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Dienstag, 28. März 2017

Kulturkommentar: Imerco-Dänen und Depot-Deutsche

Kähler-Vasen, Hoptimisten, Kaj-Bojesen-Affen und -Elefanten auf Fensterbänken und Kommoden oder im Regal, das Cirkel-Kaffe-Plakat an der Wand. Das sind einige der Komponenten, mit denen die typisch dänische Heimstatt verziert wird. Nachzusehen in milden Variationen in so ziemlich jeder Folge von „Kender Du Typen?“ im dänischen Fernsehen. Oder einfach beim Nachbarn klingeln.

Als ich vor inzwischen vielen Jahren in meiner Anfangszeit in Nordschleswig des abends die hochgeklappten Bordsteine Apenrades ablief und den einen oder anderen verstohlenen Blick in die Wohnungen der Menschen warf, war ich doch arg erstaunt, einerseits über die Geschmackssicherheit der Dänen – andererseits darüber, dass fast alle Wohnungen aussahen, wie aus dem Katalog. Aus dem selben Katalog allerdings.

Hauptursächlich für die Geschmackssicherheit der Dänen ist die einfache Wahrheit, dass es in Dänemark keine andere Wahl gibt. In sämtlichen Fußgängerzonen Dänemarks haben sich die ewig gleichen Haushaltswarenketten niedergelassen. An den Zufahrtsstraßen gibt es eine kleine Handvoll an verschiedenen Einrichtungshaus-Ketten – und selbst jene, die nicht zu den Ketten gehören, haben größtenteils deren Sortiment im Angebot. 

Diese Monokultur setzt sich auch in Deutschland langsam immer stärker durch. Statt Imerco gibt es Depot. Allerdings gibt es bei Karstadt oder Kaufhof oder wie das örtliche Kaufhaus nun gerade heißt auch noch anderen Kram zu kaufen. Viele Deutsche richten sich gar mit Baumarkt-Möbeln ein. In den Städten gibt es noch „einzelne“ Einzelhändler. Es gibt mehr Auswahl. Das Problem daran: Die deutschen Haushaltswaren- und Einrichtungshäuser (man denke nur an Roller) bieten den oftmals in Stilfragen unbewanderten Kunden eine Palette an, die zum Großteil aus designerischen Fehlleistungen besteht. Das berüchtigte, finstere Gelsenkirchener Barock ist aus den meisten deutschen Wohnungen inzwischen verschwunden – und hat einer Kakophonie des Grauens aus Ikea-Schrott, spießigen Holzmöbeln vom Dänischen Bettenlager (das ein anderes Sortiment hat als Jysk!), den Tipps aus der letzten Landlust-Ausgabe und Spanplatten-Chique von Roller Platz gemacht.

Bei Menschen, die tatsächlich Geschmack haben, kann die Vielfalt des Angebotes in Deutschland ein Segen sein. Doch ich bin mir sicher: Ein Teil des Geheimnisses des vielbeschworenen dänischen Glückes liegt in der auf ein Mindestmaß an Stil begrenzten Auswahl an Einrichtungsmöglichkeiten. 

Cornelius von Tiedemann

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