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Dienstag, 28. März 2017

Die Wiederentdeckung der Ekensunder Künstlerkolonie

Im bayrischen Dachau sorgen Gemälde aus Nordschleswig für ungeahnten Besucherandrang

Rund 1.500 Menschen leben in Ekensund heute. Reizvoll gelegen ist der Ort an der Flensburger Förde, umgeben von Buchenwäldern und gespickt mit schönen, alten Häusern. Vor vielen Jahren bildete diese Landschaft den Rahmen des Lebens der Ziegeleiarbeiter und ihrer Familien. Und noch heute ist die Gegend von nicht unbedeutender Ziegelproduktion geprägt. Deutschland liegt auf der anderen Seite der Förde in Sichtweite, etwa drei Kilometer Luftlinie entfernt. 
In Dänemark wissen die wenigsten heute, dass Ekensund vor mehr als hundert Jahren das Zentrum einer Kolonie talentierter – und berühmter – Künstler war. Die Werke, die sie in ihrer kleinen Gemeinschaft schufen, stehen in ihrer Qualität dem Großteil der Kunst in nichts nach, die damals in den Künstlerkolonien in Skagen, auf Fünen und Bornholm auf Leinwand gebannt wurde.
Dass Ekensund selbst bei Kunstliebhabern in Dänemark heute fast unbekannt ist, liegt auch an der bewegten Geschichte des Grenzlandes. Die Künstlerkolonie entstand – und verschwand – als Nordschleswig deutsch war. Und die allermeisten Künstler, die mit Schumanns Gasthaus als Zentrum von den 1870er-Jahren bis 1920 dort wirkten, kamen aus dem deutschen Kaiserreich. Nur eine bescheidene Anzahl dänischer Künstler hatte ein Auge für Ekensund und die Welt an Motiven, die der Ort und sein Umland boten.
Das Kunstmuseum Brundlund Slot in Apenrade hatte die Ekensundkolonie bereits 2016 mit einer gut besuchten und schön kurierten Ausstellung in den Mittelpunkt gesetzt. Und derzeit bildet die Gemäldegalerie in Dachau, nordöstlich Münchens, den Rahmen einer weiteren Ausstellung, die die Position Ekensunds als Dorf mit einer ganz besonderen Geschichte im Kunstbetrieb unterstreicht.
Die Ausstellung „Ekensund – im Kreis der Künstlerkolonien an der Ostsee“ eröffnete am 18. November und läuft noch bis zum 5. März dieses Jahres. Bis Ende Januar hatten bereits 2.600 Gäste, größtenteils aus Süddeutschland, die Ausstellung besucht. „Und diese Besucherzahl ist wirklich toll, verglichen mit dem Interesse, das unseren Ausstellungen normalerweise entgegengebracht wird“, sagt Dr. Jutta Mannes vom Museum in Dachau.

Ausstellung zieht von Bayern nach Mecklenburg weiter
Wer die Ausstellung aus Dänemark besuchen möchte, hat eine lange Anreise vor sich – doch schon bald geht es auch ein wenig einfacher: Kurz nach Ende der Schau in Dachau zieht sie in den Norden, nach Schwaan in Mecklenburg. Südlich von Rostock zeigt die Kunstmühle Schwaan die Bilder vom 23. März bis zum 28. Mai. 
Unter den Künstlern, die es in Dachau und Schwaan zu sehen gibt, sind viele alte Bekannte aus der Ausstellung in Apenrade: Jacob Nöbbe, Otto Heinrich Engel, Heinrich Petersen-Angeln, Alex Eckener, Gustav Schönleber, Erich Kubierschky und Fritz Stoltenberg. Letzterer arbeitete, wie viele andere Künstler aus dem Süden, auch in Skagen. 
Ein Großteil der Künstler in Ekensund wurde in Kunstakademien in Berlin, Karlsruhe oder Düsseldorf ausgebildet. Nicht wenige waren dort als Lehrer und Professoren tätig. Häufig führten sie ihre Studierenden und Lehrer zum arbeiten – und zum lernen – nach Ekensund. Ziegeleien, Meer und Förde mit Schifffahrt und Fischerei reizten die Künstler. Und so wie ein gewisser Lars Gaihede für Michael Ancher & Co. zum Lieblingsmotiv wurde, so musste der Ekensunder Fischer Asmus Sommer des Öfteren als Modell für die Maler an der Flensburger Förde herhalten. 
Während die Ausstellung in Apenrade größtenteils aus Werken bestand, die aus anderen Museen, so etwa dem Museumsberg in Flensburg, geliehen wurden, haben zahlreiche private Sammler zu der Ausstellung in Dachau beigetragen. Doch auch das Flensburger Schifffahrtsmuseum und Schloß Gottorf haben Leihgaben bereitgestellt. 
Nach 1920, als Ekensund dänisch wurde, verteilten sich die deutschen Künstler auf andere Orte innerhalb des Deutschen Reiches. Lange Zeit galt das Schaffen der Ekensunder Kolonie den meisten Dänen deshalb als „deutsche Kunst auf deutschem Boden“. Doch inzwischen wird das Bild der Kunstliebhaber nuancierter. Ursprünglich war Ekensund dänisch, dann deutsch, dann wieder dänisch – und heute liegt es eben in Nordschleswig oder „Sønderjylland“ – am Rande zu Deutschland. 

Flemming Nielsen

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