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Mittwoch, 22. Februar 2017

Kommt nach Aarhus, liebe Nordschleswiger

Timo Iwersen schreibt monatlich für den Nordschleswiger über die europäische Kulturhauptstadt Aarhus

Aarhus Als ich am 21. Januar um 17.26 Uhr in den Bus Richtung Innenstadt von Aarhus stieg, hatte ich schon ein leichtes Kribbeln im Bauch. Anderthalb Stunden später sollte die große Eröffnungsfeier des Kulturhauptstadtjahres stattfinden. Und für mich als leidenschaftlichen Wahl-Aarhusianer, als „aarhusianer af hjerte“, wie ich mich selbst gern bezeichne, war es schon etwas ganz Besonderes, dass sich „meine“ Stadt jetzt bald ganz offiziell Kulturhauptstadt nennen durfte.
Dass Aarhus „Smilets by“ (Stadt des Lächelns) genannt wird, wurde auch bei der Busfahrt in die Stadt schnell deutlich. Überall waren lächelnde, frohe, erwartungsvolle Gesichter zu sehen. Und das, obwohl der Bus innerhalb kürzester Zeit proppenvoll war. Denn sympathisch, wie Aarhus nun einmal ist, war Stadtbus fahren an diesem Eröffnungstag kostenlos. Zusätzliche Busse wurden aber nicht eingesetzt. Auch das ist Aarhus. Als „aarhushistorier“ (Aarhus-Geschichten) ist in Dänemark das Phänomen bekannt, dass hier trotz allerbester Intentionen öfter mal was schiefgeht. Warum das so ist? Schwer zu sagen. Manchmal ist es schieres Unvermögen, manchmal kommt auch Pech dazu. Und irgendwie werden Pläne oft nicht ganz zu Ende gedacht und der Teufel steckt hier anscheinend öfter im Detail als anderswo.
Vielleicht auch deshalb hat man sich bei der Wahl der Engländerin Rebecca Matthews als Geschäftsführerin für Aarhus 2017 international ausgerichtet. Und für die Eröffnungszeremonie hatte man sich den Briten Nigel Jamieson ins Boot geholt, einen weltberühmten Theater- und Eventregisseur, der u. a. bei der imposanten „Tin Symphony“ bei den Olympischen Spielen in Sydney im Jahr 2000 Regie geführt hat.
Bei der Busfahrt in die Stadt habe ich kurz einen Blick ins Programm von Aarhus 2017 geworfen. Um dies ganz fertig lesen zu können, hätte ich aber wahrscheinlich bis Nordschleswig weiterfahren müssen. Und auch das hätte wahrscheinlich nicht gereicht, denn es gibt so viele Programmpunkte, dass es auch nicht möglich ist, hier einen ausreichenden Überblick zu bieten. Ich werde im Laufe des Jahres aber öfter mal auf interessante und sehenswerte Veranstaltungen hinweisen.
Drei Großevents möchte ich aber jetzt schon kurz erwähnen. Auf dem in die Landschaft eingearbeiteten Dach des Museums Moesgaard wird vom 24. Mai bis 1. Juli das Stück „Røde Orm“ (Roter Wurm) aufgeführt; eine imposante Großaufführung im Freien des Königlichen Theaters, die auf einer Erzählung aus der Wikingerzeit basiert.
Die in New York ansässige, transsexuelle Multi-Künstlerin Anohni (früher bekannt als Antony Hegarty von der Band „Antony and the Johnsons“) wird im Kulturhauptstadtjahr zu einer sogenannten Artist-in-Residence. Sie zieht also nach Aarhus und wird im Laufe des Jahres verschiedene multimediale Ausstellungen entwickeln sowie zusammen mit dem Aarhus Sinfonieorchester ein einzigartiges musikalisches Werk schaffen, das am 18. November aufgeführt wird.
Wer die Filme von Susanne Bier gut findet, der kommt im August, September und November voll auf seine Kosten. Es werden die Filme „Brødre“ (Brothers – Zwischen Brüdern), „Efter brylluppet“ (Nach der Hochzeit) und „Elsker dig for evigt“ (Für immer und ewig) als Oper, Musical bzw. Tanzaufführung interpretiert und aufgeführt.
Hier und bei vielen anderen Veranstaltungen kommt das übergeordnete Thema von Aarhus 2017 zum Tragen: „Rethink“, was so viel heißen soll wie „Umdenken“ oder „Neu denken“. Anfangs fand ich persönlich dieses Thema etwas zu undeutlich, weil es eigentlich alles und nichts zugleich bedeuten kann. Aber irgendwie machte an diesem Abend der Eröffnungsfeier plötzlich alles Sinn. Auf dem Weg von der Bushaltestelle zu DOKK1, dem neuen Kulturzentrum und Büchereigebäude der Stadt, wo die Veranstaltung zu Ende gehen sollte, fiel mir ein, wie Aarhus aussah, als ich 1992 hierhin gezogen war. Da verlief mitten durch die Stadt eine lärmende, hektische vierspurige Straße. Die wurde Ende der 90er Jahre durch die Freilegung der Au Århus Å abgelöst. Und da ging es eigentlich schon los mit dem „Rethinken“.


Internationale Aufmerksamkeit
Denn seitdem ist Aarhus nicht nur eine schönere Stadt geworden, sondern es werden auch laufend immer neue Projekte und Ideen entwickelt, die mittlerweile dazu geführt haben, dass Aarhus auch im Ausland viel Aufmerksamkeit erregt hat. Die Stadt befindet sich schon seit vielen Jahren in einer ständigen, positiven Entwicklung. Aarhus ist heute nicht mehr nur der kleine Bruder von Kopenhagen oder der etwas tollpatschige große Bruder von Horsens oder Herning, die insbesondere mehr musikalische Großevents anbieten als Aarhus. Aarhus hat seinen ganz eigenen Ausdruck gefunden. Hier wird immer wieder neu gedacht, umgedacht – und dies wird dann auch in konkrete Taten umgesetzt. Das wird sich 2017 hoffentlich und wahrscheinlich noch deutlicher zeigen als bisher.
Zum Schluss bin ich dann bei DOKK1 angekommen. In der ganzen Stadt und auch hier herrschte ein magische, eine fast andächtige Stimmung. Nirgendwo gab es unangenehmen Lärm wie bei solchen Großveranstaltungen sonst üblich. Nein, Aarhus war an diesem Abend wie verzaubert. Und die fantastische Eröffnungsshow trug ihres dazu bei, diese Stimmung noch zu verstärken.
„Kom så, Aarhus“ („Los geht’s, Aarhus“), so schloss die dänische Königin ihre Rede bei der Eröffnungsfeier ab. In den wenigen Worten liegt sehr viel Inhalt. Deuten kann man es z. B. auf folgende Weise: Los geht‘s, Aarhus! Wir wissen, dass du es draufhast, du hast das Potenzial. Du musst jetzt nur das Beste daraus machen. Und wir sind zuversichtlich, dass es klappt.
Ich möchte euch in Nordschleswig abschließend gerne zurufen: „Kommt, liebe Nordschleswiger! Kommt nach Aarhus!“ 

Timo Iwersen

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