Ausstellung 2018

Seebüll: Noldes Entwicklung als Künstler

Sara Wasmund
Sara Wasmund Hauptredaktion
Seebüll
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Christian Ring im neu bestückten Bildsaal. Die 62. Jahresausstellung auf Seebüll legt einen Schwerpunkt auf die Wanderjahre. Rechts im Bild zwei Werke von 1910, die Nolde auf Alsen schuf. Links im Hintergrund ist ein bislang öffentlich nicht gezeigtes Bild von Noldes Hund Fajo, das eine Tigerdogge darstellen soll. Foto: Elise Rahbek

Entwicklung und Wanderjahre des Malers im Fokus: Im Nolde-Museum in Seebüll eröffnet am Donnerstag die 62. Jahresausstellung.

Krank sieht er aus. Nackt und tönern, blass und bloß steht der Mann auf dem Bild da. Kaum ein Betrachter würde mit diesem Werk
namens „Nacktmodell“ Emil Nolde verbinden – und doch ist es eines von 51 noch nie ausgestellten Werken Noldes, die in der neuen Jahresausstellung zu sehen sind.

Die unbekannten Seiten Noldes entdecken, die Entwicklung des Malers in seiner jahrzehntelangen Karriere verfolgen und verstehen, das will Christian Ring, der Direktor der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, mit dieser Ausstellung erreichen.

Im Bildersaal, dem Herzen der Ausstellung, kann der Besucher anhand von 41 Bildern die künstlerische Karriere Noldes nachvollziehen. Nicht zufällig hängt gleich neben dem Eingang jener karge Akt neben zwei weiteren Nacktbildern, „die man von Nolde so nicht erwartet hätte“, so der Direktor.

Diese Bilder an der linken Saalseite zeigen Werke Noldes, die er von 1889 bis 1901 in Paris kreierte. „Nolde malte Personen völlig naturalistisch. Nolde erkannte für sich aber recht schnell, dass die reine Wiedergabe der Natur in seiner Kunst nicht alles ist – und entwickelte sich weiter“, so Ring.

Auch das ist Nolde: zwei von drei Akten, die in der neuen Ausstellung zu sehen sind. Foto: Elise Rahbek

„Wenn man es nicht wüsste, würde man daran vorbeigehen und keinen Nolde darin vermuten“

Auch die elf kleinen Ölbilder an der Stirnseite des Saals zeigen Ungewohntes von Nolde: braungrau durchwirkte Werke, die er in seinen Lehrjahren in München und Dachau erstellte. „Wenn man es nicht wüsste, würde man daran vorbeigehen und keinen Nolde darin vermuten“, so Ring über die Motive, zu denen ein Selbstbildnis ebenso gehört wie ein Waldweg vor Gebirgsketten.

Diese Periode des Schaffens war, so erfährt man, vor Noldes Abstecher nach Paris, von 1898 bis 1899.

Und weiter geht es im Leben Noldes, je länger man im Saal herumkommt: Als Nolde 1901 nach Dänemark zurückkehrt, geht es mit der Farbenpracht seiner Werke steil bergauf. So zeigt das Bild „Zwei am Strand“ von 1903 bereits erste Anzeichen jenes Farb-Flimmerns, das für Nolde so charakteristisch werden sollte.

Und bereits 1907 sahen Noldes Akte gänzlich anders aus als noch in Paris: Das Werk „Junge Frau“ zeigt eine verschwommen nackt in einer Blumenwiese liegende Frau, harte, kräftige Pinselstriche lassen den Akt mit einer Blumenwiese verschmelzen.

Eine ganze Wand für Noldes Alsen-Werke

Eine ganze Wand zeigt Noldes Werke, die er auf Alsen geschaffen hat – ein in flammend violette Sonnenstrahlen getauchter Baum am Strand, vor Farbe rot leuchtende Fennen auf einem abgeernteten Feld oder das graublau im Auge des Betrachters tosende „Herbstmeer“ – Nordschleswig, wie es nur Nolde einfangen und wiedergeben konnte. Und all die Blumen – ob Dahlien oder gleich in Form eines ganzen Gartens – die Nolde in seinen späteren Werken (ab 1917) leuchtend einzufangen vermochte – auch sie hängen in der neuen Ausstellung, erzählen von Noldes Karriere.

„In diesem Raum hängen Kunstwerke aus 53 Jahren von Noldes Schaffen“, so Ring über die neue Ausstellung.


Die 62. Jahresausstellung „Emil Nolde – Wanderjahre. Die Entdeckung der Farbe“ ist bis zum 30. November 2018 täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Im Sonderkabinett: Heckel, Kirchner, Schmidt-Rottluf, Marc und Jawlensky in der Sammlung Nolde.

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