Zukunft des Nordschleswigers

Ziel: Mitnahme der Leser in die digitale Zukunft

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Karin Riggelsen

Die jüngere Generation liest keine Papierzeitung mehr. Dies bedeute aber nicht, dass der Nordschleswiger dichtmacht, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

„Ich sehe, dass viele Leser und Mitarbeiter sehr an der Papierzeitung hängen. Aber wir werden die Schritte hin zu einer digitalen Zeitung fortsetzen“, hat der Chefredakteur des Nordschleswigers, Gwyn Nissen, in seinem Bericht zur Situation des Nordschleswigers bei der Generalversammlung des Deutschen Pressevereins für Nordschleswig unterstrichen.

Nissen betonte, dass die Entscheidung über einen Zeitpunkt der Einstellung einer Papierausgabe der Zeitung allein beim Bund Deutscher Nordschleswiger liege. Der Chefredakteur hatte vier Modelle einer Umstellung der 1946 gegründeten Zeitung der deutschen Nordschleswiger präsentiert. Neben einer direkten Umstellung von Papier auf eine Online-Ausgabe, die per Smartphone, Tabloid oder Computer gelesen werden kann, die Variante E-Paper (Zeitungsseiten auf Bildschirm), Online/E-Paper ergänzt durch eine Papier-Wochenzeitung des Nordschleswigers oder Online/E-Paper plus Monatsmagazin vom Nordschleswiger.

"Wir wollen weiter der Kitt sein"

„Egal, welche Meinung man dazu hat, so muss man sehen, dass digitale Angebote unsere Chance sind“, betonte Gwyn Nissen und fügte hinzu: „Wir wollen weiter der Kitt sein, der die Minderheit zusammenhält. Aber zu viele lesen den Nordschleswiger leider nicht.“
Nissen dankte seinem Mitarbeiterteam für ihren tagtäglichen Einsatz und auch dem Pressevereinsvorstand. „Dank an den BDN, dass er uns die Stange hält“, so der Chefredakteur und versprach: „Wir machen den Nordschleswiger nicht dicht. Dazu gibt es klare Signale vom BDN. Vor allem erhalten wir unsere lokale Präsenz.“

Zu Beginn seiner Ausführungen hatte Nissen eingeräumt, dass sich „eine Nordschleswiger-Zukunft ohne Papier für uns Papiertiger schrecklich anhört“. „Wir haben Reaktionen vor allem von Lesern bekommen, die bisher von der Diskussion über ein Ende der Papierausgabe nichts mitbekommen haben, die von den jüngsten Aussagen überrascht worden sind“, erklärte er, um auf die drastischen Veränderungen der Medienlandschaft hinzuweisen: Roboter-Journalisten, die Wirtschaftsnachrichten in wenigen Sekunden nach Präsentation von Bilanzen formulierten, Ersetzung der Schallplatten durch digitale Musikaufnahmen und Einkauf per Handy.

Hohe Auflagenverluste bei dänischen Zeitungen

„Die Papierzeitungen sind überholt worden“, so der Chefredakteur und verwies auf die drastischen Auflagen- und Einnahmeverluste aller Tageszeitungen in Dänemark. So müsse man auch im Bereich der deutschen Minderheit und ihren vielfach florierenden Institutionen und deren Nutzern feststellen, dass dort eine Generation dominiert, die keine Zeitung liest. „Das ist der Trend“, so Nissen. „Wir sind alle mit der Papierzeitung aufgewachsen“, erklärte er und nannte es als Ziel, an der Qualität der Zeitung festzuhalten und so viele Menschen wie möglich hin zu den digitalen Angeboten mitzunehmen. Er hoffe, dass so wenige wie möglich dabei auf der Strecke blieben.

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