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Dienstag, 28. März 2017

Prinz von Dänemark

Im Alter von 82  Jahren ist Prinz Richard im sauerländischen Berleburg verstorben. Seine bei Wiesbaden lebende Tochter Alexandra war zufälligerweise bei ihrem Vater, sprach „ein letztes Hallo bei Papi“, meldete WP.de in einem Nachruf über Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg und fügte hinzu: „Fürstliche Familie führte kein Leben hinter Schlossmauer“. Es ehrt den Verstorbenen, dass die Nachrufe sowohl auf deutscher, aber nicht zuletzt auf dänischer Seite einen Mann würdigen, der zwar den Titel Prinz von Dänemark trug, ihn aber nie zur Schau stellte.
Richard übernahm erst 1969 das Haus Sayn-Wittgenstein-Berleburg, nachdem sein nach dem Ersten Weltkrieg als vermisst geltender Vater nun für tot erklärt worden war. Ein Jahr zuvor hatte er die dänische Prinzessin Benedikte geheiratet, die zweitälteste Tochter von König Frederik IX. und Königinmutter Ingrid. Interessanterweise hatten sich die beiden bei der Hochzeit der holländischen Kronprinzessin Beatrix mit dem deutschen Diplomaten Claus von Amsberg kennengelernt, eine Ehe, die wegen des deutschen Prinzen in den Niederlande für viel Wirbel sorgte. Prinz Richard war bei seiner Mutter, einer schwedischen Gräfin, aufgewachsen und beherrschte die schwedische Sprache. Just dieser Hintergrund machte ihn vor allem bei der aus Schweden stammenden Königinmutter Ingrid als Schwiegersohn  „akzeptabel“. Richard war „mehr skandinavisch als deutsch“, hieß es in Nachrufen. Zwischen Ingrid und Richard entstand eine herzliche Beziehung, das Königshaus klammerte geschickt das damals verpönte deutsche Element aus. Prinz Richard hat dennoch deutsch-dänische Spuren hinterlassen, die nicht zu unterschätzen sind. Durch die häufigen Besuche in Berleburg fand Ingrid ihre späte Versöhnung mit Deutschland, und auch Königin Margrethe hat sich bei diesen Schwesterbesuchen in Berleburg selbst ein Bild des neuen Deutschland gemacht, das auch bei ihr zu einer historischen Entkrampfung führte. 
Die Dänen werden Prinz Richard nicht als royalen Bonvivant in Erinnerung behalten, sondern als jemanden, der sich gerade im Volk wohlfühlte. Beim Fliegenfischen auf Lachse und als Jäger hat er viele im Lande kennengelernt, sie haben ihn lustig, ja oft schelmisch schätzen gelernt: Mit seinem Humor verstand er es, auch die eigenen höfischen Kreise auf den Arm zu nehmen, ohne jedoch die Würde zu missachten, die ihm seine Prinzen-(Neben-)Rolle auferlegte. 
Richard hatte Temperament – und eine scharfe Zunge. Dass er einst die Ostpolitik von Willy Brandt öffentlich in Misskredit brachte, haben ihm nicht alle verziehen. Er war beliebt in seiner Heimat, auch unter seinen Mitarbeitern, zugleich jedoch umstritten: 2003 siedelte er auf Teilen  seines 13.000 Hektar großen Waldbesitzes im Rothaargebirge erstmalig nach 235 Jahren Wisent (europäischer Bison) in Deutschland an. Nachdem eine Wanderin von einem Tier verletzt worden war, gibt es heftigen Streit: Er musste wegen zu drastischer Äußerungen sogar ein Bußgeld zahlen. Die gerichtliche Klärung seines visionären Umweltprojekts hat er nicht mehr erlebt. 
Es gab in der Geschichte viele Prinzen aus Deutschland, Richard verdient einen Ehrenplatz. 

S. Matlok

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