100 Jahre Deutsche Minderheit

Büste von Wilhelm Koopmann

Büste von Wilhelm Koopmann

Büste von Wilhelm Koopmann

Hauke Grella
Sonderburg/Sønderborg
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Die Büste, die Koopmann zeigt. Foto: Deutsches Museum

Ein Exponat zeigt eine prägende Persönlichkeit aus den Anfängen der Minderheit. Sein Hauptanliegen: die Entwicklung der deutschen Privatschulen voranzutreiben.

Im Normalfall bekommen wir bei der Lieferung eines Exponates auch gleich die wichtigsten Daten mit überliefert. Oder, wie bei Kunstgegenständen normalerweise üblich, ist der Name des Künstlers sichtbar auf dem Gegenstand oder dem Gemälde zu lesen. Dies trifft leider nicht auf die gezeigte Büste zu. Als sie 2006 im Apenrader Schulmuseum abgegeben wurde, konnte nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden, welcher Künstler hinter dem Objekt steckt. Die Vermutung lautete aber schon damals, dass es sich um ein Werk von Friedrich Korsemann handelt.

Da der Künstler dafür bekannt war, Büsten von Persönlichkeiten herzustellen, lag diese Vermutung nahe. Ausgehend von den damaligen Überlegungen, wurde dann die Sammlung des Deutschen Museums Nordschleswig nach möglichen weiteren Gegenständen des Künstlers durchleuchtet. Dabei kam eine Büste von Friedrich Korsemann zutage, die Johannes Tonnesen, 1882 in Apenrade geboren und späterer Pastor, zeigt. Stellt man beide Gipsbüsten nebeneinander, so ist die Ähnlichkeit nicht zu übersehen. Einzig zwei Unterschiede fallen bei der Betrachtung ins Auge.

Die Büste, die Koopmann zeigt. Foto: Deutsches Museum

Die Büste mit dem Abbild von Johannes Tonnesen ist innen hohl und hat eine glattere Oberfläche. Gemeinsam haben beide, dass von links nach rechts eine Naht über die Köpfe läuft. Diese muss von Gussformen stammen. Es ist zu vermuten, dass beide Büsten zuerst grob gegossen und dann später die Konturen der abgebildeten Personen herausgearbeitet wurden.

Vom Vergleich und der Tatsache, dass Friedrich Korsemann für die Herstellung solcher Werke bekannt war, können wir davon ausgehen, dass diese Büste auch von ihm erstellt wurde. Die Familie des Abgebildeten hat uns die Büste überlassen. Deswegen war es klar, dass es sich um Wilhelm Koopmann handelt. Dieser wurde 1870 in Tondern geboren und besuchte dort auch das Lehrerseminar in den Jahren 1889 bis 1892. Nach verschiedenen Anstellungen in Schleswig-Holstein wurde er 1910 Rektor in Sonderburg. Dies bis 1920. Mit der Gründung des Deutschen Schulvereins für Nordschleswig, am 4. Mai 1920, wurde er dessen 2. Vorsitzender und Geschäftsführer. 1923 machte Johannes Schmidt Wodder den Platz als erster Vorsitzender frei. Koopmann übernahm diese Position.

Das Porträt von Wilhelm Koopmann hing in den deutschen Privatschulen Nordschleswigs. Foto: Deutsches Museum

Wilhelm Koopmanns primäres Anliegen war es, die Entwicklung der deutschen Privatschulen in Nordschleswig voranzutreiben. Diese bevorzugten er und andere, im Vergleich zu den deutschen Abteilungen an den dänischen öffentlichen Kommunalschulen. Die Begründung lag hauptsächlich darin, dass bei den deutschen Abteilungen kein Einfluss auf Unterrichtsmaterialien und Lehrerwahl genommen werden konnte. Darüber hinaus wurde die Aufsicht von dänischen Schulkonsulenten geführt. Trotzdem war man auf die deutschen Abteilungen angewiesen, da man es sich finanziell nicht erlauben konnte, überall Privatschulen einzurichten. Mit der steigenden finanziellen Unterstützung aus Deutschland sollte aber die Anzahl von Privatschulen steigen. Dies von anfänglich 7 auf fast 60 Schulen am Ende des Zweiten Weltkriegs.

Kritik

Koopmanns Kritik an den deutschen Abteilungen wird schon in den ersten Jahren nach 1920 deutlich. Dabei ging es ihm und der deutschen Minderheit nicht nur um die deutsche Sprache, sondern auch um die kulturelle Vermittlung und die deutsche Gesinnung. Anstoß seiner Kritik ist ein, vom dänischen Unterrichtministerium 1920 herausgegebenes Lesebuch für die deutschen Abteilungen (siehe Abbildung). Dieses Lesebuch, in deutscher Sprache verfasst, führt laut Koopmann dazu, die Kinder in das dänische Geistesleben einzuführen. Etwas, wogegen er mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vorgehen wollte. In dem Vorwort des Buches wird explizit auf die Neutralität des Buches eingegangen. Diesem konnte Koopmann scheinbar nicht folgen.

Neben der Kritik wurden aber auch Forderungen zur Verbesserung der deutschen Abteilungen bzw. dessen Rahmenbedingungen gestellt. Diese, primär von Koopmann erstellten Forderungen wurden zum Teil Anfang 1939 erfüllt. So wurde ein deutscher Schulkonsulent für die deutschen Abteilungen eingestellt und neu geschaffene Elternräte bekamen ein Mitspracherecht bei der Einstellung von Lehrkräften. Dies konnte Wilhelm Koopmann noch miterleben, bevor er im April 1939 plötzlich verstarb.

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