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125 Jahre Ringreitercorps Tondern

125 Jahre Ringreitercorps Tondern

125 Jahre Ringreitercorps Tondern

Hauke Grella
Nordschleswig
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Das Plakat zum Ringreiterfest in Tondern 1937 Foto: Deutsches Museum Nordschleswig

Ein kleiner Einblick in dessen Geschichte

Die Wurzeln des Ringreitens reichen bis ins Mittelalter und stammen von höfischen Traditionen ab. In Dänemark und Schleswig-Holstein war das Ringstechen im 16. und 17. Jahrhundert wohl überall verbreitet. Während sich diese Tradition in Dänemark nicht halten konnte, setzte man in den Herzogtümern damit fort.

In Tondern, so die Überlieferung, sollte neben dem heute noch bestehenden Schützencorps 1693 auch ein „reitendes Corps“ gegründet worden sein. Dies lässt sich nach dem nordschleswigschen Historiker und Tonderaner Ludwig Andresen aber nicht dokumentieren. Dokumentiert ist, dass König Friedrich V. 1748 nach Tondern kam und wohl am Ringreiten teilnahm. Dabei soll er dem Reitercorps die Erlaubnis erteilt haben, sich „Friedrichsgarde“ zu nennen. Diese hatte wohl aber nicht lange Bestand.

1801 fand eine Seeschlacht zwischen Dänemark und Großbritannien vor Kopenhagen statt. Dabei wurde ein großer Teil der dänischen Flotte zerstört. Dies führte dazu, dass vielerorts zur Bildung von Bürgerwehren aufgerufen wurde. In Tondern hauchte man damit dem Schützencorps erneut Leben ein, und man erinnerte sich an das reitende Corps der „Friedrichsgarde“. Diese wurde 1804 unter dem Tonderaner Amtmann Bertouch wiederbelebt. Dieser hatte gute Verbindungen zum König Friedrich VI. und konnte erreichen, dass der Name „Friedrichs-Corps“ wieder offiziell getragen werden durfte.

Nach der Überlieferung soll Friedrich VI. dem Ringreitercorps 1812 ein kleines Ehrenschild geschenkt haben. Dieses, aus Silber und Gold bestehende Schild zeigt die Initialen des Königs und einen Galgen mit Ring. Getragen werden sollte und wurde es vom jeweiligen König. Zu sehen ist es auch auf den Plakaten von 1937.

Das Plakat zum Ringreiterfest in Tondern 1937 – Hier auf dänisch Foto: Deutsches Museum Nordschleswig

In diesem Jahr feierte das Ringreiter-Korps Tondern sein 125-jähriges Bestehen. Dazu verfasste Ludwig Andresen eine Festschrift. Erstaunlich ist, dass Ludwig Andresen in den Beschreibungen nicht ein einziges Mal auf das Gründungsdatum 1812 eingeht. Einzige Erwähnung aus diesem Jahr ist die Schenkung des eben genannten Ehrenschildes.

Den Namen „Ringreitercorps Tondern“ trägt der Verein nach einer Neugründung seit 1865. Dies nach einer Phase, in der das Ringreiten wieder „eingeschlafen“ war. Die Ehemaligen der Friedrichsgarde übergaben dessen Königslanze und eben auch das genannte Ehrenschild. Vielleicht hat auch diese Übergabe dazu geführt, dass man sich auf das Datum von 1812 berief.
In der „deutschen Zeit“ beschreibt Ludwig Andresen, dass politische Spannungen bewusst im Verein „ausgeschaltet“ wurden und man die Gegensätze versuchte zu überbrücken. Auch sollen die Ringreiterfeste von den verschiedenen Nationalitäten gut besucht worden sein. Von dem Versuch „alle“ mitzunehmen, zeugten u. a. auch die verschiedenen Anzeigen, die in deutschen und dänischen Zeitungen geschaltet wurden.

Diese Ausrichtung in Bezug auf das Nationale hat man dann auch scheinbar in die Zeit nach 1920 getragen. Hier gibt es auch von anderen Städten und Orten Beispiele, dass man direkt versuchte, die nationalen Streitigkeiten aus den Vereinen herauszuhalten. Dies ist auch direkt in Satzungen beschrieben, die in deutscher und dänischer Sprache gehalten wurden. Dagegen gibt es aber auch Beispiele von Ringreitervereinen, die sich eher deutsch oder dänisch zeigten.

Deutlich wird die unpolitische Haltung auch an den beiden gezeigten Plakaten von dem Jubiläum zum 125-jährigen Bestehen des Ringreitercorps Tondern 1937. Einzig die Betonung der Teilnahme von König Christian X. fällt unterschiedlich aus. Beim dänischen Plakat wird auf diese Tatsache deutlich hingewiesen. Beim deutschen Plakat steht es „nur“ in einer Unterüberschrift.
Das Tonderaner Ringreitercorps musste in seinem Bestehen Höhen und Tiefen überstehen. Zuletzt, nach zehnjähriger Pause, konnten seit 2016 wieder regelmäßig Ringreiterfeste durchgeführt werden.

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