100 Jahre – 100 Gegenstände – 100 Geschichten

„Dokumentarfilm“ über die deutsche Minderheit in Nordschleswig aus dem Jahre 1943

„Dokumentarfilm“ über die deutsche Minderheit in Nordschleswig

„Dokumentarfilm“ über die deutsche Minderheit

Hauke Grella
Hauke Grella Museumsleiter
Nordschleswig
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Die vier Ausschnitte aus dem Film zeigen von oben nach unten die Einweihung des Schießstandes in Tandslet, Kriegsfreiwillige, die 1942 in den Krieg ziehen, Kinder aus der Kinderlandverschickung und die Einweihung der deutschen Schule in Gravenstein. Foto: Deutsches Museum Sonderburg

Authentisches Bild einer anderen Zeit? Der Streifen zeigt eine heile, sortierte und konfliktfreie Welt – die es auch zu der Zeit der Aufnahmen nicht gab

Die Darstellung in kulturhistorischen Museen ist immer ein Versuch, eine bestimmte frühere Lebenswirklichkeit von Gruppen und oder Einzelpersonen wiederzugeben. Es ist unrealistisch, diese Wirklichkeit hundertprozentig wiederzugeben. Aber es sollte versucht werden, so dicht wie möglich an die historische Wahrheit zu kommen. Die gesammelten Gegenstände können uns als eine Art „Beweise“ für die dargestellte Erzählung dienen. Trotzdem sind diese immer mit Vorsicht zu behandeln, da schon die Erstellung eines Gegenstandes mit der Absicht geschehen sein könnte, ein geschöntes Bild der Realität wiederzugeben. Auch sind viele Gegenstände in ihrer Aussage nicht so eindeutig. Erst die Erzählung von Zeitzeugen, andere Quellen und Überlieferungen geben dem Gegenstand seine Aussage. Dies alles kann dann natürlich auch zu einer fehlerhaften Bewertung führen.

Gleiches gilt für Fotografien und Filme, die uns immer eine hohe Authentizität darstellen. Dieses gilt auch für den Film „Deutsche Arbeit in Nordschleswig“ von 1943. Weshalb man diesen auch heute noch mit Vorsicht „genießen“ sollte, da er uns eine heile, sortierte und konfliktfreie Welt zeigt. Etwas, was auch zur Zeit der Aufnahmen nicht der Realität entsprach.

Gezeigt werden Szenen von der deutschen Minderheit vom Sommer 1941 bis Herbst/Winter 1942. Aufgenommen und geschnitten ht den Film primär Rudolf Gimm. Beworben wurde der Film unter anderem in der „Jungen Front“, eine Art monatliche Zeitschrift für die deutsche Minderheit.

Unter anderem zeigt der Film verschiedene Organisationen, Begebenheiten und Orte, die in Verbindung mit der deutschen Minderheit standen oder stehen.

Bei den Organisationen wurde die „Dachorganisation“, die NSDAP-Nordschleswig, zuallererst und vertreten durch die Person Jens Möller als Parteiführer gezeigt. Dazu kamen die Organisationen NS-Frauenschaft, die Schleswigsche Kameradschaft, die Deutsche Jungenschaft Nordschleswig, die Deutsche Mädchenschaft Nordschleswig, die Deutsche Selbsthilfe Nordschleswig, der Wohlfahrtsdienst Nordschleswig, der Landwirtschaftliche Hauptverein und auch ein paar kleinere Laienspielgruppen.

Im Zusammenhang mit der NSDAP-Nordschleswig sind vor allem Besuche aus Deutschland zu nennen. Unter anderem der Besuch des Leiters der Volksdeutschen Mittelstelle, Werner Lorenz. Die Volksdeutsche Mittelstelle war eine Behörde, die sich mit den Belangen der im Ausland lebenden Deutschen beschäftigte.

Eine der markantesten Begebenheiten, die im Film gezeigt werden, ist die Einweihung der deutschen Schule in Gravenstein am 29. November 1942. Es begann mit einem großen Aufmarsch der Schleswigschen Kameradschaft und der Deutschen Jungenschaft Nordschleswigs durch Gravenstein. Danach folgte die Flaggenhissung auf dem Platz vor der Schule. Die eigentliche Einweihungsfeier fand dann in der Turnhalle/Aula der Schule statt. Nach der Veranstaltung wurde im „Hotel Gråsten“ zum Eintopfessen geladen. Unter den Gästen der Veranstaltung waren unter anderem schon der genannte Werner Lorenz als Leiter der Volksdeutschen Mittelstelle, der Oberbürgermeister Flensburgs und Gauverbandsleiter des Verbands für das Deutschtum im Ausland, Dr. Kracht, und zu guter Letzt Werner Best, Reichsbevollmächtigter und damit höchster Repräsentant des nationalsozialistischen Deutschlands in Dänemark.

Die Art und Weise, wie Schleswigsche Kameradschaft und Deutsche Jungenschaft Nordschleswig Fahnen schwenkend durch Gravenstein zogen, und die Gästeliste zeigen, dass es sich um eine für die deutsche Minderheit bedeutende Veranstaltung gehandelt haben muss. Andere Schuleinweihungen sind ruhiger verlaufen. Einer der Gründe, warum man gerade in Gravenstein eine solche Machtpräsentation vollzog, liegt vielleicht einfach daran, dass Jens Möller als „Volksgruppenführer“ in Gravenstein wohnte.

Weitere gezeigte Begebenheiten sind unter anderem das Werben und die Musterung von Kriegsfreiwilligen, die Kinderlandverschickung von Deutschland nach Nordschleswig, die Schulsport-Endkämpfe 1941 in Apenrade, die Einweihung eines Schießstandes der Schleswigschen Kameradschaft in Tandslet oder das Bearbeiten des „Eintopfs-Ackers“ bei Hadersleben.

Teile des Filmes werden für die Neugestaltung des Deutschen Museums Nordschleswig, in Verbindung mit Interviews und aktuellen Aufnahmen, genutzt und werden somit in der kommenden Ausstellung zu sehen sein. Dankenswerterweise ist der Film von Det Danske Filminstitut mit modernster Technik erneut digitalisiert und nachbearbeitet worden.

Die vier Ausschnitte aus dem Film zeigen von oben nach unten die Einweihung des Schießstandes in Tandslet, Kriegsfreiwillige, die 1942 in den Krieg ziehen, Kinder aus der Kinderlandverschickung und die Einweihung der deutschen Schule in Gravenstein. Foto: Deutsches Museum Sonderburg
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