100 Jahre Deutsche Minderheit

Die Doppeleiche

Die Doppeleiche

Die Doppeleiche

Hauke Grella
Sonderburg/Sønderborg
Zuletzt aktualisiert um:
Stoffdruck Schleswig-Holstein-Lied Foto: Hauke Grella, Deutsches Museum Sonderburg

Symbol der Schleswig-Holsteinischen Erhebung

Folge 46

2020 wird die deutsche
Minderheit in Nordschleswig 100 Jahre.
In dem Zusammenhang präsentiert der Bund
Deutscher Nordschleswiger in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Museum in Sonderburg die Serie

„100 Jahre – 100 Gegenstände – 100 Geschichten“.
„Der Nordschleswiger“ veröffentlicht 2019-2020 jeden Sonnabend eine der 100 Geschichten von
Museumsleiter Hauke Grella.

Staaten, Regionen oder auch Bewegungen nutzen Symbole mit denen sich betreffende Bevölkerungsgruppen identifizieren, und damit ihre Zusammengehörigkeit zum Ausdruck bringen können. Bekannterweise wird in Dänemark und Deutschland sehr unterschiedlich mit den jeweiligen nationalen Symbolen umgegangen.

In Dänemark ist es fast unmöglich, dem Dannebrog an einem normalen Tag nicht zu begegnen. Dies liegt sicherlich auch daran, dass die dänische Flagge, über die Bedeutung als nationales Symbol hinaus, auch ein Symbol des Feierns und der Festlichkeit ist. In Deutschland hat man, geschichtlich bedingt, ein anderes Verhältnis zum Umgang mit Nationalsymbolen. Auch wenn in den vergangenen Jahren eine Veränderung festzustellen ist.

Natur wird national

Neben den Flaggen als nationales Symbol hat man sich in beiden Ländern auch in der Natur bedient. So haben Dänemark wie Deutschland auch einen „Nationalbaum“. Für Dänemark ist es die Buche. Interessanterweise löste diese die Eiche ab. Dieser Wandel sollte den Übergang von einer absolutistischen hin zu einer mehr demokratischen Staatsform symbolisieren.

Dass die Eiche auch in der dänischen Nationalsymbolik eine Rolle spielte, zeigt, dass Deutschland kein alleiniges Patent auf sie als „Nationalbaum“ hatte. Neben Dänemark gab und gibt es auch weitere Länder, die sie für sich reklamierten oder reklamieren.

Die Doppeleiche

Der deutsch gesinnte Teil, der schleswig-holsteinischen Bevölkerung nahm die Symbolik der Eiche auch ab. Dies in Form einer Doppeleiche und als Symbol der Zusammengehörigkeit der beiden Herzogtümer Schleswig und Holstein und dessen Unabhängigkeitsbestreben.
Aus unpolitischer Perspektive taucht das Symbol erstmals 1790 auf. Dies zur Hochzeit vom späteren dänischen König Friedrich VI. mit Marie von Hessen-Kassel. Die Hochzeit fand in Louisenlund statt.

Als politisches Symbol, der Unteilbarkeit der beiden Herzogtümer, wird die Doppeleiche 1844 eingeführt. Dies zum schleswig-holsteinischen Sängerfest 1844 in Schleswig. Bei dem Sängerfest kam es zur Uraufführung des Schleswig-Holstein-Liedes. In der siebten Strophe des Liedes wurde auch die Doppeleiche erwähnt. Zudem waren die Titelblätter der vier Partituren des Liedes auch mit der Doppeleiche illustriert.

Deutlich wird die Verbindung zwischen dem Schleswig-Holstein-Lied und der Doppeleiche Museum vorliegenden Stoffdruck. Dieses wurde vermutlich um die Feierlichkeiten des 50. Jahrestages der Schleswig-Holsteinischen Erhebung produziert. Abgebildet sind die Strophen des Liedes und in der Mitte die Doppeleiche.

Nach dem Sängerfest 1844 fand die „Doppeleiche“ immer weitere Verbreitung. Dies mit Ausnahme in der Zeit nach der Schleswig-Holsteinischen Erhebung bis hin zum Krieg von 1864. Mit den erwähnten Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Schleswig-Holsteinischen Erhebung, am 24. März 1898, fand die Verwendung der Symbolik ihren Höhepunkt.

Gusseiserner Teller mit der Symbolik der Doppeleiche Foto: Hauke Grella, Deutsches Museum Sonderburg

Die Doppeleiche wird vermarktet

Dies zeigte sich u. a. auch in der Anzeige eines Gärtners aus Westerland. Dieser bot zu den Feierlichkeiten Doppeleichen zum Verkauf an. Durch die Anzeige, bzw. dem Verkauf von Doppeleichen wurde den Gärtner viel Aufmerksamkeit zuteil. Mit seiner Aktion schaffte er es auf die Titelseite der damaligen „Sylter Zeitung“.

Öffentlichkeitswirksam verschenkt er zwei seiner Doppeleichen an die Kaiserin Auguste Viktoria, die älteste Tochter des Herzogs Friedrich VIII. zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg. Die Eichen wurden im Plöner Schlossgarten und im Park von Sanssouci eingepflanzt.

Auch andere sahen in dem Symbol der Doppeleiche und den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Schleswig-Holsteinischen Erhebung die Möglichkeit, ein Geschäft zu machen. Die Victoria Brauerei aus Tondern gab aus diesem Anlass ein Jubiläums-Bier mit dem Namen „Doppeleiche“ heraus. Beworben wurde das Bier mit dem Spruch: „Doppelt-gut schmeckt meiner Treu/Unser Jubiläums-Bräu“.

In Schleswig-Holstein steht heute immer noch eine Vielzahl von Doppeleichen. In Nordschleswig wurde dieses Symbol nach der Volksabstimmung 1920 größtenteils entfernt. So z. B. in Gravenstein/Gråsten. Dort wurde 1945 ein neues Schulgebäude eingeweiht. Das alte Gebäude wurde an eine Privatperson verkauft. Vor diesem alten Schulgebäude hatte man 1898 eine Doppeleiche gepflanzt. Der neue Besitzer entschied sich, einen der beiden Stämme zu fällen.

Weitere Informationen gesucht

Der gezeigte gusseiserne Teller wurde wohl Anfang des 20. Jahrhunderts hergestellt. Dies in der „Eisengiesserei P. Jepsen“ in Jordkirch/Hjortkær. Von der Gießerei haben wir unter anderem auch einen Teller mit dem Motiv des Bismarckturms auf dem Knivsberg. Deswegen würden uns weitere Informationen über die Eisengießerei interessieren.

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