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Mittwoch, 22. Februar 2017

Angst und Mut

Vor wenigen Tagen veröffentlichte TV2 eine Meinungsumfrage von Megafon darüber, was den Dänen zurzeit die größten Sorgen bereitet: klar an erster Stelle steht US-Präsident Trump, danach Terrorismus, Kriminalität, Klima usw.  Der historische Angstgegner Deutschland ist seit Jahren kein Thema mehr, interessant allerdings, dass auch Europa – jedenfalls laut Untersuchung - nicht zu den dänischen Sorgenkindern gehört.
Es ist natürlich ein Zufall, und doch ist die Parallelität bemerkenswert: sowohl die Vorsitzende der Außenpolitischen Gesellschaft, die ehemalige Venstre-Ministerin Lykke Friis, in ihrem Vortrag auf Schloss Schackenborg als auch der frühere Außenminister und langjährige Parteichef der Radikalen Venstre, Niels Helveg Petersen, in einem TV-Interview bei DK4 haben ihre Sorgen um Europa zum Ausdruck gebracht, zugleich aber setzen sie beide in der jetzigen Situation ihre Hoffnung auf Deutschland.  Beide wünschen sich, dass Deutschland noch mehr Verantwortung übernimmt, wobei Lykke jedoch darauf verwies, dass es den deutschen Politikern noch immer schwerfällt, das Wort „f-ü-h-r-e-n“ zu  buchstabieren. Helveg sieht Deutschland „als Anker der Stabilität in Europa“ und erwartet, dass  Deutschland weiterhin nachdrücklich einen EU-Kurs auf Zusammenhalt steuert und eine drohende Re-Nationalisierung verhindert, die in manchen Ländern plötzlich Rückenwind erfährt. In der Tat kann man sich, wie Helveg betont, über die Geschichtslosigkeit jener Leute – auch im eigenen Königreich - wundern, die da glauben, dass ihr Land auf eigenen Beinen stehen kann. Man möge sich doch bitte mal an das Chaos früherer Zeiten erinnern, so Helveg, und Lykke warnt sogar vor dem Glauben, etwa im Alleingang mit Trumps USA Lösungen zu finden – also außerhalb der europäischen Zusammenarbeit. 
Just vor diesem Hintergrund ist die Wahl am 24. September in Deutschland von historischer Bedeutung. Zwar ist in Deutschland kein (ausschlaggebender) Rechtsruck wie zum Beispiel in Frankreich zu befürchten, aber es ist eben für Europa nicht gleichgültig, wer künftig auf der Kommandobrücke steht. Merkel und Martin Schulz sind sich im Willen zur europäischen Integration zwar weiterhin einig, ihr jeweiliger Ansatz ist aber unterschiedlich.  
Entscheidend ist, dass Deutschland sich seiner Verantwortung bewusst ist, auch zu mehr Verantwortung, obwohl das gewiss nicht überall auf Zustimmung stoßen wird. Der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck hat mit seiner Mahnung, die historische Schuld nicht dazu zu benutzen, um dahinter „Weltabgewandtheit und Bequemlichkeit“ zu erreichen, den Weg gezeigt, den sein Nachfolger Frank-Walter Steinmeier in seiner Antrittsrede  mit den Worten beschrieb: „Ist es nicht wunderbar, dass dieses Land für viele in der Welt ein Anker der Hoffnung geworden ist? Wir machen anderen Mut.“ 
Die Angst vor Deutschland ist glücklicherweise gewichen. Deutscher Mut ist nicht mit Übermut zu verwechseln, sondern ist die wachsende und realistische Erkenntnis - trotz der eigenen historischen Belastungen - in diesen stürmischen Zeiten Europa so zu gestalten, dass in einem engen Schulterschluss mit anderen Ländern ein Scheitern, ein Zurück vermieden wird. Dazu bedarf es aber auch einer aktiveren Rolle Dänemarks! 

Siegfried Matlok

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