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Dienstag, 28. März 2017

Der Sport hat keine eigenen Spielregeln

Der frühere dänische Handballnationaltrainer der Frauen, Jan Pytlick, hat sich einen schlimmen Fauxpas geleistet: Wahrscheinlich aus Frustration darüber, dass ihm und dem ambitionierten Klub HC Odense gerade drei schwangere Spieler fehlen, hat er seine restlichen Spielerinnen aufgefordert, nicht schwanger zu werden.
Jeder, der einmal eine Frauenmannschaft im Sport trainiert hat, weiß, dass der Kader im Laufe einer Saison aufgrund von Schwangerschaften  dezimiert werden kann. Wie schlimm es einem Verein  gehen kann, wenn die beste Spielerin ausfällt, zeigt das Beispiel Estavana Polman: Als die Holländerin  vor einigen Monaten ihre Karriere bei Team Esbjerg zwischenzeitlich einstellte, setzte beim amtierenden dänischen Meister die Krise ein.
Aber ein international erfahrener Trainer wie Jan Pytlick weiß, dass das zum Geschäft gehört. Vielleicht fallen gerade deshalb die Reaktionen auf Pytlicks Aussage so bitterböse aus: Frühere Nationalspielerinnen reagieren empört, und auch die Spielergewerkschaft zeigt sich geschockt darüber, dass es 2017 eine solche Aussage gibt.
Pytlick versucht indes zurückzurudern: „Ich habe nichts gegen Schwangerschaften. Was mich stört, ist die fehlende Offenheit über die Lebensplanung, wenn man gerade seinen Vertrag um drei Jahre verlängert und dann nach zwei Monaten nicht mehr zur Verfügung steht.“
Doch so sind nun einmal die Spielregeln auf dem Arbeitsmarkt – und die gelten auch für Sportvereine: Der Sport hat sich jahrelang selbst Sonderrechte eingeräumt und hat einen Bogen um die normalen Spielregeln des Arbeitsmarktes gemacht. Doch die Zeiten sind längst vorbei: Sportklubs sind heute Unternehmen, die professionell geführt werden müssen, und sie können nicht nach eigenen Spielregeln agieren.
Sportler sind keine Sklaven der Klubs. Sie haben menschliche Bedürfnisse, und dazu gehört bei Frauen, Mutter zu werden. Und Sportler haben auch ganz legale Arbeitnehmerrechte. 
Das weiß jeder Arbeitgeber und sollte auch für Sportvereine und Trainer nichts Neues sein. Pytlick bleibt daher nur eins: sich bei (seinen) Handballfrauen zu entschuldigen.

Gwyn Nissen

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