Deutsche Minderheit

„Es nützt nichts, krampfhaft an der Papierzeitung festzuhalten“

Sara Wasmund
Sara Wasmund Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Elin Marquardsen
Elin Marquardsen Foto: Karin Riggelsen

Im Vorfeld der Generalversammlung des Deutschen Pressevereins spricht die Vorsitzende Elin Marquardsen über das Ende der gedruckten Zeitung.

Das Ende der Papierzeitung des Nordschleswigers – darum geht es am Montag auf der Generalversammlung des Pressevereins. Der Nordschleswiger sprach im Interview mit der Vorsitzenden des Deutschen Pressevereins, Elin Marquardsen und fragte nach: Wie lange wird es die Papierzeitung noch geben?

Seit Jahren redet man davon, die Papierzeitung aufgrund sinkender Abozahlen irgendwann einstellen zu müssen. Jetzt wird es konkret. Der BDN will seine Mittel umverteilen, und in diesem Zuge kommt die Abschaffung der Papierzeitung erneut auf den Tisch. Ist das „irgendwann“ jetzt greifbar nahe?

Ich denke, das ist so. Es ist mir wichtig zu unterstreichen, dass wir den Nordschleswiger nicht abschaffen werden, sondern dass ein Medium das andere ablöst. Der Medienkonsum hat sich verändert. Neuigkeiten und Berichterstattung finden zum großen Teil online statt. Wir verlieren jedes Jahr rund 100 Abonnenten. Es nützt nichts, krampfhaft an der Papierzeitung festzuhalten, wenn sie nicht genutzt wird. Ja, daher ist es jetzt Zeit, über das Ende zu sprechen. Wir können absehen, dass wir 2020 unter 1.000 Abonnenten liegen werden. Wir können wir es da vor den Geldgebern rechtfertigen, dass wir für 1.000 Abos 28 Millionen Kronen an Betriebsmitteln verwenden? Der Presseverein ist dafür verantwortlich, den Nordschleswiger zu sichern und zu erhalten. Wir müssen etwas tun, und daher gehen wir mit dem Online-Auftritt neue Wege.

Wird es einen harten Schnitt geben, also ganz weg vom Papier und mit dem E-Abo auf online umstellen, oder ist damit zu rechnen, dass es eine Wochenzeitung oder ein vierteljährliches Magazin geben wird? Diese Möglichkeiten stehen nun ja zur Diskussion. Was ist dein Favorit?

Ich denke, eine komplette Umstellung auf online wäre sinnvoll, inklusive dem E-Abo. Dann wird man sehen, wie viele das E-Abo tatsächlich noch nutzen.

Was denkst du: Wann wird die letzte Papier-Tageszeitung erscheinen?

Mein Wunsch ist es, dass wir bis zum 75. Geburtstag der Zeitung, also Anfang Februar 2021, noch als Tageszeitung erscheinen. Und dann komplett umstellen.

Das ist dein Wunsch – aber wie realistisch ist er? Ist es auch möglich, dass die Papierzeitung beispielsweise schon im Laufe von 2019 eingestellt wird?

Möglich ist es. Aber ich hoffe, dass wir einen anderen Weg finden. Denn wir benötigen Zeit, damit wir ein digitales Produkt haben, das so weit ist. Und wir müssen darauf achten, dass wir die Leser mitnehmen und ihnen Zeit geben, sich an neue Medienformen zu gewöhnen.

Was ist mit der Sichtbarkeit, die die Zeitung für die Minderheit darstellt. Die Zeitung wurde immer wieder in Reden als der „Kitt“ der Minderheit bezeichnet. War das alles nur so dahingesagt? Wo bleibt die Sichtbarkeit, wenn die Papierzeitung als greifbares Produkt verschwindet?

Die Sichtbarkeit ist tatsächlich mein größtes Problem. Die Zeitung liegt überall aus, und die große Frage ist: Wie kompensieren wir das? Denn, ja, das Gesicht der Zeitung verkörpert das Medium Papier. Hier müssen wir nachdenken. Neu denken. Ist es beispielsweise möglich, im Haus Nordschleswig und anderen Institutionen Bildschirme aufzustellen, auf denen dann die Homepage des Nordschleswigers zu sehen ist, mit wechselnden Nachrichten und Bildern? Das wäre was Sichtbares. Hier müssen wir kreativ werden.

Es gibt aber gerade in unserer Kernleserschaft nicht wenige, die ausschließlich die Papierzeitung konsumieren und weder ein Smartphone, ein Tablet oder einen Internetzugang haben. Und auch nicht haben wollen. Was sagst du diesen Lesern, die dann ohne Medium dastehen?

Ich möchte dafür werben, sich auf die neuen Wege einzulassen, sich daran zu gewöhnen. Angenommen, man hätte jetzt zweieinhalb Jahre Zeit, dann könnte man den neuen Medien eine Chance geben. Denn natürlich wollen wir die Leser mitnehmen! Ein Nordschleswiger ohne Leser ergibt keinen Sinn. Aber neben der Kernleserschaft der Papierzeitung ist es wichtig, neue Leser zu gewinnen. Und das kann uns nur online gelingen.

Was hältst du von einem umfangreichen Zeitungsmagazin, Erscheinungsdatum einmal die Woche, mit guten Lesegeschichten, Reportagen und den Neuigkeiten aus Nordschleswig kurz und bündig? So würde man auch die Papierzeitungsleser weiter bedienen. Gute Wochenendzeitungen verzeichnen mittlerweile immerhin steigende Auflagen.

Das wäre eine Variante, die man durchrechnen muss. Ich persönlich würde mich für den papierlosen Weg entscheiden. Aber nicht zuletzt wollen wir auf der Generalversammlung am Montag die Leser dazu aufrufen, Stellung zu beziehen, Wünsche zu äußern. Wir wollen diskutieren und zeigen, dass wir nicht einfach eine Sparübung durchführen. Manche werden sagen „ihr nehmt uns die Zeitung weg“. Aber nicht wir nehmen die Papierzeitung weg. Es sind die sinkenden Abozahlen, die die Papierzeitung abschaffen.

Du sagst, der Internetauftritt des Nordschleswigers braucht noch Zeit, bis er „vollständig“ übernehmen kann. Was wünschst du dir vom Medium der Zukunft? Was muss, soll und kann nordschleswiger.dk in Zukunft bieten?

Klar ist: Wir wollen unser digitales Produkt verbessern. Es leserfreundlicher und lokaler machen. Ich persönlich würde mir auch mehr Videoclips wünschen, kleine Clips, die die lokale Berichterstattung in Schriftform ergänzen. Überhaupt ist es wichtig, dass wir online lokaler werden. Denn das ist es, was die Leute interessiert. Was passiert in der Minderheit, was passiert in Nordschleswig. Dies ist der Auftrag, den wir haben. Und unsere Aufgabe ist es, so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Online haben wir da ganz neue Möglichkeiten und eine viel größere Leserschaft.

Die Generalversammlung des Pressevereins beginnt am Montag, 14. Mai, um 19.30 Uhr im Apenrader Haus der Medien.

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