Ende gehen. Seine Erinnerungen an die Zeit seiner Inhaftierung sind 2011 in den Schriften der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig wiedergegeben worden. Auch im Deutschen Museum Nordschleswig liegen diese vor. Diese sind gebunden und werden als „Dekoration“ von einer Kette mit zwei Kugeln zusammengehalten. Auf dem Einband ist die Gefangenennummer von Peter Christan Petersen geschrieben.

Petersen war während der Besatzung Zeitfreiwilliger und beschreibt in seinen Erinnerungen auch die Teilnahme an Diensten während des Ausnahmezustandes 1943 in Dänemark. Allgemein beschreibt er das Gefangenenleben als verhältnismäßig ruhig. Ausnahme hier, wieder parallel zum Faarhus-Lager, die Zeit, in der das Schloss noch unter Verwaltung der Widerstandsbewegung stand. Darüber hinaus beschreibt Petersen auch, wie sein Geburtstag im Schloss begangen wurde. Das Gefangenenorchester veranstaltete ein Konzert für ihn.

Auch die Geburtstage anderer Gefangener wurden im Schloss begangen. Dafür wurden extra kunstvolle Glückwunschkarten erstellt. Auf der abgebildeten Karte haben viele der Mithäftlinge unterschrieben. Vermerkt ist auch, wann das Geburtstagskind verhaftet wurde. Ein Datum, wann das Geburtstagskind freigelassen wurde, ist nicht mehr eingetragen worden. Peter Christian Petersen musste 1946 nicht mehr mit ins Faarhus-Lager umziehen. Er wurde am 26. September 1946 auf Probe entlassen.

Erinnerungen von Peter Petersen ans Sonderburger Schloss Foto: Deutsches Museum Nordschleswig
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