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Mittwoch, 22. Februar 2017

Kulturkommentar: Kopf hoch, sonst rutscht die Krone

Ich kann es ja nicht lassen. Die Jahreszahl ist einfach zu fest verankert mit Sonderburg. Und so denke ich jedes Mal, wenn ich von der dänischen Kulturhauptstadt 2017 höre oder lese, im ersten Augenblick an Sonderburg. Sonderburg 2017 – diese Kombination aus zehn Buchstaben und vier Zahlen ist so derart fest in meinem Kopf und im Herzen verankert, dass ich es Aarhus immer  wieder von Neuem gönnen und zugestehen muss, dass „sie“ und nicht „wir“ den „Titel“ geholt haben. In den vier Jahren der Kandidatur war ich Journalistin in Sonderburg – und habe in all der Zeit „ich-weiß-nicht-wie-viele“ Artikel über die Möglichkeit geschrieben, dass Sonderburg die Kulturhauptstadt 2017 wird. 2012 kam dann der Tag der Entscheidung. 
Nach unzähligen Jurybesuchen und Standortbestimmungen, der Veröffentlichung der finalen Kandidatur und vielen, vielen Interviews und Reportagen zum Thema stand ich im Sommer 2012 mit unserer Fotografin inmitten der „Countryside Metropolis“ und hielt den Atem an. Ich verfolgte auf dem Sonderburger Rathausplatz die Verkündigung per Liveschaltung aus Kopenhagen. Sonderburg oder Aarhus? Aarhus oder Sonderburg? Bei all dem „David gegen Goliath“ der vergangenen Jahre war stets eins geblieben: die Hoffnung. 

Die letzten Sekunden nahten. Die Live-Schaltung aus der Hauptstadt wackelte bedenklich in Ton und Bild, und man dachte bei sich: Bis 2017 muss da dann wohl noch die ein oder andere professionelle Schraube gedreht werden. Doch die  Jury, bestehend aus sechs dänischen und sieben Vertretern aus anderen europäischen Ländern, ließ Sonderburg diese Chance nicht –  und gab Aarhus den Titel. Jubel in Aarhus und in Sonderburg starb die Hoffnung dann doch zuletzt. Ich tupfte mir mit dem Kuli verstohlen eine Träne aus dem Auge und befragte mit verschleiertem Blick die Trauernden um mich herum. 

Und so wehmute ich bei jedem Bericht über Aarhus, der mir von  Medien weltweit serviert wird: Wenn Sonderburg gewonnen hätte, dann stünden jetzt Sonderburg und das Grenzland im Fokus der Weltpresse. Mäh. Doch Sonderburg und ich wären eine schlechte Verliererin, wenn es beim Mäh bliebe. Die Kommune macht das Beste draus, zeigt sich als stolze Kandidatin, hat mehr Kultur denn je für 2017 auf die Beine gestellt und genießt Aarhus als Kulturhauptstadt einfach mit. 
Ein überaus schönes Beispiel für eine gelingende Kulturkultur: Hinfallen. Aufstehen. Krone richten. Weitergehen. Nie stehen bleiben, egal wie weh es tut. Aufblicken, auch wenn es so wunderbar verlockend ist, den Kopf in den Sand zu stecken, um die Tränen nicht zu zeigen. Weitermachen, auch wenn eine Sache verloren ist. Neue Wege suchen, wenn es auf den geplanten nicht weitergeht. Oder sie dahin führen, wo man eigentlich nie sein wollte. Sich neu erfinden. Und das Beste aus der Situation machen. Sich mit anderen mitfreuen – und sich neu inspirieren lassen. Neue Pläne machen – und neu träumen. 
Dann entsteht eine Kultur, die mehr wert ist als jeder Titel.  Sonderburg 2017 steht für mich also weiter für eine feste Größe: Für eine Kultur des über sich Hinauswachsens.

Sara Wasmund

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